Podiumsdiskussion

Zwangsmigrationen in Europa: Zur Geschichte eines gegenwärtigen Problems

December 08 | 18:00

Nach 1945 schienen Zwangsmigration, Flucht und Vertreibung von ethnisch und national definierten Gruppen aus der europäischen Geschichte verschwunden. Der Kontinent gab sich in einem anderen, friedvolleren Licht: wachsender Wohlstand und die Machtverhältnisse (das atomare Patt) im Ost-West-Konflikt bewirkten, dass Staatsgrenzen zwar in vielen Regionen der Welt, nur nicht mehr in Europa gewaltsam verschoben wurden. Das Leid der unmittelbar betroffenen Bevölkerungen schien weit weg. Erst die Jugoslawienkriege in den 1990er Jahren weckten erneut das Bewusstsein dafür, dass politische und soziale Ordnungen reversibel sind. Aktuell stellen der russische Angriffskrieg auf die Ukraine und die damit einhergehende größte Fluchtbewegung seit dem Zweiten Weltkrieg das europäische Selbstverständnis grundsätzlich infrage. Die Osteuropa- und Russlandhistoriker Catherine Gousseff (Paris) und Norman Naimark (Stanford) diskutieren über das Thema Gewalt, Flucht und Vertreibung in der europäischen Geschichte. Im Gespräch spüren sie den (verborgenen) Kontinuitäten dieser Phänomene nach und fragen nach ihrer Bedeutung für die Formierung der europäischen Staaten und Gesellschaften vom 20. Jahrhundert bis heute.

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Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibng, Versöhnung