Grenze, Raum, Bewegung

Seit einigen Jahren ist eine Zunahme von Forschungsarbeiten zur Thematik der Grenze zu beobachten. Als Gründe hierfür sind zum einen politische und gesellschaftliche Veränderungen zu nennen. Zum anderen führten neue Entwicklungen in der Historiografie dazu, die an Nationalstaaten orientierte sozialwissenschaftliche Forschung und Geschichtsschreibung zu hinterfragen.

Diese Kritik an der bisherigen historiografischen Forschung sowie das steigende Interesse an transnationalen Phänomenen haben zu einem Anstieg der Forschungsarbeiten zu Grenzregionen geführt, deren Bedeutung von der klassischen Geschichtsschreibung bis dahin als sekundär eingeschätzt worden war. Die Forschungsarbeiten haben Regionen untersucht, die durch den Wechsel der Staatszugehörigkeit und/oder durch die Erfahrung der direkten Nachbarschaft mit dem/den Anderen geprägt sind.

Dieses erneut aufscheinende Interesse an der Thematik veranlasst uns dazu, die Verbindungsfunktion von Grenzen in den Vordergrund zu stellen und diese eher als Ausgangspunkt für Austausch und Vermischung denn als Trennungslinie zu sehen.

Neben neuen Forschungsfragen aus der Historiographie können auch aktuelle politische und gesellschaftliche Entwicklungen als Grund für das neu erwachte Interesse an der Erforschung von Grenzen und Grenzräumen genannt werden. Globalisierungs- und Europäisierungsprozesse führen zu einer oft paradoxen Umdeutung von Grenzen. Im Zuge der Intensivierung des Personen-, Güter- und Informationsverkehrs lässt sich die Öffnung oder gar Auflösung von Grenzen beobachten. Parallel dazu zeichnet sich jedoch eine deutliche Entwicklung hin zur Schließung von Grenzen bzw. zu deren verstärkter Kontrolle ab. Damit verbunden ist eine zunehmende Kriminalisierung des illegalen Übertrittes dieser Grenzen.

Das Interesse an der Thematik der Grenze geht auch auf ihre Bedeutung zurück. Die Umdeutungen der territorialen Grenzen sind Sinnbild für die Veränderung der Definition der Nationalstaaten. Sie geben Aufschluss über aktuelle Praktiken und Repräsentationen innerhalb dieser Grenzen.



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© Centre Marc Bloch 2018 - Deutsch-Französisches Forschungszentrum für Sozialwissenschaften, Berlin

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