Verletzlichkeit und Dynamik der Lebensformen

Koordination: Estelle Ferrarese

Die internationale Forschungsgruppe (Groupement de recherches international, GDRI) „Verletzlichkeit und Dynamik der Lebensformen“, finanziert vom Centre national de la recherche scientifique (CNRS), ist für vier Jahre (2016–2019) am Centre Marc Bloch angesiedelt und besteht aus 32 ForscherInnen und NachwuchswissenschaftlerInnen. Sie vereint die Humboldt-Universität zu Berlin, die Johns Hopkins University Baltimore, die City University of New York, die Doshisha University Kyoto, die Universität La Sapienza in Rom sowie die CNRS-Forschungszentren PhiCo (Sorbonne) und EPIDAPO (Los Angeles).

Das Konzept der Lebensformen hat seit der Jahrtausendwende einen spektakulären Aufstieg innerhalb verschiedener Fachbereiche erfahren, von der Soziologie über die Ethik und Politik bis hin zur Anthropologie, und bildet einen der wichtigsten Verbindungspunkte zwischen den Geistes- und Sozialwissenschaften und den Naturwissenschaften. Dieses Netzwerk hat zum Ziel, ein über Fachgrenzen und Denktraditionen hinaus kohärentes Forschungsfeld zu schaffen und zu gestalten.

Sei es im Rahmen der Kritischen Theorie, der Philosophie der Alltagssprache nach Wittgenstein und Cavell, der von Foucault geprägten Theorie der Biopolitik oder der anthropologischen Strömungen, die sich mit den Verschränkungen des Sozialen und des Biologischen beschäftigen – der Begriff der Lebensform ermöglicht es in erster Linie, neue Formen der Kritik dessen zu formulieren, was gegeben scheint. Und weil er die Verknüpfungen des „Sozialen“ mit dem „Vitalen“, auf denen die Institutionen der menschlichen Welt beruhen, in ein neues Licht stellt, verlangt er eine umfassenden Reaktualisierung der grundlegenden Kategorien der Geisteswissenschaften. Des Weiteren eröffnet der Begriff in einer von globalen Umwälzungen betroffenen Welt eine Perspektive auf die neue Verletzlichkeit menschlicher Lebensformen, ja der menschlichen Lebensform an sich.

Die Forschungsgruppe hat sich zum Ziel gesetzt, zu erforschen, wie eine Ethik der Lebensformen im Licht der menschlichen Verletzlichkeit aussehen könnte, die Frage nach einer Politik der Lebensformen in Anbetracht von deren Handlungsfähigkeit zu stellen, die Erhaltung der globalen Lebensform in einer Katastrophensituation in den Blick zu nehmen sowie die Interaktionen zwischen Politik, Anthropologie und Biologie im Bereich der Epigenetik und der Daten zu untersuchen.

Das Netzwerk wird in den vier Jahren an seinen verschiedenen Standorten zehn Workshops und Seminare sowie vier Tagungen ausrichten, die sich mit Themen wie „Die Form, die der Kapitalismus unserem Leben gibt“, „Anthropologie der verletzlichen Lebensformen“ und „Epigenetik und Lebensstile“ beschäftigen werden.