Europa als politischer Kommunikationsraum: Medien, Öffentlichkeit und Emotionen

Wissenschaftliche Leitung: Karsten Lichau

Für den Betrachter aktueller politischer Vorgänge ist es eine Selbstverständlichkeit, dass politisches Handeln nicht nur eine Frage der Machtmittel, sondern vielmehr ein hochkomplexer kommunikativer Vorgang ist. Dieser Vorgang macht nicht an staatlichen Grenzen halt; so entstehen politische Kommunikationsräume von europäischen Dimensionen. Die Betrachtung von transnationalen Symbolen und Diskursen, von Ritualen und politischer Kultur, von Medien und Öffentlichkeiten hat sich als ein zentraler Bestandteil der Analyse von Politik etabliert. Die Rezeption neuer Handlungstheorien, welche die unverzichtbare Rolle der Emotionen für das Denken und Handeln betonen, führt jedoch zu einer Neuorientierung und Erweiterung dieser Ansätze.

Die Arbeitsgruppe hat das Ziel, aus der interdisziplinären Debatte einen methodischen Rahmen zur Analyse von individuellen und kollektiven Gefühlen im politischen Feld zu entwickeln und diesen an Beispielen aus Vergangenheit und Gegenwart zu erproben. Jenseits der gut etablierten Zusammenarbeit zwischen Geschichte, Soziologie, Politologie und Ethnologie soll die Arbeitsgruppe auch die Kenntnisse und Methoden der Musik- und der Kunstwissenschaft integrieren. Dies ermöglicht eine vielschichtigere Analyse von Politik, welche deren auditive und visuelle Dimensionen einschließt. Schwerpunkte sollen dabei erstens die Bedeutung von Medien, Öffentlichkeiten und Emotionen in den monarchischen und diktatorischen Regimen der Vergangenheit im europäischen Kontext sein; zweitens werden die emotionalen Potentiale und Strategien aktueller Formen politischer Aktion untersucht; drittens wird ein kritisches Augenmerk auf die aktuelle Rolle der Massenmedien für die Geschichtspolitik gerichtet.

Hier finden Sie das aktuelle Programm für das Wintersemester 2016/17.