Atelier „Entscheidungen unter extremen Bedingungen“

Wissenschaftliche Leitung: Sonia Combe und Emmanuel Delille

Koordinierung: Lucie Kuhls

 

Eine Veranstaltungsreihe zum Thema „Zwangsentscheidungen“ bzw. „Entscheidungen in Extremsituationen“

Die Frage nach den Handlungsmöglichkeiten in Situationen äußersten Zwangs wurde bislang vor allem von der Literatur behandelt, etwa in dem Roman „Sophies choice“ des amerikanischen Schriftstellers William Styron (1979) und seiner Verfilmung im Hollywood-Stil durch Alan Pakula (1982) – beides mit großem kommerziellem Erfolg.

Sie durchzieht aber auch die Erinnerungsliteratur zum Nationalsozialismus, angefangen mit David Roussetts Les jours de notre mort (1946) bis hin zu den verschiedenen Schriften Primo Levis. Für die Rolle der Judenräte ist sie von grundlegender Bedeutung und befindet sich dementsprechend im Mittelpunkt der Überlegungen, die Benjamin Murmelstein in Claude Lanzmanns Film „Le dernier des injustes“ (2013) über seine Funktion als Judenältester im Ghetto Theresienstadt anstellt.

Vor kurzem haben zwei wissenschaftliche Veröffentlichungen das Thema aus unterschiedlichen, sich wechselseitig ergänzenden Perspektiven behandelt:

    -  Sonia Combe, Une vie contre une autre. Echange de victimes et modalités de survie dans le camp de Buchenwald (Fayard, 2014).

    -  Frédérique Leichter-Flak, Qui vivra qui mourra. Quand on ne peut pas sauver tout le monde (Albin Michel, 2015).

Geplant ist eine Veranstaltungsreihe, bei denen das Problem der „Zwangsentscheidungen“ zunächst in verschiedenen historischen Kontexten untersucht werden soll, um anschließend die Möglichkeit einer „Wiederaneignung“ des Themas und seiner Bedeutung für die Herausbildung eines moralischen Gewissens in den Generationen der Nachgeborenen zu diskutieren.

Vergangene Sitzungen am Centre Marc Bloch:

18. März 2016, Eröffnungssitzung auf Einladung von Sonia Combe, Catherine Gousseff und Susanne Beer.

24. Juni 2016, Gastreferentin : Frédérique Leichter-Flak. Im Anschluss an das Seminar wurde der Film Le dernier des injustes (Claude Lanzmann, 2013) gezeigt.

3. November 2016, Gastreferent: Philippe Mesnard, Autor des Buchs: Primo Levi. Le passage d’un témoin, Fayard, 2012.

2. März 2017, Gastreferent: Jean-Charles Szurek, Übersetzer von Adam Czrniakow, Carnets du ghetto de Varsovie, La Découverte, 2003.

 

Kommende Sitzungen:

16. Juni 2017, Gastreferent: Jean-Michel Chaumont, Autor des Buchs: Die Konkurrenz der Opfer. Genozid, Identität und Anerkennung, zu Klampen! Verlag, 2001.

Die Sitzung im Oktober 2017, wird sich mit der Forschung von Aurélia Kalinsky zu Miklós Nyizsli (1901-56) beschäftigen. Im Anschluss soll der Film The Grey Zone (Tim Blake Nelson, 2001) gezeigt und kritisch diskutiert werden.