Jahresvortrag

ONLINE - Alain Supiot - Le règne de la loi face à l'empire du calcul ? L'actualité de La Gouvernance par les nombres

12. April | 18:00

Die Herrschaft des Gesetzes angesichts der Herrschaft der Zahlen? Die Aktualität der Gouvernance par les nombres  [Das Regieren durch Zahlen]

Das Gesetz, die Demokratie, der Staat und alle rechtlichen Regeln, auf die wir uns heute noch beziehen, stehen vor der Herausforderung des wiederauflebenden alten Traums einer auf Kalkulation beruhenden Harmonie. Vom Taylorismus und der sowjetischen Planung beschworen, nimmt dieses wissenschaftliche Projekt heute die Form einer «Verwaltung durch Zahlen» an, die sich unter dem Vorzeichen der «Globalisierung» entfaltet. Die Vernunft der Macht wird dabei nicht mehr in einer über die Gesellschaft hinausgehenden souveränen Instanz gesucht, sondern in den Normen, die ihr reibungsloses Funktionieren gewährleisten. Auf dieser Grundlage gedeiht ein neues normatives Ideal, das auf die effektive Erreichung messbarer Ziele, statt auf den Gehorsam gegenüber gerechten Gesetzen abzielt.

Doch solange ihre Sicherheit nicht durch ein Gesetz garantiert ist, das für alle gleichermaßen gilt, haben die Menschen keine andere Wahl, als sich dem Stärkeren zu ergeben. Indem die Menschen das Streben nach unpersönlicher Macht – dass bereits das Bekenntnis zur Herrschaft des Gesetzes kennzeichnete – radikalisieren, bringt die Herrschaft durch Zahlen paradoxerweise eine Welt hervor, die von Treuebindungen beherrscht wird.

Alain Supiot ist Professor Emeritus am Collège de France, wo er den Lehrstuhl « État social et mondialisation: analyse juridique des solidarités » [„Sozialstaat und Globalisierung: rechtliche Analyse der Solidarität“] (2012 -2019) einnahm. Ehemaliger Fellow des Wissenschaftskollegs zu Berlin, korrespondierendes Mitglied der British Academy und Dr. Honoris causa an mehreren Universitäten (Louvain-la-Neuve, Thessaloniki, Lüttich, Buenos Aires), war Supiot von 1998 bis 2001 Vorsitzender des Nationalen Rates für Wissenschaftsentwicklung Human- und Sozialwesen. Von 2017 bis 2019 war Alain Supiot Mitglied der Weltkommission für die Zukunft der Arbeit. Er gründete und leitete von 2008 bis 2013 das Institut d’Études Avancées de Nantes [Institut für fortgeschrittene Studien] in Nantes.

Supiots Arbeiten konzentrierten sich hauptsächlich auf zwei sich ergänzende Felder, das Sozialrecht und die Rechtstheorie.  Er ist unter anderem der Autor von Homo juridicus. Essai sur la fonction anthropologique du Droit, Seuil, 2005 (übersetzt in 11 Sprachen); L’esprit de Philadelphie. La justice sociale face au Marché total, Paris, Seuil, 2010 (übersetzt in 8 Sprachen), La Gouvernance par les nombres, Fayard, 2015  (Englisch, Hart, 2017).  Le travail n’est pas une marchandise. Contenu et sens du travail au XXI° siècle, Paris, Éditions du Collège de France, 2019  (in 3 Sprachen).  Viele seiner Veröffentlichungen sind online über die Website des Collège de France zugänglich: http://www.college-de-france.fr/site/alain-supiot/index.htm

Kommentar: Stefan Grundmann (Juristische Fakultät - Humboldt -Universität zu Berlin)

Veranstaltung in Kooperation mit der European Law School der Humboldt-Universität zu Berlin

Konferenz in französischer Sprache mit Simultanübersetzung ins Deutsche

Anmeldung (via Zoom): anmeldung(at)cmb.hu-berlin.de

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Sébastien Vannier
sebastien.vannier  ( at )  cmb.hu-berlin.de

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