Konferenz

Beharrliche Ignoranz: Der Mythos von der Alternative zum Kapitalismus

21. Februar 2017 18:00 Uhr

Im Rahmen der Vortragsreihe "Nach dem Ende der Illusion: Was bleibt vom Kommunismus im 21. Jahrhundert"

Beharrliche Ignoranz: Der Mythos von der Alternative zum Kapitalismus

Es zählt zu den bemerkenswerten Befunden des Umgangs mit der Geschichte des „realen Sozialismus“, dass dessen Untergang 1989 zwar in der Regel mit seiner geringen ökonomischen Leistungsfähigkeit in Zusammenhang gebracht wird, diese selbst aber eher als politischer Fehler der jeweils regierenden „realsozialistischen Kräfte“ denn als Ausdruck eines systemischen Versagens nichtkapitalistischer Wirtschaftsorganisation begriffen wird. Das scheint kein Zufall zu sein: Die Möglichkeit funktionsfähiger Alternativen zur kapitalistischen Art des Wirtschaftens, die ja bei entsprechenden Ergebnissen mit einem starken Fragezeichen zu versehen wäre, kann und soll, so ist zumindest nicht unwahrscheinlich, bestehen bleiben, ohne zugleich die „realsozialistische“ Alternative verteidigen zu müssen. Doch kommt in deren Untergang wirklich nur das Scheitern der jeweiligen Regierungen alter Männer zum Ausdruck, oder war nicht das sozialistische Experiment Ausdruck eines grundlegend falschen Verständnisses der modernen Wirtschaft, die als plan- und steuerbar hingestellt wurde, ohne es im gewünschten Sinne wirklich zu sein? War insofern der „reale Sozialismus“ nichts anderes als der besondere historische Ausdruck einer Illusion, die bis heute besteht? Wenn gefragt wird, was bleibt, müsste dann nicht eigentlich diese Illusion zur Debatte stehen, die ja in der Tat geblieben ist, und weniger ihre leicht zu kritisierende Erscheinungsform der Jahre vor 1989, die nicht spurlos, aber doch weitgehend verschwunden ist?

 

Werner Plumpe, Historiker. Prof. für Wirtschafts- und Sozialgeschichte an der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Arbeitsgebiete: Unternehmens- und Industriegeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts, Geschichte des ökonomischen Denkens und der ökonomischen Theorien. Publikationen u.a.: Wirtschaftskrisen. Geschichte und Gegenwart, C. H. Beck: München 2010; (g. m. André Steiner) Der Mythos von der postindustriellen Gesellschaft, Wallstein: Göttingen 2015.

 

Moderation: Prof. Dr. Alexander Nützenadel (Humboldt-Universität zu Berlin)



Organisator:

Centre Marc Bloch, Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam


Kontakt:

Catherine Gousseff


Ort:
Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur
Kronenstrasse 5

10117
Berlin