Forschungskolloquium

Big Bang Theory und Bosonen Blues. Anthropologische Perspektiven auf globale Narrative und lokale Praxen der Physik in Zeiten algorithmischen Wissens am Beispiel des CERN

04. Dezember 2017 10:00 Uhr

Forschungskolloquium mit Anne Dippel, Friedrich-Schiller-Universität Jena.

»Big Bang Theory und Bosonen Blues. Ethnographische Erkundungen globaler Narrative und lokaler Praxen in der Welt der Hochenergiephysik am CERN«
Die gegenwärtige politische Lage erscheint für viele, die von den Schriften Reinhard Kosellecks inspiriert nach dem Fall der Mauer auf das Ende einer Ära der Nation gehofft hatten, als eine bizarre Wiedergängerin vergangener Krisen des langen 19. Jahrhunderts in globalem, digitalisiertem Gewand. Das partikulare Denken dominiert. Das Kosmopolitische erscheint gefährdet und für manche sogar als Gefährder des Eigenen. Ein kleines Areal, auf der Grenze zwischen Schweiz und Frankreich gelegen, scheint sich dieser allgemeinen Rhetorik standhaft zu widersetzen. Das Centre Européen de la Recherche Nucléaire (CERN) erlaubt seit seiner Gründung im Jahr 1954 in gelebter Praxis Menschen die Möglichkeit zu transnationaler kollaborativer Produktion von naturwissenschaftlicher Kosmologie. Die Gemeinschaft webt trotz alltäglicher Friktionen zwischen verschiedenen Akteuren den Traum Europas und wirkt insgleichen am kosmopolitischen Phantasma einer friedlichen Welt mit, in der Technologien die Probleme der Menschheit zu lösen versprechen. Nach dem letzten Coup der Großkollaboration – dem Fund des Higgs-Teilchens – stellt sich für viele Physiker_innen nun die Frage, wie es um die Zukunft der Leitwissenschaft des Kalten Krieges bestellt ist und wohin die Naturwissenschaften in Zeiten von Big Data driften. Welche lokalen Praxen dominieren den Forschungsalltag dieses mythopoietischen Ortes technischer Perfektion, der ihn zu einer einzigartigen Projektionsfläche mit spezifischer repräsentativer Funktion werden lässt? Auf der Basis von mehr als drei Jahren kulturanthropologischer Feldforschung in der Physik möchte der Vortrag diesen Überlegungen nachspüren, um zentrale Thesen des laufenden Forschungsprojekts im Kolloquium CMB gemeinsam mit den Teilnehmer_innen zu diskutieren.
 
Die Sitzung findet wie immer von 10 bis 12 Uhr im Simmel-Saal statt.
Der Vortrag wird in deutscher Sprache gehalten. Den Kommentar spricht Arianna Borelli ( TU Berlin) 
Sie sind/ Ihr seid herzlich eingeladen! Au plaisir de vous y retrouver nombreux-ses.

Kontakt:

Petra Beck


Ort:
Georg-Simmel Saal
Friedrichstraße 191

10117
Berlin
Deutschland