Podiumsdiskussion

Neue Migranten, neuer Konsum? Der Migrant als Konsument in Alltagspraktiken in Deutschland und Frankreich

12. Oktober 2017 18:30 Uhr

Migrant_innen beginnen ihr neues Leben nicht ohne Vergangenheit und auch nicht ohne eigene Konsumgewohnheiten. Sie bringen Speisen, Zutaten, Rezepte, Schönheitsrituale, Pflegeprodukte und Kleidungsstile mit, die sich im Aufnahmeland verbreiten und die Konsumgewohnheiten der so genannten Mehrheitsbevölkerung verändern – oftmals angestoßen durch das Angebot migrantischer Unternehmer_innen. Die Podiumsdiskussion widmet sich in deutsch-französischer Perspektive diesen neuen Einflüssen auf den Alltagskonsum und den durch sie bedingten Veränderungen der französischen und deutschen Gesellschaft, die beide stark von Migration geprägt und durch diese strukturiert werden. 

Mit: François Héran (INED) und Wolfgang Kaschuba (Berliner Instituts für Migrations- und Integrationsforschung (BIM-HU).

Moderation: Maren Möhring (Universität Leipzig) und Virginie Silhouette-Dercourt (CEPN, Centre Marc Bloch).

Eintritt frei, mit Simultanübersetzung

Seit dem Frühjahr 2015 erlebt die Europäische Union die größte Fluchtwelle seit dem Zweiten Weltkrieg. Frankreich und Deutschland haben sich dieser Herausforderung in puncto Aufnahme- und Integrationspolitik unterschiedlich gestellt. Ungeachtet ihrer jeweils eigenen Geschichte ist es für beide Länder nicht die erste Erfahrung mit Migrationsbewegungen, die sowohl die Zusammensetzung der Bevölkerung als auch deren Konsumgewohnheiten verändern. So ist Couscous inzwischen das Leibgericht vieler Franzosen und Französinnen, während bei den Deutschen Kebab und Pizza zu den Lieblingsgerichten zählen. Auch ist Sheabutter aus der Palette der in Frankreich und Deutschland gängigen Pflegeprodukte nicht mehr wegzudenken, ebenso wenig wie der Besuch eines Hamam in Paris oder Berlin oder das Tragen von Leggings.  Diese importierten Konsumgewohnheiten passen sich allerdings an und verändern sich im Kontakt mit den (verschiedenen) Traditionen des Aufnahmelandes, in das sie „verpflanzt“ wurden. Gleichzeitig übernehmen Migrant_innen im Laufe der Zeit einige der Ess-, Kleidungs- und Einkaufsgewohnheiten ihres neuen Umfeldes. In Deutschland wird dieser Prozess durch intensive und obligatorische „Integrationskurse“ begleitet. In Frankreich hingegen vermittelt der Contrat d'Intégration Républicaine (CIR) die Werte und Institutionen der Französischen Republik. In puncto neue Konsumgewohnheiten werden Migrant_innen allerdings eher sich selbst überlassen: Sie erkunden das Terrain meist allein an Ort und Stelle. In Anbetracht der Tatsache, dass bei Aufnahme und Integration die beiden Länder politisch unterschiedlich (re)agieren, kann vielleicht gerade die Frage nach alltäglichen Gewohnheiten mit ihren vermeintlich banalen Formen des Miteinanders der Schlüssel für eine neue Lesart der gegenwärtigen und künftigen Veränderungen der französischen bzw. der deutschen Gesellschaft sein.



Organisator:

Centre Marc Bloch ; CIERA ; Société Plurielles (USPC) ; CEPN ; Université de Leipzig ; MSH-Paris-Nord


Kontakt:

Virginie Silhouette-Dercourt


Ort:
Salle Germaine Tillion
Friedrichstrasse 191

10117
Berlin
Deutschland