Vortrag

Recht als Sphäre des Politischen?

14. Februar 2018 18:00 Uhr - 20:00 Uhr

Zu Gast sind Sonja Buckel und Carolina Vestena (beide Univ. Kassel), die zum Thema "Recht als Sphäre des Politischen?" vortragen. Den Kommentar macht Hauke Brunkhorst (Univ. Flensburg)
 
Die Veranstaltung findet im Rahmen der rechtssoziologischen Vorlesungsreihe „Zivilgesellschaft und Rechtsentwicklung“ als Kooperation von Centre Marc Bloch und HU Berlin an der Juristischen Fakultät der HU Berlin statt. 
 
Abstract des Vortrags: Der Vortrag will Rechtstheorie und Bewegungsforschung zusammenbringen, um so die Frage nach dem Potential einer Rechts-Mobilisierung zu stellen. Das Recht ist ein spezifisches Terrain, auf dem politische Auseinandersetzungen in der eigenen Form des Juridischen geführt werden. Wir wollen dabei insbesondere beleuchten, inwiefern sich das Recht für politische Strategien sozialer Bewegungen eignet. Dies wird in der Rechtstheorie eher selten analysiert. Daher greifen wir auf Erkenntnisse der Bewegungsforschung zurück. Diese wiederum weist eine Lücke in der Auseinandersetzung mit dem Recht auf. Wir argumentieren vor dem Hintergrund einer materialistischen Gesellschaftstheorie, welche gesellschaftlich Herrschaftsverhältnisse in kapitalistischen Gesellschaftsformationen ins Zentrum stellt. Dabei wollen wir das emanzipative Potential des Rechts ausloten.
 
Beschreibung der Vorlesungsreihe: Dass die Rechtsgestaltung vor allem den RechtsexpertInnen obliegt, ist innerhalb der sozialwissenschaftlichen Rechtsforschung eine verbreitete Ansicht. Demnach finde der das moderne Recht reproduzierende und prozessierende Rechtsvollzug ausschließlich in dessen Institutionen statt. Dem stehen jedoch Perspektiven aus der interaktionistischen, ethnomethodologischen oder praxistheoretischen Forschungstradition entgegen – etwa aus dem Umfeld des Amherst Seminars bzw. der „legal consciousness studies“ – die der sozialwissenschaftlichen Rechtsforschung eine gewisse Zentriertheit auf Rechtsinstitutionen vorwerfen und von einer Emanation des Rechts auch ,von unten’ oder von ,außen’ ausgehen. Gemeint ist konkreter der Vollzug, die Aneignung und die Gestaltung von Rechtsbeständen abseits des ExpertInnentums oder der rechtlichen Institutionen im Alltag. Hiervon ausgehend lässt sich argumentieren, das Recht von nicht-rechtlichen Akteuren nicht einfach nur implizit vollzogen, sondern teilweise auch gezielt gestaltet wird, so in zivilgesellschaftlicher Organisation und Artikulation. Wie derartige nicht-rechtliche AkteurInnen konkrete Rechtsbestände im Besonderen, aber auch Recht im Allgemeinen zu prägen vermögen, stellt sich damit nicht nur als empirische, sondern auch als sozialtheoretische Frage. Auf gesellschaftstheoretischer Ebene wiederum wird die Frage nach der Rolle und Funktion des Rechts in Gesellschaft relevant – nicht zuletzt im Kontext der gegenwärtigen Krise der politischen Sphäre. Eben diese Beziehung und Bedeutung zivilgesellschaftlicher Initiativen im Recht ist Gegenstand der Ringvorlesung im WS 2017/18. 

Datum : 14. Februar 2018, 18-20.00 (ct)
Ort: Humboldt-Universität, Juristische Fakultät
Bebelplatz 2
Seminarraum 144

 


Kontakt:

Andrea Kretschmann


Ort:
Humboldt-Universität, Juristische Fakultät
Bebelplatz 2
Seminarraum 144