Katharina Fritsch | Assoziierte Forscherin

Staat, Recht und politischer Konflikt
Centre Marc Bloch, Friedrichstraße 191, D-10117 Berlin
E-Mail: katharina.fritsch  ( at )  univie.ac.at Tel: +49(0) 30 / 20 93 70700 or 70707
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Mutterinstitut : Universität Wien | Position : Lehrbeauftragte (Universität Wien) Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Donau-Universität Krems | Fachbereich : Politikwissenschaft , Sozialwissenschaften |

Biographie

Katharina Fritsch studierte Internationale Entwicklung (BA) und Politikwissenschaft (Diplom) an der Universität Wien und promovierte mit Oktober 2018 an derselben in Vergleichender Politikwissenschaft. Von 2012-2014 war sie Teil des Postgraduate Lehrgangs „Sociology of Practices“ am Institut für Höhere Studien (IHS), Wien, sowie 2014-2017 wissenschaftliche Projektmitarbeiterin im Forschungsprojekt „Popular Culture in Translocal Spaces“, am Institut für Afrikawissenschaften (Universität Wien). Derzeit ist sie Lehrbeauftragte an der Universität Wien und wissenschaftliche Mitarbeiterin im Forschungsprojekt "Digitalizing Youth Politics" an der Donau-Universität Krems. Ihre Forschungsinteressen sind postkoloniale Migration und Diaspora, Populärkultur und intersektionelle Machtverhältnisse, Dekolonisierung von Wissen sowie Autoritarisierungsprozesse in westlichen Demokratien aus postkolonialer Perspektive. 

Stipendium

Oktober 2012-April 2014: Stipendiatin Institut für Höhere Studien (IHS/Wien), Lehrgang "Sociology of Practices"

Titel der Dissertation

„The Dispositive of Communitarisation: An Intersectional Analysis of Political and Cultural Mobilisations as Biopolitics. With a Focus on ‚Franco-Comorian diaspora’ in Marseille“

Zusammenfassung der Dissertation

In meiner Dissertation beschäftige ich mich mit Mobilisierungen ‚franko-komorischer Diaspora’ in Politik und Kultur in Marseille. Dabei fokussiere ich auf Mobilisierungen von ‚Community’ und auf die intersektionellen Machtverhältnisse die diese prägen. Theoretisch beziehe ich mich auf postkoloniale und intersektionelle Ansätze zu ‚Diaspora’, ‚Kultur’ und ‚Identität’, ein Foucault’sches Verständnis von Diskurs, Dispositiv und Biopolitik sowie performative Ansätze zu Subjektivierung. Basierend auf diesem theoretischen Ansatz, analysiere ich was ich als Dispositiv der Kommunitarisierung fasse, d.h. Prozesse von (Selbst-(Regierung) franko-komorischer Communities entlang von Diskursen, Praktiken, Institutionen und Subjektivierungsprozessen. Die jeweiligen (Selbst-)Regierungsprozesse werden entlang von drei Dimensionen – Räumen, Kulturmärkten und Politiken der Kommunitarisierung – analysiert.

 

Methodologisch fokussiert diese Dissertation auf kulturelle und politische Veranstaltungen, in denen ‚franko-komorische Community’ in Marseille mobilisiert wird. Ethnografischen Ansätzen folgend besteht mein Materialkorpus aus qualitativen Interviews mit in den Events involvierten Akteur*innen, Protokollen teilnehmender Beobachtungen sowie (audio-visuellen) Dokumenten der Events. Ein methodischer Fokus auf Veranstaltungen versteht die Forscherin als integralen Teil dieser, was Auseinandersetzung mit Fragen von Positionalitäten und Machtverhältnissen in postkolonialen Forschungskontexten mit sich bringt. Das empirische Material wurde entlang Dispositiv-bezogener Dimensionen –  beispielsweise Bedeutungen, Praktiken oder Identitätskategorien – kodiert und mit den drei analytischen Dimensionen des Dispositivs der Kommunitarisierung in Beziehung gesetzt. Die Analyse der Räume zeigt Assoziierungen franko-komorischer Communities mit bestimmten Räumen, konkret Marseille, den ‚Nördlichen Bezirken’ und ‚Veranstaltungssälen’, als das Resultat von Policies und Praktiken franko-komorischer Communities. Die Analyse von Kulturmärkten beschreibt die Musikrichtung twarab als diasporischen Kulturmarkt und die Talentshow Etoiles Rasmi als geprägt von Diskursen und Praktiken von ‚kulturellem Entrepreneurship’. Die Analyse von Politiken betont die Rolle ethnisierter Communities als politische Ressource für franko-komorische Politiker*innen. Alle drei Dimensionen deuten auf die Rolle der sozialen Kategorie ‚Ethnizität’ in Bezug auf Kommunitarisierungsprozesse hin, die sich wiederum entlang anderer sozialer Kategorien, vor allem Lokalität/Altersklassen, Klasse, Geschlecht und Generation, unterscheiden. Im Zuge der Arbeit argumentiere ich, dass Kommunitarisierungsprozesse einen Kontext von postkolonialem Frankreich reflektieren, in denen ethnisierte Communities als das ‚Andere’ einer ‚nationalen Community’ markiert sind. Die Dissertation trägt somit zu Debatten zu Biopolitik, Intersektionalität und Formen von (Selbst-)Regierung in postkolonialen Kontexten bei.

Institution der Dissertation

Institut für Politikwissenschaft (Universität Wien)

Betreuer

Univ.-Prof. Dr. Birgit Sauer

Projekte

Ausprägungen politischer Öffentlichkeit: Effekte ‚großer‘ und ‚kleiner‘ Ausnahmezustände auf zivilgesellschaftliches Engagement im deutsch-französischen Vergleich (eingereicht mit Andrea Kretschmann; in Begutachtung)

Ausprägungen politischer Öffentlichkeit: Effekte ‚großer‘ und ‚kleiner‘ Ausnahmezustände auf zivilgesellschaftliches Engagement im deutsch-französischen Vergleich (zusammen mit Andrea Kretschmann; in Begutachtung)

Gegenwärtige Ausnahmeerscheinungen in Recht und Politik prägen in den letzten Jahren sowohl die rechtliche als auch die politische Praxis westlicher Demokratien. Diese reichen von Regelungen mit Ausnahmecharakter im Strafrecht bis hin zu formal ausgerufenen Ausnahmezuständen. Das interdisziplinär ausgerichtete Projekt „Ausnahme und Protest“ – angesiedelt an der Schnittstelle von Soziologie und Politikwissenschaft – zielt auf einen empirischen und theoretischen Vergleich der Effekte exzeptioneller Regelungen auf politische Öffentlichkeiten in Kontexten mit und ohne formalen Ausnahmezustand ab. Auf der Basis einer ethnografischen Untersuchung von zivilgesellschaftlichem Engagement in Form von Straßenprotesten in Deutschland und Frankreich (Blockupy und aktuelle Klimaproteste auf der einen, Proteste gegen das Arbeitsgesetz im Zuge der Nuit Debout-Bewegung und Gilets Jaunes auf der anderen Seite) wird der Zusammenhang zwischen Ausprägungen politischer Öffentlichkeiten, Politiken, Gesetzen und exekutiven Praktiken untersucht, die weniger einem klassisch-rechtsstaatlichen Verständnis als einer Logik der Ausnahme folgen. Dabei interessiert insbesondere, inwieweit sich in den möglichen Effekten Unterschiede oder vielmehr Ähnlichkeiten angesichts des Vorliegens entweder auch eines formalen Ausnahmezustands wie in Frankreich (2015-2017), oder rechtlicher Regelungen mit Ausnahmecharakter wie in Deutschland zeigen. Der Vergleich findet vor dem Hintergrund einer gesellschaftstheoretischen Einbettung von Ausnahmeregelungen in gesamtgesellschaftliche Tendenzen der Entdemokratisierung sowie der Versicherheitlichung, darunter auch von Protest, in westlichen Demokratien statt. Die ethnografisch angelegte Forschung in exemplarischen Feldern politischen Straßenprotests strebt auf diese Weise an, einen interdisziplinären Beitrag zur politischen Soziologie und zur Kriminalsoziologie sowie zur vergleichenden Politikwissenschaft zu leisten, der zudem Ausstrahlungskraft in die Politische Theorie hat.

 

 

 

Publikationen

Monografien

Fritsch, K. (2019): The Dispositive of Communitarisation and Ethnicised Biopolitics. Cultural and political mobilisations of ‘Franco-Comorian diaspora’ in Marseille, Series: Routledge Studies on African and Black Diaspora, London: Routledge, im Peer Review-Verfahren.

Artikel in Journals und Sammelbänden (peer-reviewed)

Fritsch, Katharina (2020): Forschung, Kunst und Postkolonialismus : eine Dialog-Montage zum Dokumentarfilm Histoires de Twarab à Marseille, Journal für Entwicklungspolitik (JEP), Special Issue “Social conflicts, current tendencies of coloniality and decolonization: Inquiries and evidences”, im Peer Review-Verfahren.

Fritsch, Katharina (2019): Ethnicised social mobility as self-governing among Franco-Comorian politicians in Marseille and türkiyeli entrepreneurs in Vienna, Ganser, Alexandra/Pelz, Annegret (Hg.): Sammelband Plattform Mobile Gesellschaften und Kulturen, Wien: Vienna University Press, zusammen mit Alev Çakır, im Erscheinen.

Fritsch, K. (2019): Kulturelle Mobilisierungen ‚franko-komorischer Diaspora’ in Marseille –Intersektionelle Verhandlungen, Stichproben. Wiener Zeitschrift für kritische Afrikastudien 19/36: 101-132.

Fritsch, Katharina (2017): ‘Trans-Skin’: Analyzing the practice of skin bleaching among middle-class women in Dar es Salaam, Ethnicities 17(6): 749-770. Doi: 10.1177/1468796814565216.

Fritsch, Katharina (2013): Hautbleichen als dekolonisierende Praxis? Eine Anwendung des Performativitätskonzepts auf die Körperpraxis des Hautbleichens tansanischer Frauen. In: Hacker, Hanna//Fritsch, Katharina/Garde, Isabelle/Huber, Clemens/Klapeer, Christine (Hg.): Sexualitäten und Körperpolitik. JEP (Journal für Entwicklungspolitik), vol. XXIX(1), 70-89.

Fritsch, Katharina (2013): Sex und Körper: ‚Alte Themen’ in der Entwicklungsforschung? In: Hacker, Hanna/Fritsch, Katharina/Garde, Isabelle/Huber, Clemens/Klapeer, Christine (Hg.): Sexualitäten und Körperpolitik. JEP (Journal für Entwicklungspolitik), vol. XXIX(1): 4-11, zusammen mit Isabelle Garde, Hanna Hacker, Clemens Huber und Christine Klapeer.

Fritsch, Katharina (2013): Queer Entwickeln. Feministische und Postkoloniale Ansätze. In: Stichproben – Wiener Zeitschrift für kritische Afrikastudien, Heft 24: 126-133.

Artikel in Journals und Sammelbänden (non-peer reviewed)

Fritsch, Katharina (2013): Space Intruders — Analyzing Viennese squats from radical-democratic and biopolitical perspectives. In: Transversal multilingual 10/2011, zusammen mit Nicolas Schlitz.

Fritsch, Katharina (2013): Ge(t)räumte Räume. Wiener Besetzungsbewegungen aus biopolitischer Perspektive. In: Goll, Tobias/Keil, Daniel/Telios, Thomas (Hg.): Critical Matter. Diskussionen eines neuen Materialismus. Münster: Edition Assemblage, 259-271, zusammen mit Nicolas Schlitz.

Fritsch, Katharina (2012): Ein neues Schönheitsbild geht um ... Einblick in die Praktik des Hautbleichens von tansanischen Frauen. In: frauensolidarität, Heft 2, 2012: 26 f.

Fritsch, Katharina (2009): Mythos „Weißsein“. In: RAISON. Zeitschrift für gesellschaftliche Entwicklung. Nr. 3, 12: 2009, 60-64.

Herausgeber*innenschaft

Sexualitäten und Körperpolitik. In: Journal für Entwicklungspolitik (JEP), 2013, vol. XXIX(1), zusammen mit Hanna Hacker, Isabelle Garde, Clemens Huber und Christine Klapeer.

Filmographie

Carvajal, Andrés/Hamada Hamza, Mounir/Fritsch, Katharina (2016): Histoires de Twarab à Marseille/Histories of Twarab in Marseilles. Marseille/Barcelona/Vienna, 74 min (HD / 16:9).

 

 

 


An-Institut

© Centre Marc Bloch 2018 - Deutsch-Französisches Forschungszentrum für Sozialwissenschaften, Berlin

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