Sabine Rudischhauser (1962-2017)

22. June 2017


Sabine Rudischhauser, Wissenschaftlerin mit Leib und Seele und Historikerin des Arbeitsrechts aus deutsch-französischer Perspektive, hat mehrere Jahre ihrer Karriere am Centre Marc Bloch verbracht: von 2004 bis 2007 als Forscherin, anschließend als assoziierte Forscherin. Die in Mainz, Dijon und Berlin studierte Spezialistin der Geschichte der Tarifverträge hat – angefangen bei ihrer viel beachteten, 1997 bei Gerd Krumeich in Freiburg im Breisgau verteidigten Dissertation über Vertrag, Tarif, Gesetz. Der politische Liberalismus und die Anfänge des Arbeitsrechts in Frankreich 1890–1902 (Publikation Berlin 1999) – mit ihrer unübertroffenen Kenntnis verschiedenster Quellen, ihren scharfsinnigen Analysen und ihrer charakteristischen Freude daran, andere an ihrem breit gefächerten Wissen teilhaben zu lassen, einen wichtigen Beitrag zum Verständnis der Wandlungsprozesse der sozialen Beziehungen in Deutschland und Frankreich geleistet. Grundstein ihrer Forschung war immer eine aufrichtige Empathie, ein tief reichendes soziales Engagement. Das Centre Marc Bloch besuchte sie im Oktober 2015 zum letzten Mal, als sie hier eine Tagung zu Modellen deutscher Sozialpolitik in der nationalsozialistischen Besatzungsherrschaft organisierte. Im Herbst 2016 hat sie die Ergebnisse ihrer ebenso intelligenten wie geduldigen Recherchen in den Archiven beider Länder in ihrer Monografie Geregelte Verhältnisse. Eine Geschichte des Tarifvertragsrechts in Deutschland und Frankreich (1890–1918/19) veröffentlicht und damit ein Standardwerk hinterlassen, das geschichtswissenschaftliche mit soziologischen, rechts- und wirtschaftswissenschaftlichen Fragestellungen verknüpft. Als großzügige, enthusiastische und entgegenkommende Kollegin ist Sabine Rudischhauser untrennbar mit der Geschichte des Centre Marc Bloch verbunden.