Die Produkte und ihre Qualitätsnormen
6.07.2007
10:00
Die Geschichtswissenschaft ist in den vergangenen Jahren tiefgreifend durch jene Ansätze erneuert worden, welche die Bedeutung des Wissens im sozialen und wirtschaftlichen Leben in den Vordergrund gestellt haben. Ein gutes Beispiel ist der Bereich der Produkte, den die Wirtschafts- und Sozialgeschichte lange Zeit vernachlässigt hat. Auf welche Weise konstruierten die Akteure in der Vergangenheit die Standards und Konventionen ihrer Qualität und wie strukturierten diese die Mechanismen des Marktes? Welche Beziehungen bestanden zwischen den lebendigen, praktischen Formen des Wissens der Arbeitswelt und dem technischen und organisatorischen Wissen, das sich in den Technologien und Produktionsformen manifestiert? Die Anwendung der neuen Ansätze der Wissensgeschichte in der Geschichtsschreibung stellt dabei Historikerinnen und Historiker vor eine neue Herausforderung: Wie lassen sich die Kategorien und Klassifikationen des ökonomischen Lebens als Forschungsgegenstände konstruieren und gleichzeitig die Daten nutzen, die unter ihrem Vorzeichen in der Vergangenheit entstanden sind?In Frankreich haben sich diese Forschungen, die zunächst eher aus dem Bereich der Innovationssoziologie und der Ökonomie der Konventionen entstanden, in den letzten beiden Jahrzehnten vor allem unter dem Eindruck der pragmatischen und interpretativen Wende der Sozialwissenschaften entwickelt. In Deutschland entspringt die neue Dynamik der Forschung eher den Herausforderungen der Kulturgeschichte sowie der « kulturalistischen » Ansätze in der Ökonomie. Das deutsch-französische Treffen, das als Ausgangspunkt einer Reihe von Diskussionsveranstaltungen gedacht ist, versucht in diesem Sinne in einer breiten interdisziplinären Perspektive und mit einem übergreifenden chronologischen Blick die Forschungen aus Frankreich und Deutschland zu bündeln und damit neue, „gekreuzte“ Blicke auf das Forschungsthema zu entwickeln.
Programm
9:00 Begrüssung: Etienne Francois (Frankreichzentrum FU Berlin)9:15 – 9:45 EinführungRobert Salais (IDHE/WZB) und Jakob Vogel (Centre Marc Bloch)9:45-11:45 Die Ausarbeitung und Sicherung der Qualitätsnormen Leitung: Sabine Rudischhauser CMB Philippe Minard (Paris VIII/IDHE) / Alexander Engel (Universität Göttingen) Diskutant : Hartmut Berghoff (Universität Göttingen)11:45-12:00 Pause12:00 – 13:00 Die Konstruktion der Produktqualität – transnationale FragenLeitung: Alexander Nützenadel Univ. Frankfurt/O. Alessandro Stanziani (ENS Cachan/IDHE, Paris) / Angelika Epple (Universität Hamburg)13:00-14:00 Pause14:00 – 15:00 DiskussionDiskutant : Alain Dewerpe (EHESS, Paris)15:15-15:30 Pause15:30-17:30 Die Definition der « Naturprodukte »Leitung: Dominique Margueiraz (Univ. ParisI/IDHE) Anne-Françoise Garçon (Univ. Paris I) / Jakob Vogel (Centre Marc Bloch) Diskutant : Manuel Schramm (TU Chemnitz)17:30-18:30 AbschlußdiskussionLeitung: Robert Salais Diskutanten : Christian Bessy (IDHE, Paris), Hannes Siegrist (Universität Leipzig) Vorträge und Diskussion in englischer Sprache