In großen Schritten, unbewegt

29.11.2005
11:00

Einladung zum Gastvortrag vonGeorges Didi-HubermanÉcole des Hautes Études en Sciences Sociales, Paris

Programm

Georges Didi-Huberman (*1953), der in Paris an der École des Hautes Études en Sciences Sociales (EHESS) lehrt, hat in den letzten Jahren und Jahrzehnten durch zahlreiche Publikationen der Kunstgeschichte und Philosophie neue Perspektiven eröffnet, vor allem was Fragen der Bildtheorie und des Blicks angeht. Didi-Huberman hat sich in seinen Studien u. a. mit mittelalterlicher und moderner Kunst befasst, mit Charcot und der Hysterie, mit Victor Hugo und nicht zuletzt mit Aby Warburg.Körperlichkeit, Gesten und Bewegungen spielen in zahlreichen seiner Studien eine wichtige Rolle. Hieran knüpft auch der vorliegende Vortrag an, in dem es um den Tanz geht. Das Hauptmotiv, das sich durch den gesamten Text zieht, ist die Frage, ob es eine Bewegung im Stillstand geben kann, ob Bewegung/Dynamik und Bewegungslosigkeit ein Gegensatz sein müssen – eine Frage, die sich auch im Titel „Immobile à grands pas“, einem Zitat von Paul Valéry, wiederfindet.  Der Vortrag setzt an beim zeitgenössischen Flamenco und greift zurück auf die Epoche um 1900, wo mit der Kinematographie eine neue Bildtechnik aufkommt, in der die Frage nach der Bewegung neu gestellt werden muss, und er sucht – in Anknüpfung an Warburg, Bergson usw. – nach den Zusammenhängen und Koinzidenzen zwischen dieser neuen Technik und der zeitgleichen Entwicklung in Tanz und Stierkampf, um immer wieder neu die Frage zu stellen, was es bedeuten könnte, „immobile à grands pas“ zu sein.