Journée d’études „Groupes à risques“, science et militantisme

27.04.2015
10:00

Auftaktsitzung der Arbeitsgruppe Staatliches Handeln und Wissenszirkulation. An diesem Montag wird von 10 bis 18 uhr ein Workshop mit einer Reihe an interessanten Gästen abgehalten.  Eingeladen sind Jana Tschurenev (U. Göttingen), Jérémy Geeraert (U. Paris 13), Naomi Truan (U. Paris 4/ FU-Berlin) und Daniel Schmidt (U.Leipzig); im Gespräch mit Vertretern folgender Verbände: Hydra (Treffpunkt und Beratung für Prostituierte), Berlin et Aides (Kampf gegen sexuell übertragbare Krankheiten), Paris Bestimmte soziale Gruppen entstehen nicht zuletzt durch staatliches Handeln, d.h. durch einen Zugriff öffentlicher Institutionen, der mit einer Definition bzw. Abgrenzung der entsprechenden Bezugsgruppe einhergeht. Michel Foucault hat diese, auf die Bevölkerung zielende Politik als „Gouvernementalität“ beschrieben und als Triebkräfte dieser Fokussierung Gesundheit und Sicherheit herausgearbeitet. Wir möchten im Anschluss an diese Perspektive mit dem Workshop „Staatliches Handeln und ‘Risikogruppen’“ anhand verschiedener Beispiele erneut die Frage aufwerfen, welchen Logiken die staatlichen Konstruktionen von „Risikogruppen“ gehorchen, z.B. Prävention, Antidiskriminierung, Repression etc. Zudem soll untersucht werden, welche Effekte das behördliche Handeln hat, etwa Rassifizierung, Pathologisierung, Sexualisierung etc. Schließlich möchten wir diskutieren, wie die Betroffenen mit diesen Kategorisierungen umgehen, d.h. welche agency sie innerhalb des Definitionsrahmens haben bzw. welchen Eigensinn sie im Umgang mit den staatlichen Definitionen entwickeln. Dabei sollen Akteur_innen genauso zu Wort kommen wie Wissenschaftler_innen, die sich mit den genannten Prozessen beschäftigen.

Programm

10:00-10:20 Fabien Jobard (CNRS/CMB), Kolja Lindner (CMB): Begrüßung und Einführung 10:20-11:20 Jana Tschurenev (Georg-August-Universität Göttingen): Koloniale Biopolitik und ihre Grenzen: Prostitution und deviante Sexualitäten im kolonialen Indien 11:20-11:30 Pause 11:30-12:30 Jérémy Geeraert (EHESS/Université Paris 13): Die Guten, die Touristen und die Faulenzer: Kategorien des staatlichen Handelns und der Identitätszuschreibung am Beispiel migrantischer bzw. prekarisierter Patienten in öffentlichen Krankenhäusern in Frankreich 12:30-14h Mittagspause 14h-15h Naomi Truan (Universität Paris 4/Freie Universität Berlin): Diskursive Alteritätskonstruktionen zum Zwecke der Diskriminierung: David Camerons troubled families aus linguistischer Perspektive (2010- 2012) 15-16h Daniel Schmidt (Universität Leipzig): Konstante und akzidentelle Ursachen. Das Problem der Abweichung in statistischen Diskursen 16h-16:20h Pause 16:20-18h Podiumsdiskussion mit Vertreter_innen von Hydra e.V. (Sexarbeiter_innen Selbstorganisation, Berlin) und Aides (Verband zum Kampf gegen HIV und Hepatitis, Paris) Die Beiträge der Teilnehmer_innen werden auf Deutsch gehalten, für die Podiumsdiskussion gibt es eine Simultanübersetzung.