Workshop – Wilhelm von Humboldt: Studium ‚“ Bildung ‚“ Universität
25.06.2010
10:00
Die Gründung der Königlichen Universität zu Berlin vor 200 Jahren stellte eine entscheidende Innovation dar und wurde durch eine umfassende Diskussion damaliger Geistesgrößen auf den Weg gebracht. Dabei war Humboldt nicht alleine, wohlgleich jedoch derjenige, der die vorhandenen Bestrebungen zusammenführte und ein ehrgeiziges Universitätsmodell vorlegte. Zu einem Zeitpunkt, zu dem sich die europäischen Universitäten im Zusammenhang mit dem Bologna-Prozess Fragen über ihre Zukunft stellen, wird dieses wichtige Gründungsdatum statthaft gefeiert.Wir wollen weder mit diesen Feierlichkeiten konkurrieren, noch die mittlerweile gut bekannte Geschichte der Gründung der Berliner Universität nachzeichnen. Auch geht es weder darum, nostalgische oder kritische Überlegungen über das „Humboldtsche Universitätsmodell“ anzustellen, noch systematische Vergleiche mit der aktuellen Situation vorzunehmen. Vielmehr wollen wir ausgehend von einer gemeinsamen, im Lichte verschiedener interdisziplinärer Perspektiven vorzunehmenden Lektüre mehrerer kurzer Humboldt-Texte deren Begriffe befragen. Was bedeuten in den oft sehr sachlichen Texten „Studium“, „Bildung“ und „Universität“, kurzum, diejenigen Begriffe, die Humboldts Modell bestimmen?Die Begriffe von Studium und Bildung sind von Humboldts Auseinandersetzung mit der Literatur und Kunst Griechenlands geprägt – jedoch in unterschiedlichen Ausmaßen. Studium meint eine Methode der Aneignung und Lektüre sowie ein eindringliches Verweilen bei bestimmten Gegenständen. Es verweist auf eine bestimmte Vorstellung des Lernens. Bildung dagegen verweist zunächst auf eine allgemeine philosophische Geistesentwicklung, die „Selbstbildung“, behauptete Formbarkeit des menschlichen Geistes und seiner Veränderlichkeit in der Geschichte, ist. Diese Begriffe sind nun aber gewissen Verstetigungen ausgesetzt: „Studiengänge“, mehr oder weniger „profitable“ Studien, aber auch „Qualifikationen“ und „Kompetenzen“ sowie die Beschränkung auf bestimmte Inhalte, die als die „Kultur“ einer Epoche bzw. als exklusive kulturelle Ausstattung einer privilegierten Schicht gelten. (Diese Transformation von einem Ausgangspunkt intellektueller Entwicklung zum Fabrikationsort der Bourgeoisie hat die Altphilologie nach Humboldt tatsächlich sehr schnell durchgemacht.) Gleichzeitig geistern diese Begriffe weiterhin durch den politischen Diskurs. Die Universität ist ihrerseits Erbe eines Universalitätsanspruchs, der um 1810 durch den Einfluss der idealistischen Philosophie auf den Zuschnitt der Fächer zum Ausdruck kam. Dieser Anspruch wird durch „Akademien“ oder „Hochschulen“ immer stärker in seine Grenzen verwiesen.Wir wollen mit unserem workshop-Tag zu den Texten zurück. Diese sollen in verschiedenen Perspektiven durch kurze Referate erarbeitet und diskutiert werden. Wir wollen vormittags mit den Begriffen von Studium und Bildung beginnen. Dabei soll es auch darum gehen, die Reichweite des literarischen Modells und den Bezug auf das alte Griechenland zu befragen. Zudem soll uns die unverkennbar ästhetische Dimension dieses Bezuges zum Nachdenken über die Kulturpolitik anregen, die mit dem Humboldtschen Denken über die Universität einhergeht. Der Nachmittag ist Humboldts Text über die Universität gewidmet.
Programm
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