Dr. Margot Lyautey

Dr. Margot Lyautey

Assoziierte Forschende

Forschungsschwerpunkt:

Umwelt Klima, Energie

Disziplin

Geschichte

E-Mail

mlyautey@gmail.com

Website

https://www.hsu-hh.de/histec/margot-lyautey

VITA

Nach einer ersten Ausbildung als Ingenieur an der École polytechnique, hat Margot Lyautey ein Master in Wissenschafts- und Technikgeschichte an der École des Hautes Études en Sciences Sociales (EHESS) abgeschlossen. Ihre Dissertation „Vom Besatzer lernen? Die französische Landwirtschaftsmodernisierung (1940-1944): Akteure, Einflüsse, Spielräume“ hat sie in einer deutsch-französischen cotutelle vorbereitet, zwischen der Eberhard-Karls-Universität Tübingen und der EHESS. Seit September 2022 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der Professur für Neuere Sozial-, Wirtschafts- und Technikgeschichte der HSU.

Mutterinstitut:

Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg

Forschung

Forschungsthemen

Umwelt- und Agrargeschichte, Wissens- und Expertengeschichte, die Geschichte Deutschlands und Frankreichs im 20. Jahrhundert, insbesondere im Zweiten Weltkrieg.

Forschungsprojekt

Eine „blonde Revolution“? Umweltgeschichte von Hybridmaisanbau in Deutschland und Frankreich (1945–1992)

 

Mais ist keine in Europa heimische Pflanze, sondern stammt aus Mittelamerika. Zwar wurde er in der frühen Neuzeit allmählich von Amerika nach Europa akklimatisiert, doch blieb der Maisanbau bis ins 20. Jahrhundert auf den Süden des Kontinents beschränkt. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es in der europäischen Landwirtschaft zu einer regelrechten „blonden Revolution“: so nennt man in Frankreich die massive und schnelle Einführung von Mais als Futtermittel in den 1960er und 1970er Jahren. In dieser Hinsicht ist Mais der Grundpfeiler unserer modernen westlichen Ernährung, in der Tierprodukte eine größere Rolle spielen als je zuvor. Der Mais kristallisiert seitdem die Umweltprobleme der modernen intensiven Landwirtschaft in vollem Umfang heraus, ob man an Konflikte um die Wassernutzung, die Umweltverschmutzung durch Pestizide, die Einfuhr von Soja und Raps aus abgeholzten Wäldern zur Ergänzung der Maisrationen oder an Hyperspezialisierung der Nutztiere denkt.

Ein beeindruckender Übergang, der nicht zuletzt auf außereuropäische Einflüsse und Projekte zurückzuführen ist (US-amerikanische im Rahmen des Marshall-Plans und später der „Grünen Revolution“ oder sowjetische mit Chruschtschows „Kreuzzug für den Mais“). Es ist diese bedeutende Entwicklung der europäischen Agrarproduktion die ich in diesem Forschungsprojekt untersuchen möchte, in ihren ökologischen, wirtschaftlichen, sozialen und geopolitischen Dimensionen. Europa erscheint im betrachteten Zeitraum zwischen zwei Einflusssphären gefangen. Einerseits die USA, die historisch gesehen immer führend im Anbau von Hybridmais waren: Der Marshallplan lieferte Tonnen von Hybridmais für die Nahrungsmittelhilfe in Deutschland, US-Saatgut wurde nach Europa geschickt, um angepasste Sorten zu entwickeln. Andererseits führte ein zweiter Weg nach Europa über die Sowjetunion, wo Nikita Chruschtschow ab 1954 seinen „Kreuzzug für den Mais“ startete. Die Untersuchung der Zirkulationen innerhalb Europas wird also weitgehend offen bleiben für den Austausch mit den USA und der Sowjetunion. Während Verbindungen innerhalb der beiden Blöcke erwartet werden, hat das Projekt insbesondere zum Ziel, den undurchlässigen Charakter des sogenannten „Eisernen Vorhangs“ neu zu überdenken, indem es den Anbau von Hybridmais als Fokus nimmt.

Das Forschungsprojekt ist an der Schnittstelle von Umweltgeschichte, Wissensgeschichte und zeitgenössischer europäischer Politik- und Wirtschaftsgeschichte angesiedelt und ist um drei Forschungsschwerpunkten gegliedert. Im ersten Schwerpunkt „Wissenszirkulation im Bereich der Viehfütterung“ möchte ich eine transnationale Geschichte der Silagetechniken  (Konservierung durch Fermentation) und der rationellen Fütterung vorschlagen, die auf die neue Rolle des Mais im betrachteten Zeitraum achtet, aber auch auf die Zirkulation von Wissen zwischen verschiedenen geografischen Räumen und innerhalb der landwirtschaftlichen Wertschöpfungskette (Bauernhof, Fabrik, Universitäten, Verwaltung…). Der zweite Schwerpunkt, „Hybridmais als Grundpfeiler der Intensivierung der Landwirtschaft Europas während des Kalten Krieges“, schlägt vor, die Geschichte Europas im Kalten Krieg durch die Linse des Maises neu zu lesen, indem einerseits die verschiedenen nationalen Strategien  bei der Sortenauswahl von Hybridmais analysiert werden (zwischen Kooperation und Konkurrenz), andererseits die europäischen Verhandlungen um die GAP erneut untersucht werden sowie die politische Semantik, die der Mais auf beiden Seiten des Kontinents mit sich bringt, hinterfragt wird. Der letzte Schwerpunkt „Auswirkungen auf ländliche Ökosystemen und landwirtschaftliche Praktiken“ hinterfragt die Umweltauswirkungen vom neuen Maisanbau in den Bauernhöfen rund um die Verschmutzung (Pestizide, Düngemittel, potenzielle Störung der Wasserkreisläufe), die Veränderungen der Landschaften sowie die Entwicklungen der täglichen Arbeit auf den Höfen und der Architektur von dieser.

Titel der Dissertation:

Vom Besatzer lernen? Die französische Landwirtschaftsmodernisierung (1940–1944): Akteure Einflüsse, Spielräume

Institution der Dissertation:

École des Hautes Études en Sciences Sociales/Eberhard-Karls-Universität Tübingen

Betreuer*in

Christophe Bonneuil/Johannes Großmann

Publikationen

Volle Liste hier: https://www.hsu-hh.de/histec/margot-lyautey