Banlieue Europa? Jugendunruhen – Stadt – Migration
26.01.2007 – 27.01.2007
11:00
Banlieue Europa?Jugendunruhen – Stadt – MigrationÈmeutes in Frankreich 2005, „riots“ im Norden Großbritanniens 2001 – gewalttätigeAusschreitungen von Jugendlichen mit Migrationshintergrund scheinen zur Realitätklassischer multikultureller Gesellschaften in Europa zu gehören. Gegenwärtigbahnen sich offensichtlich wieder explosive Situationen in den französischenVorstädten an. Die genannten Ereignisse erzeugen ein „dejá-vu“ – Ähnliches hattenFrankreich und Großbritannien auch zuvor bereits erlebt. Solche Unruhen werden inden betreffenden Ländern immer wieder zum Anlass genommen, das eigeneVerständnis von „Nation“, „Gemeinschaft“ und „Integration“ zu hinterfragen: oft,um den Erfolg der multikulturellen Gesellschaft und liberaler Integrationspolitiken inFrage zu stellen, aber auch, um Fehler in existierende Integrations- bzw. Diversity-Politiken zu erkennen. Häufig werden dann auch neue Programme aufgelegt.In Deutschland hat es bisher keine entsprechenden Jugendunruhen dieses Ausmaßesgegeben. Diese Tatsache steht in einem bemerkenswerten Gegensatz dazu, dassDeutschland sich weitaus weniger und später als die oben genannten Länder alsEinwanderungsland bzw. multikulturelle Gesellschaft verstanden hat und versteht.Ist es Zufall, dass in Deutschland bisher keine Reifen brennen? Wäre so etwasprinzipiell auch hier möglich? Was kann und soll die Bundesrepublik präventiv ausden Programmen der entsprechenden Länder lernen, die als Reaktionen auf dieAusschreitungen aufgelegt wurden?Die zweitägige, europäische Konferenz „Banlieue Europa“ untersucht jeweilsländerspezifisch den Zusammenhang zwischen Ausgrenzung junger Menschen,Stadtstruktur, Integrationspolitiken und Jugendkulturen. Welche Ursachen waren inwelchem Maße ausschlaggebend für die Gewaltausbrüche: Enttäuschung übermangelnde Bildungs- und Berufsperspektiven, die Kontaktarmut vonParallelgesellschaften, materielle Armut und räumlicher Ausschluss, die Rivalität vonJugend- (und hauptsächlich Jungs-)Gangs? Welche Konsequenzen haben diejeweiligen Kommunen und Länder gezogen? Wie sehen Jugendliche selbst dieAuseinandersetzungen und ihre Perspektiven? Es soll überprüft werden, welcheAnalysen der multikulturellen Gesellschaft und welche Programme für Deutschlandinteressant sein könnten. Die Tagung bietet außerdem die Gelegenheit, informelleNetze zum Umgang mit „Banlieues“ und ähnlichen Stadtquartieren in Europa zuknüpfen.
Programm
Freitag, 26. Januar 200719.00 Uhr EröffnungProf. Hartmut Häußermann, Humboldt Universität zu Berlin,Georg-Simmel-Zentrum für MetropolenforschungRalf Fücks, Vorstand Heinrich-Böll-Stiftung19.30 Uhr VorträgeDr. Engelbert Lütke DaldrupStaatssekretär im Bundesministerium für Verkehr, Bau und StadtentwicklungCem ÖzdemirFraktion European Green Party im Europaparlament21.00 Uhr Empfang im Foyer vor dem SenatssaalSamstag, 27. Januar 200709.30 Uhr Panel: Egalité sans fraternité?Émeutes und Integrationspolitik in FrankreichDidier Lapeyronnie, Université Victor Segalen – BordeauxFrançois Pupponi, Bürgermeister der Stadt SarcellesMohamed Mechmache, AC le feuCarsten Keller, Centre Marc Bloch, BerlinModeration: Bernad Bensoussan, Voix Publiques ParisDiskussion11.00 Uhr Kaffeepause11.30 Uhr Panel: ‚Community Cohesion’ oder Segregation?Perspektiven multikultureller Politik in GroßbritainnienProf. Ted Cantle , Improvement and Development Agency forlocal governmentMike Waite, Burnley Borough CouncilN.N., PeacemakerModeration: Kate Connolly, The GuardianDiskussion13.00 Uhr Mittagspause14.00 Uhr VortragDie Wiedereroberung der Stadt und die Gefahr der Spaltung der StädteAmstderdam und RotterdamGodfried Engbersen, Erasmus University Rotterdam, Niederlande14.30Uhr Handeln, bevor es zu spät ist? Erfahrungen undResümee für Deutschland. Diskussion.Uwe-Jens Walther, Prof. für Soziologie der Technischen Universität BerlinBurak Copur, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Vorsitzender desIntegrationsausschusses der Stadt EssenN.N., JugendorganisationYves Sintomer, Centre Marc Bloch, BerlinModerationHartmut HäußermannVorstand Georg-Simmel-ZentrumDiskussion16.00 Uhr Zusammenfassung und SchlussbetrachtungHugh Williams, Financial Times