#90 – Zwischen Wutbürgern und Triggerpunkten: die emotionale Infrastruktur der AfD
Serie "Rechtsruck und Hegemonie" 3/5
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Plus d'informationsIn dieser Folge analysiert der Politikwissenschaftler Florian Spissinger die Alternative für Deutschland aus einer affekt- bzw. emotionssoziologischen Perspektive. Er stellt heraus, wie die Anhänger der Partei über eine Selbststilisierung zur ‘Aufklärungsgemeinschaft’ und politischen ‘Avantgarde’ und über Praktiken des gemeinsamen Schimpfens und Spottens einen Raum zum Wohlfühlen schaffen, aus dem heraus das politische Projekt der AfD attraktiv erscheint. Wir erfahren, dass Spissinger von der gängigen Gegenüberstellung von Gefühl und Ratio und der auf dieser Unterscheidung fußenden Kritik an einer ‘Emotionalisierung des Politischen’ wenig hält — und dass er Emotionen und Affekte stattdessen als irreduzible Dimensionen jeder Form politischen Handelns auffasst. Ausgehend von dieser Feststellung diskutieren wir in der Folge zudem über die Notwendigkeit und Möglichkeiten des Aufbaus affektiver Gegengemeinschaften im Kampf um die politische Hegemonie.
Rechtsruck und Hegemonie
In dieser Serie werfen wir einen hegemonietheoretisch und kulturwissenschaftlich inspirierten Blick auf den europaweiten Aufstieg des Rechtsextremismus. Mit unseren Gästen rücken wir dabei verschiedene europäische Länder, ihre Rechtsaußen-Parteien und deren Wähler:innen in den Fokus. Vor dem Hintergrund der multiplen Krisen der letzten Jahrzehnte fragen wir danach, an welche sozialen Erfahrungen die extreme Rechte in der Konstruktion politischer Bedeutungen anschließt, um Führung und Gefolgschaft zu organisieren. Schließlich diskutieren wir die daraus erwachsenden Herausforderungen für die Demokratie und die Strategien, mit denen dieser Situation begegnet werden kann.
Konzeption und Entwicklung: Kolja Lindner (Associate Professor für politische Theorie an der Universität Paris 8; 2025/26 Gastdozent des Deutschen Akademischen Auslandsdienstes an der Freien Universität Berlin) und Josephine Starke (Doktorandin in der Soziologie an der Universität Leipzig; wissenschaftliche Mitarbeiterin am Centre Marc Bloch)
Florian Spissinger hat Soziale Arbeit und Politikwissenschaft studiert. Mit seiner ethnografischen Studie zur „Gefühlsgemeinschaft der AfD“ hat er 2023 den Dissertationspreis beim Verlag Barbara Budrich gewonnen und war 2024 Finalist beim Deutschen Studienpreis. Seit 2025 arbeitet er als Professor für Soziale Arbeit an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg.
Bibliographie:
Florian Spissinger: Die Gefühlsgemeinschaft der AfD. Narrative, Praktiken und Räume zum Wohlfühlen (Leverkusen 2024)
Nils C. Kumkar: Polarisierung. Die Ordnung der Politik (Berlin 2025)
Johannes Hillje: Mehr Emotionen wagen. Wie wir Angst, Hoffnung und Wut nicht dem Populismus überlassen. Ein Plädoyer für eine demokratische Emotionskultur (München 2025)