Wissenschaftsfreiheit

Thematischer Fokus zu Fragen der Wissenschaftsfreiheit angesichts des Erstarkens rechtsextremer politischer Kräfte.

Online-Seminar: „Universitäten unter Druck: zwischen politischem Druck und Resilienz“

In Zusammenarbeit mit dem CIERA, dem Centre d’Histoire de Sciences Po und dem Deutschen Historischen Institut Paris

 

Das Erstarken populistischer Parteien in zahlreichen Ländern, das rasante Vordringen neuer Technologien sowie bestimmte neoliberale Reformen wirken sich seit mehreren Jahren negativ auf die wissenschaftliche Arbeit und die akademische Freiheit aus. Angesichts dieser Entwicklungen erscheint es wichtig, jene Phänomene genauer zu untersuchen, die die Grundlagen wissenschaftlicher Arbeit und damit einen wesentlichen Pfeiler funktionierender Demokratien gefährden.

In den vergangenen zwei Jahren hat unser Seminar verschiedene Kontexte untersucht, in denen die Formierung „illiberaler“ Regierungen die Bedingungen von Forschung und Lehre sowie die akademische Freiheit grundlegend verändert hat: Argentinien, Ungarn unter Orbán, die Vereinigten Staaten seit Trumps Amtsantritt, Hongkong und verschiedene Länder des Nahen Ostens. Diese Seminare haben es uns ermöglicht, die Verwundbarkeit von Institutionen und Forschenden, unterschiedliche Mechanismen politischer Einflussnahme, gesetzliche und institutionelle Veränderungen sowie Formen direkteren Drucks zu identifizieren. Dazu gehören etwa Repression, Diffamierungskampagnen oder die Mobilisierung regierungsnaher Studierender. Dieser Überblick hat zugleich einige Mechanismen der Resilienz und der Verteidigung akademischer Freiheiten sichtbar gemacht.

Lange Zeit galten Bedrohungen für Hochschulen und Forschung in vermeintlich stabilen repräsentativen Demokratien als fernliegend oder wurden vor allem mit Privatisierungsprozessen und den Auswirkungen neo-managerialer Reformen in Verbindung gebracht. Inzwischen nehmen diese Bedrohungen konkretere und beunruhigendere Formen an. Sei es der starke Wahlerfolg der AfD in Deutschland und die mögliche Regierungsbildung in Bundesländern, die für die Finanzierung der Universitäten zuständig sind, das Risiko einer rechtsextremen Präsidentschaft und Regierung in Frankreich ab 2027 oder Online-Kampagnen und Einschüchterungsversuche, denen bestimmte Forschungsfelder, Themen oder Forschende bereits heute ausgesetzt sind: Die Autonomie der Wissenschaft steht sowohl in Frankreich als auch in Deutschland zunehmend unter Druck.

Aus diesen Gründen möchten wir den Fokus unseres Seminars in diesem Jahr stärker auf den französischen und deutschen Kontext richten und dabei zugleich auf Erkenntnisse aus der Geschichte und aus Vergleichen mit anderen Kontexten zurückgreifen. Welchen Risiken wären geschichtswissenschaftliche Forschung und Geschichtsunterricht in einem von der AfD regierten deutschen Bundesland ausgesetzt? Über welche Hebel verfügt die extreme Rechte, um Forschung und Lehre entsprechend ihrer revisionistischen Geschichtsauffassung und ihrer hierarchischen und nationalistischen Weltsicht neu auszurichten? Und welche verfassungsrechtlichen oder institutionellen Schutzmechanismen könnten demgegenüber Widerstand ermöglichen und die Wissenschaftsfreiheit schützen?

Darüber hinaus stellt sich die Frage nach den Risiken, die von Instrumenten der Forschungspolitik ausgehen können, wenn sie von politischen Kräften kontrolliert werden, die wissenschaftlicher Expertise ablehnend gegenüberstehen und die Geistes- und Sozialwissenschaften als Vertreter eines vermeintlichen „Wokismus“ oder „Islamo-Gauchisme“ diffamieren. Wie können in diesem Kontext Instrumente der Forschungsförderung oder die zunehmende Bedeutung von Einrichtungen wie Ethikkommissionen oder Gremien für wissenschaftliche Integrität, die eigentlich das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Wissenschaft stärken sollen, zu Einschränkungen der Wissenschaftsfreiheit führen? Mit diesen Analysen möchten wir Prozesse des Abbaus akademischer Freiheiten antizipieren, wie sie in verschiedenen illiberalen Kontexten zu beobachten sind. Welche internen und externen Widerstandsstrategien stehen uns in dieser angespannten Situation zur Verfügung, um die Voraussetzungen für eine offene und pluralistische akademische Debatte zu bewahren?

Diese Fragen werden im Rahmen einer Reihe von Online-Seminaren mit Beiträgen von Kolleginnen und Kollegen diskutiert, die auf diese Themen spezialisiert sind. Je nach Referierenden und Teilnehmenden finden die Diskussionen auf Französisch, Deutsch und Englisch statt.

 

                        

Kommende Seminare

Vergangene Seminare

Academic Freedom Week

Within the Academic Freedom Week in Berlin the Centre Marc Bloch organizes a round table on the topic. This event brings together experts and researchers to examine the challenges facing academic freedom in global and European contexts.

The day begins with a keynote from Stephanie Balme (Sciences Po Paris), presenting insights from her report Defending and Promoting Academic Freedom: A Global Issue, an Urgent Matter for France and Europe, followed by a Q&A session.

The event will be followed by two roundtable discussions :

How do academic freedoms erode and what can be done ?

How do French and German institutions abroad navigate the shoals of illiberal pressures on academic freedoms