Blockseminar: Anthropologie der zeitgenössischen Individualität. Die Begehrensgrundlagen der Individualisierung.

8.04.2006
10:00

Wie lässt sich Individualität heute denken? Es gehört sowohl zur Populär- als auch zur gelehrten Soziologie, die Individualisierung als einen der Moderne charakteristischen Prozess zu betrachten und eine Verstärkung oder Beschleunigung dieses Prozesses für unsere Spätmoderne mit einer Fülle von Evidenzen zu beobachten. Ich möchte zu einem Gedankenexperiment anregen: die Individualisierung in die anthropologische Perspektive einer fortschreitenden Befreiung von zoologischen Infrastrukturen zu stellen und die Frage nach dem "Drift" (dérive) der Spezies an den Herausstellung der Verschiebungen ihrer körperlichen Gestalt und der Komponenten ihrer Expressivität überhaupt zu beleuchten. Die These wäre dann: in den letzten Jahrzehnten hat eine beeindruckende Reihe von Befreiungen vom Zoologischen statt gefunden. Sie gehen mit tiefen Veränderungen im Physiologischen und Habituellen der Körperlichkeit einher. Das Ausdrucksverhalten vor allem verschiebt sehr stark in Richtung eines neuen intrafazialen Gefüges, das die Verhältnisse der konstituierenden Teile des Kopfes und des Gesichts zu einander verändert. Ausgehend von Leroi-Gourhans Spekulation über den "zukünftigen Menschen" (l’homme futur) wollen wir, mit Hilfe einer Theorie des Begehrens und dessen Artikulation in der körperlichen Expressivität, versuchen, eine Lektüre der zeitgenössischen Individualisierung zu entwickeln.

Programm

Samstag 8. April 2006, 9-12 u. 14-17.