Multiplikatoren-Workshop zum Thema „Zeitzeugeninterviews mit Holocaust-Überlebenden“

9.06.2007
10:00

Der Workshop wendet sich an Multiplikatoren, die pädagogisch tätig sind, an Schulen, in außer­schu­lischen Bildungseinrichtungen für Jugendliche und in der Erwachsenenbildung. In dem geplanten Workshop wird daher zunächst ein Einblick in die Geschichte der Auf­zeich­nung von Überlebendenberichten gegeben. Die Teilnehmenden erhalten zugleich einen Über­blick über die zugänglichen schriftlichen und audio-visuellen Zeugnisse der Opfer der Shoah und die Institutionen in Berlin und Brandenburg, die Zeitzeugenberichtete gesammelt haben und zur Verfügung stellen. Im nächsten Schritt werden dann die Ziele einer pädagogischen Verwendung von Zeugnissen der Opfer thematisiert. Ein Aspekt der Shoah, der nur aus den Zeugnissen der Überlebenden re­kons­tru­iert werden kann, wird als Beispiel gewählt. Das kann etwa die Erfahrung der De­por­ta­tion und der Ankunft im Lager sein. Dazu gibt es aus naheliegenden Gründen keine Tage­buch­auf­zeich­nun­gen, wohl aber zahlreiche Berichte von Überlebenden, die zu unter­schied­li­chen Zeitpunkten nach der Befreiung entstanden sind. Schriftliche Berichten wie die von Primo Levi oder Ruth Klüger können vergleichend mit den Tonband-Aufzeichnungen der Boder-Interviews und den Video-Dokumentationen des Archivs der Erinnerung analysiert werden mit dem Ziel, das Methodenbewusstsein zu schärfen und Fragestellungen zu erproben.Die anhand dieses Materials vorgetragenen Überlegungen, Thesen und Vorschläge zur Prägung der Berichte durch die Zeit ihrer Entstehung, zur Bedeutung der unterschiedlichen Medien für die Rezeption und zu den Methoden der Erschließung sollen dann im Transfer an einem anderen thematischen Schwerpunkt erprobt werden, z.B. an der Befreiung, die für viele Überlebende nicht nur eine Erlösung aus ihrer Qual und der tödlichen Bedrohung der Gefangenschaft war, sondern auch der Moment, in dem sie des Verlusts ihrer Angehörigen und Freunde inne wurden. Dem Workshop-Charakter der Veranstaltung entsprechend werden die teilnehmenden Multiplikatoren den Einsatz der Zeitzeugenberichte für ihren jeweiligen Tätigkeitsbereich planen, indem sie Passagen aus­­wählen und Fragestellungen bzw. Impulse für die Auseinandersetzung ihrer Adressaten mit die­­sen Zeugnissen entwickeln. Nach der Präsentation und Diskussion der erarbeiteten Konzepte werden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer den Workshop abschließend im Hinblick auf ihren Erkenntnisgewinn und den Nutzen für ihre pädagogische Arbeit bewerten.  

Programm

1. Dr. Anna Lipphardt (Centre Marc Bloch)Einführung: Welche Sammlungen von Überlebenszeugnissen gibt es (historische Entwicklung, Entstehungskontexte, Ansätze)? Welche Institutionen in Berlin-Brandenburg haben Sammlungen, die für die Bildungsarbeit zugänglich sind?2. Dr. Wolf Kaiser (Gedenkstätte Haus der Wannsee-Konferenz)Zum Umgang mit lebensgeschichtlichen Zeugnissen in der Bildungsarbeit, exemplarisch dargestellt am Thema „Ankunft“ auf Basis der Boder-Interviews, des Archiv der Erinnerung und schriftlicher Quellen (Ansätze, Fragestellen, Methoden)    3. Übung zum Umgang mit lebensgeschichtlichen Quellen