„Bürgerschaftskonzepte im Spannungsfeld von Republikanismus und Liberalismus“

18.04.2008
10:00

Das Konzept der Bürgerschaft gehört zu den zentralen Ordnungsvorstellungen, die das politische Denken von der Antike bis heute beschäftigen. „Bürgerschaft“ steht dabei zunächst für die Frage, auf die jede politische Ordnung eine Antwort geben muss: Wer wird als Mitglied des politischen Ordnungszusammenhanges betrachtet? Welche Voraussetzungen, welche Bedingungen müssen erfüllt werden, damit jemand als zugehörig anerkannt wird? Dabei steht „Bürgerschaft“ bereits für eine spezifische Form der Zugehörigkeit, welche die Bande zwischen Individuum und Gemeinschaft insbesondere über eine politische und rechtliche Dimension zu knüpfen versucht und damit in Konkurrenz zu anderen, insbesondere ethnisch codierten Ordnungsvorstellungen tritt. Zugleich verweist die Idee der Bürgerschaft immer auch auf das, woraufhin Zugehörigkeit definiert wird: Den Staat, die polis, die Republik oder auch die Nation. Ziel des Workshops ist es, die Frage nach den Bürgerschaftskonzepten von mehreren Seiten zu beleuchten: Zunächst gilt es, die Unterschiede zwischen den Bürgerschaftsvorstellungen der großen politischen Traditionszusammenhänge von Liberalismus und Republikanismus herauszustellen, die insbesondere die Bedeutungsanteile von politischen und rechtlichen Elementen unterschiedlich gewichten. Bürgerschaftskonzepte können somit als historisch gewachsene Geltungsdiskurse verstanden werden, in denen Fragen der politischen Zugehörigkeit und der individuellen Rechte verhandelt und institutionell auf Dauer gestellt werden. Über diese ideengeschichtliche Ebene hinaus werden die zeitgenössischen Fragen nach der Verschiebung bürgerschaftlicher Modelle im Kontext der Europäisierung und der Erosion des Nationalstaates behandelt. Ein besonderes Interesse kommt hierbei neuen Formen der Bürgerschaft zu, die sowohl auf der Ebene der politischen (Parlaments-)Diskurse als auch in den Deutungsdiskursen der politischen Theorie diskutiert werden.Da die Teilnehmerzahl beschränkt ist bitten wir unbedingt um Anmeldung per Email!

Programm

10:00-10:30 Prof. Dr. Pascale Laborier (CMB), Dr. Denis Bocquet (Institut Francais): Begrüßung10:30-11:00 Prof. Dr. Hans Vorländer (Lehrstuhl für Politische Theorie, TU Dresden, zvd, SFB): Die Renaissance des Bürgers – Einleitende Bemerkungen11:00-11.50 PD Dr. Marcus Llanque (HU Berlin): Der republikanische Bürgerbegriff als gestaffelte Aktivbürgerschaft 11:50-12:10 Kaffeepause12:10-13:00 Katja Laubinger (CMB Berlin): Der Bürger im parlamentarischen Diskurs – Ein deutsch-französischer Vergleich 13:00-14:30 Mittagspause14:30-15:20 Prof. Dr. Yves Sintomer (CMB Berlin): La réintroduction du tirage au sort en politique: un retour à la tradition républicaine?15:20-15:40 Kaffeepause15:40-16:30 Dr. Daniel Schulz (TU Dresden): Sklave und Bürger: Elemente einer republikanischen Gegenbegrifflichkeit 16:30-17:20 PD Dr. Dieter Gosewinkel (WZB Berlin): Untertanschaft, Nationalität, Staatsbürgerschaft. Begriffsgeschichtliche Überlegungen zu Deutschland, Frankreich und den USA.