Wael Garnaoui

VITA

Wael Garnaoui ist promovierter Doktor der Psychoanalyse und Psychopathologie (Université de Paris). Er ist Maître Assistant für Klinische Psychologie an der Universität Sousse (Tunesien) und Lehrbeauftragter an der Université Paris Cité. Als ausgebildeter klinischer Psychologe verfügt er über einen Masterabschluss in Klinischer Psychologie (Universität Tunis, 2013), einen forschungsorientierten Master in Psychoanalyse und wissenschaftlicher Medizin (Université Paris Diderot, 2014) sowie einen Master in Politischer Soziologie (Université Paris-Dauphine, 2015). Sein akademischer Werdegang verbindet klinische Praxis, Sozialwissenschaften und institutionenpolitische Analyse.

Als CNRS-Preisträger (2017) erhielt er mehrere internationale Forschungsstipendien, unter anderem am Centre Marc Bloch (Berlin) im Jahr 2018 sowie am CÉRIUM – Centre d’études et de recherches internationales der Université de Montréal im Jahr 2019. 2021 war er Postdoktorand an der Universität Leipzig und festigte dort seine Einbindung in europäische und nordamerikanische Forschungsnetzwerke.

Seine Arbeiten bewegen sich an der Schnittstelle von Klinischer Psychologie, Medizinischer Anthropologie und kritischer Soziologie. Sie stehen im kontinuierlichen Dialog mit dem Denken von Frantz Fanon – insbesondere in Bezug auf Entfremdung, institutionelle Gewalt, Rassialisierung und Subjektivierungsprozesse im postkolonialen Kontext – sowie mit den migrationssoziologischen Analysen von Abdelmalek Sayad zur „doppelten Abwesenheit“ und zur migrantischen Existenzbedingung.

Im Jahr 2021 gründete er die Forschungsgruppe Border Studies Research Group (Centre d’anthropologie de Sousse), die sich interdisziplinär mit Grenzen, Mobilitätsregimen und deren psychischen und sozialen Auswirkungen befasst. Er ist Autor von Harga et désir d’Occident (Nirvan, 2022). 2023 gab er eine Sonderausgabe der Zeitschrift IBLA zur Mobilität und zur Externalisierung von Grenzen heraus, die sich mit den gegenwärtigen Transformationen der euro-mediterranen Migrationspolitik auseinandersetzt.

Gemeinsam mit Montassir Sakhi veröffentlichte er Le quatrième âge de l’émigration. La condition migratoire dans l’ère de la Schengenisation (Mai 2026), eine kritische Analyse der Transformationen des euro-mediterranen Migrationsregimes und der Externalisierung europäischer Grenzen. Zudem gaben sie gemeinsam den Band Wael Garnaoui, Frantz Fanon et les luttes décoloniales : réceptions et actualité de sa pensée en Afrique (UM6P-Press, Marokko) heraus, der sich mit den zeitgenössischen Rezeptionen und Aktualisierungen von Fanons Denken in afrikanischen Kontexten befasst.

Er ist Mitglied des internationalen Netzwerks DERM und beschäftigt sich dort mit dekolonialer Pädagogik sowie mit der kritischen Analyse kolonialer Hinterlassenschaften in Wissens- und Gesundheitsinstitutionen.

Ein weiterer Schwerpunkt seiner Forschung ist die Reform der Psychiatrie und des Gesundheitssystems in Tunesien, wobei er institutionelle, politische und postkoloniale Dimensionen des Heilens und der Fürsorge untersucht. Dabei analysiert er die Verflechtungen von Subjektivität, Macht und Gesundheitspolitik in zeitgenössischen Gesellschaften.

Von 2022 bis 2025 ist er Vizepräsident der Tunesischen Gesellschaft für Psychologie und engagiert sich aktiv in wissenschaftlichen und berufspolitischen Debatten zur Weiterentwicklung klinischer Praxis und zur ethischen Dimension der Gesundheitsversorgung.

In seiner interdisziplinären und kritischen Perspektive verbindet Wael Garnaoui Forschung, Lehre und gesellschaftliches Engagement im Kontext von Mobilität, Dekolonisierung von Wissen und institutioneller Transformation.

Mutterinstitut:

Université Paris Cité/ Université de Sousse

Forschung

Stipendium

2016- 2017 : Allocations de recherche – Centre National de Recherche Scientifique – Lauréat de l’appel Attentats-Recherche CNRS  2017-2018 :  Bourse de mobilité du  Ministère de l’Enseignement Supérieur et de la Recherche Scientifique en Tunisie   2018 : Aide doctorale pour un séjour de recherche,CIERA, CMB Berlin 2019 : Bourse de rédaction CÉRUIM, Université de Montréal

Titel der Dissertation:

Antrieb zur Emigration bei jungen Tunesiern; von illegaler Migration zu radikalem Engagement in dschihadistischen Netzen; politische Veränderungen und subjektive Aspekte; Désir de partir chez les jeunes tunisiens ; de la migration clandestine à l'engagement radical dans les filières djihadistes, mutations politiques et aspects subjectifs

Institution der Dissertation:

Université Paris cité

Betreuer*in

Thamy Ayouch

Publikationen

„La promesse djihadiste vient remplacer pour certains la promesse occidentale qui ne fonctionne plus“                          Entrtien avec l’Humanité réalisé par Ixchtel Delaporte le 17 mars 2017                                           https://www.humanite.fr/la-promesse-djihadiste-vient-remplacer-pour-certains-la-promesse-occidentale-qui-ne-fonctionne-plus