Obsidian als Second Brain: Wissen vernetzen statt Notizen stapeln

Mit Lennart Vincent Schmidt (ZZF, CMB)

2.06.2026
12:00 – 13:30

Centre Marc Bloch, salle Germaine Tillion

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Abstract:

Das Problem im Forschungsalltag ist selten der Mangel an Material, sondern die fehlende Verbindung zwischen den Stücken. Das Zettelkasten-Prinzip nach Luhmann löst das nicht durch mehr Ordner, sondern durch Verlinkung: Jede Notiz ist eine kleine, in sich abgeschlossene Einheit, die auf andere verweist. Mit der Zeit entsteht ein persönliches Wissensnetz, das beim Schreiben sichtbar macht, was man eigentlich schon weiß. Obsidian setzt dieses Prinzip konsequent um kostenlos, lokal gespeichert, ohne Abhängigkeit von externen Diensten.

Inhalte

Was ist Obsidian und warum kein Word Dokument? Kurze Einführung in die Grundprinzipien: lokale Markdown-Dateien, Verlinkung, Ordnerstruktur. Was Obsidian von Word-Dokumenten, Ordnern oder Zotero unterscheidet und warum das für die Forschungspraxis einen Unterschied macht.

Atomare Notizen: Das Prinzip in der Praxis Was bedeutet es, einen Gedanken „atomar“ zu speichern? Anhand konkreter Beispiele aus der Archiv- und Literaturarbeit: Wie sieht eine gute Archivnotiz aus, was gehört in eine Literaturnotiz, was in eine Argumentationsnotiz. Die Teilnehmenden skizzieren eine eigene Notiz zu einem aktuellen Forschungsthema.

Verlinkung und Struktur: Vom Stapel zum Netz Wie entstehen Verbindungen zwischen Notizen — durch Wikilinks, Tags und Metadaten. Live-Demo anhand eines realen Vault-Aufbaus mit Archivnotizen, Kapitelbezügen und Literaturverweisen. Die Teilnehmenden verknüpfen ihre eigene Notiz mit einer Kapitel- oder Themennotiz.

KI als Aufräumhilfe: Alte Notizen umstrukturieren Viele Forschende haben bereits Hunderte von Notizen — aber in unterschiedlichen Formaten, ohne konsistente Struktur, mit fehlenden Metadaten. Gezeigt wird, wie man Claude oder ChatGPT nutzt, um bestehende Notizen systematisch umzustrukturieren: Frontmatter ergänzen, Titel vereinheitlichen, Kapitel- und Themenbezüge als Verlinkungen eintragen, Tags bereinigen. Die Teilnehmenden probieren das mit einer eigenen Notiz aus. Wichtig dabei: Die KI übernimmt die Formatierungsarbeit, die inhaltliche Entscheidung, welche Quelle zu welchem Argument gehört, bleibt beim Forschenden.

 

Vorbereitung

  • Obsidian vorab herunterladen und installieren (kostenlos, verfügbar für Mac, Windows, Linux)
  • eine alte Notiz oder einen Materialstapel mitbringen, den man umstrukturieren möchte
  • kostenlosen Account bei ChatGPT, Claude oder Mistral anlegen

 

Optional (Lektürehinweise)
  • Ahrens, Sönke. Das Zettelkasten-Prinzip: erfolgreich wissenschaftlich Schreiben und Studieren mit effektiven Notizen. BoD – Books on Demand, 2017.
  • Clear, James. Atomic Habits: Tiny Changes, Remarkable Results : An Easy & Proven Way to Build Good Habits & Break Bad Ones. Avery, an imprint of Penguin Random House, 2018.
  • Forte, Tiago. Building a Second Brain: A Proven Method to Organise Your Digital Life and Unlock Your Creative Potential. Profile Books Ltd, 2022.

 

Optional im Vorfeld einreichen: Eine konkrete Zeitmanagement-Herausforderung aus dem eigenen Alltag Bitte hier eintragen: https://drive.proton.me/urls/D6P3YM130W#iVXOqNgQ1Ad2

 

Teil der Reihe: KI am CMB – Was künstliche Intelligenz mit den Geistes- und Sozialwissenschaften macht – und was die Geistes- und Sozialwissenschaften daraus machen.