Fabrizio Li Vigni

Fabrizio Li Vigni

Forschende

Forschungsschwerpunkt:

Europa und Demokratie unter Druck

Disziplin

Soziologie

E-Mail

fabrizio.livigni@cmb.hu-berlin.de

VITA

Fabrizio Li Vigni ist Soziologe mit dem Schwerpunkt digitale Technologien. Nach einem Bachelorabschluss und drei Masterabschlüssen in Philosophie, Wissenschaftsgeschichte und allgemeiner Soziologie in Palermo, Barcelona und Paris promovierte er 2018 im Fach Soziologie an der École des hautes études en sciences sociales. Seine in der Wissenschaftssoziologie und den Science and Technology Studies (STS) verortete Dissertation trägt den Titel Komplexe Systeme und die Digitalisierung der Wissenschaften. Eine Geschichte der Komplexitätsinstitute in Frankreich und den Vereinigten Staaten. In seiner Dissertation untersuchte er die Wissenschaft komplexer Systeme, für die das Santa Fe Institute (New Mexico, USA) in den 1980er Jahren Pionierarbeit leistete. Dieses interdisziplinäre Forschungsfeld hat zur Entwicklung von Instrumenten wie agentenbasierten Modellen, der Netzwerktheorie und bestimmten Anwendungen des maschinellen Lernens beigetragen. Die Arbeiten von F. Li Vigni sind ihrem Ansatz nach interdisziplinär: Sie stützen sich auf die STS, verbinden Archivforschung, Interviews und Ethnografie und entstehen teilweise in Zusammenarbeit mit Forschenden aus Physik, Mathematik und Informatik.

Anschließend war F. Li Vigni auf drei Postdoc-Stellen tätig: am Kolleg Media Cultures of Computer Simulation der Leuphana Universität Lüneburg (Deutschland);

am LISIS (UGE, ESIEE, CNRS, INRAE) mit einer Förderung durch das IFRIS;

sowie an Sciences Po Saint-Germain-en-Laye, wo er lehrte, forschte und den gemeinsam mit der Ingenieurhochschule CY Tech (Cergy-Pontoise) angebotenen Doppelabschlussstudiengang „Data Engineering und Digital Humanities“ leitete. Seit Oktober 2022 ist er als wissenschaftlicher Mitarbeiter (Chargé de recherche) im Fach Soziologie am CNRS tätig, nachdem er über die interdisziplinäre Sektion 53 rekrutiert wurde.

Mutterinstitut:

CNRS

Forschung

Forschungsthemen

F. Li Vignis aktuelle Forschung befasst sich mit digitaler Demokratie, verstanden als die Umsetzung gemeinsamer Entscheidungsfindung in Verwaltungs-, Gesetzgebungs- und Haushaltsfragen mithilfe digitaler Instrumente in parteipolitischen und/oder institutionellen Kontexten. Politische Plattformen bieten die Möglichkeit, die Debatten über Online-Partizipation und die Krise der repräsentativen Demokratie neu zu beleben. Darüber hinaus forscht er zum Satelliteninternet. Dabei untersucht er die Entstehung seiner Märkte, die geopolitischen Rivalitäten, die seine Entwicklung prägen, sowie die ökologischen und regulatorischen Kontroversen um den Aufbau von Satellitenmegakonstellationen in der niedrigen Erdumlaufbahn. Seine Forschung stützt sich auf die politische Soziologie, die Digitalsoziologie, die Soziologie der Infrastrukturen und die Computational Social Science.

Forschungsprojekt

2026–2029
Satelliteninternet: Eine neue Dimension des wirtschaftlichen und geopolitischen Wettbewerbs
Märkte, Externalitäten, Risiken und Kontroversen rund um Megakonstellationen in der niedrigen Erdumlaufbahn — LEO-MERC (ANR)

Dieses Forschungsprojekt untersucht die Entwicklung des Satelliteninternets und die Transformation der niedrigen Erdumlaufbahn zu einem Raum wirtschaftlichen und geopolitischen Wettbewerbs. Vor dem Hintergrund wachsender Rivalitäten zwischen Großmächten und des Strebens nach digitaler Souveränität bauen private Unternehmen und öffentliche Akteure Satellitenmegakonstellationen auf, um einen weltweiten Internetzugang bereitzustellen. Diese Infrastrukturen werfen Fragen der wirtschaftlichen Konzentration, der Aneignung orbitaler Ressourcen und der Weltraum-Governance auf und lösen zugleich Kontroversen über ihre Umweltauswirkungen und Kollisionsrisiken aus. Wie ist das Satelliteninternet als neuer strategischer Markt entstanden? Welche Beziehungen zwischen Unternehmen, Staaten und Regulierungsbehörden prägen seine Entwicklung? Und wie werden die Risiken und unerwünschten Auswirkungen dieser Infrastrukturen definiert, diskutiert und bearbeitet? Die Untersuchung konzentriert sich insbesondere auf Starlink, Amazon LEO, Eutelsat OneWeb und das europäische Programm IRIS² und verortet sie in einem internationalen Wettbewerb, an dem auch China und Russland beteiligt sind. Sie gliedert sich in drei Schwerpunkte: 1) die Entstehung von Märkten und die Strategien der Akteure;

2) wissenschaftliche, ökologische und ethische Kontroversen;

und 3) Risikomanagement und die Governance des Weltraumverkehrs.

Das in den Science and Technology Studies verankerte Projekt verbindet Wirtschaftssoziologie, politische Soziologie, Digitalsoziologie und Infrastrukturforschung. Es ist auf drei Jahre angelegt und stützt sich auf leitfadengestützte Interviews, die Beobachtung von Fachveranstaltungen und institutionellen Veranstaltungen sowie Dokumentenanalysen, um die wirtschaftlichen, politischen, technischen und ökologischen Dimensionen dieser neuen Kommunikationsinfrastrukturen in ihrem systemischen Zusammenhang zu verstehen.

2022–2026
Die Plattformisierung der Politik
Für eine interdisziplinäre Untersuchung der partizipativen Demokratie im Internet

Dieses Forschungsprojekt untersucht den politischen Einsatz digitaler Instrumente für direkte und partizipative Demokratie. Vor dem Hintergrund einer Krise der repräsentativen Demokratie setzen regierende politische Kräfte zunehmend „Civic Technologies“ ein, um Bürgerinnen und Bürger an Entscheidungen in Verwaltungs-, Gesetzgebungs- und Haushaltsfragen zu beteiligen. Partizipationsplattformen bieten die Möglichkeit, die Debatte über Demokratie im Internet neu zu beleben, und werfen zwei Fragen auf. Inwiefern verändert der Einsatz dieser Instrumente durch öffentliche Stellen die Praktiken politischer Repräsentation? Und wie wirkt sich die Plattformisierung der Politik auf die Partizipation aus, wenn sie von politischen Parteien und nicht von Bürgerinnen und Bürgern ausgeht? Das Projekt wird sich auf vier europäische Fallstudien stützen, die aufgrund ihrer Bedeutung ausgewählt wurden: die Plattform der Stadt Barcelona (Decidim), die Plattform der Fünf-Sterne-Bewegung (M5S.eu), eine der Plattformen der Stadt Paris (idees.paris) und die Plattform der Konferenz zur Zukunft Europas. Um die komplexen Beziehungen zwischen Gesellschaft, Software und Materialität zu erfassen, nimmt das Projekt i) eine Perspektive der Science and Technology Studies ein und stützt sich ii) auf vier Forschungsfelder: die politische Soziologie (zur Untersuchung der Organisation und Ideologie von Parteien und Bürgerinnen und Bürgern), die Digitalsoziologie (zur Untersuchung von Algorithmen), die Soziologie der Infrastrukturen (zur Untersuchung der Materialität von Hardware) und die Computational Social Science (zur quantitativen Untersuchung von Internetnutzerinnen und -nutzern). Die Untersuchung wird mit vorhandenen Ressourcen anhand von Interviews, Beobachtungen und der Analyse von Online-Debatten durchgeführt.

Publikationen

Ouvrages

Fabrizio Li Vigni, 2021, Histoire et sociologie des sciences de la complexité, Paris, Éditions Matériologiques, 194 p. Présentation

Direction d’ouvrages et de numéros de revue

Benjamin Raimbault, Fabrizio Li Vigni et Séverine Louvel (dir.), 2023, Dossier thématique Les nouveaux vecteurs de la crédibilité scientifique à l’interface entre mondes sociaux, Revue d’anthropologie des connaissances, 17-2. DOI: 10.4000/rac.26590. Texte intégral

Articles de revues à comité de lecture

Fabrizio Li Vigni, 2026, “Infrastructures of Digital Democracy: Three Models: Private, Public, and Common”, Weizenbaum Journal of the Digital Society, vol. 6, no. 2. DOI: 10.34669/wi.wjds/6.2.2. Full text

Fabrizio Li Vigni et Quentin Lobbé, 2026, « Le débat autour des modèles épidémiologiques de la Covid-19. Apologistes, critiques et détracteurs », Questions de communication, no 49, p. 425-456. DOI: 10.4000/16ec0. Texte intégral

Fabrizio Li Vigni, 2026, “Online participation. A three-dimensional approach to study digital political platforms”, Internet Policy Review, vol. 15, issue 2. DOI: 10.14763/2026.2.2093. Full text (OA)

Fabrizio Li Vigni, 2025, “The Santa Fe Institute’s economic and geographical influence on the computational bent of complexity sciences”, The Lab’s Quarterly, Online first: 1 Dec. 2025. DOI: 10.13131/unipi/ct3b-xt70. Full text

Fabrizio Li Vigni, 2025, “Online Participatory Authoritarianism. The Case of Tunisia’s E-Istichara Platform under Kaïs Saïed (2022)”, The Journal of North African Studies, Published online: 03 Nov 2025. DOI: 10.1080/13629387.2025.2583189. Full text

Fabrizio Li Vigni, 2025, « Comparer les débats politiques en ligne. Complexité rhétorique et régimes argumentatifs dans les plateformes Idées Paris et Conférence sur l’avenir de l’Europe« , Recherches en communication, vol. 56, Les dispositifs institutionnels de délibération en ligne, p. 77-114. Texte intégral

Fabrizio Li Vigni, Séverine Louvel et Benjamin Raimbault, 2023, « Les reconfigurations des vecteurs de la crédibilité scientifique à l’interface entre les mondes sociaux », Revue d’anthropologie des connaissances [En ligne], 17-2. DOI: 10.4000/rac.30365. Texte intégral

  • Traduit en anglais. “How do the vectors of scientific credibility reconfigure at the interface between the social worlds?”. DOI: 10.4000/rac.30500. Full text
  • Traduit en espagnol. « Las reconfiguraciones de los vectores de credibilidad científica en la interfaz entre mundos sociales ». DOI: 10.4000/rac.30501. Texto completo

Fabrizio Li Vigni, 2023, “The promises of complexity sciences. A critique”, Perspectives on science, vol. 31, no 4,
p. 465-502. DOI: 10.1162/posc_a_00592. Abstract

Fabrizio Li Vigni, avec la collaboration d’Enka Blanchard, 2022, « ‘Partis plateforme’ versus ‘partis en réseau’. Analyse comparative du design de plateforme et du débat en ligne dans Rousseau et Decidim », Réseaux, no 236, 2022/6, p. 57 à 93. DOI: 10.3917/res.236.0057. Résumé (Cairn)

Fabrizio Li Vigni, 2022, « Un cube idéal-typique pour l’étude de la plateformisation de la politique », Terminal, no 134-135. DOI: 10.4000/terminal.8867. Texte intégral

Fabrizio Li Vigni, Enka Blanchard, Cyprien Tasset, 2022, “Theories of global collapse: closing down or opening up the futures?”, Journal of Futures Studies, 27/1. Full text

Fabrizio Li Vigni, 2022, “Hayek at the Santa Fe Institute: Origins, Models, and Organization of the Cradle of Complexity Sciences”, Centaurus. Journal of the European Society for the History of Science, 64/2. DOI: 10.1484/J.CNT.5.131461. Full text

Fabrizio Li Vigni, 2022, “Companion Modeling and ‘Committed Scenario-Building’. For a Richer Taxonomy of Futures”, Journal of Futures Studies, 26/4. Full text

Fabrizio Li Vigni, 2022, “Data and Model Operations in Computational Sciences: The Examples of Computational Embryology and Epidemiology”, Perspectives on Science, 30/4. DOI: 10.1162/posc_a_00408. Abstract

Fabrizio Li Vigni, 2021, « L’épidémiologie computationnelle à l’ère de la COVID-19. Enjeux disciplinaires et politiques d’une spécialité fondée sur l’étude des réseaux », Réseaux, 228, p. 23-60. Texte intégral

Fabrizio Li Vigni, 2021, « Cinq types de travail scientifique ‘interdisciplinaire’ », Natures Sciences Sociétés, 29/2, p. 130-140. DOI: 10.1051/nss/2021033. Texte intégral

Fabrizio Li Vigni, 2021, “Complexity Sciences: A Scientific Platform”, Science & Technology Studies, 34/4, p. 30-55. DOI: 10.23987/sts.97027. Full text

Fabrizio Li Vigni, 2021, « Architecture et interdisciplinarité. Le cas d’étude des instituts de la complexité », Natures Sciences Sociétés, 28/3-4, p. 306-313. DOI: 10.1051/nss/2021005. Texte intégral

Fabrizio Li Vigni, 2021, « Les données : le point aveugle de la littérature sur la modélisation numérique », Implications philosophiques, 20 février 2021. Texte intégral

Fabrizio Li Vigni, 2021, “Regimes of evidence in complexity sciences”, Perspectives on science, 29/1, p. 62-103. DOI: 10.1162/posc_a_00361. Abstract

Fabrizio Li Vigni, 2020, “Five anticipation communities in complex systems sciences: Complexity science and its visions of the future”, Futures, 120, 102551. DOI: 10.1016/j.futures.2020.102551. Abstract

Fabrizio Li Vigni, 2020, “The failed institutionalization of ‘complexity science’: A focus on the Santa Fe Institute’s legitimization strategy”, History of Science, 59/3. DOI: 10.1177/0073275320938295. Abstract

Fabrizio Li Vigni, 2020, « Normativité des modèles et régimes du futur. Trois communautés d’anticipation dans les sciences de la complexité », Revue d’anthropologie des connaissances, 14/1. Texte intégral

Fabrizio Li Vigni, 2020, « Le projet épistémique des sciences des systèmes complexes », Philosophia Scientiæ, 24/1, p. 181-200. DOI: 10.4000/philosophiascientiae.2201. Texte intégral

Fabrizio Li Vigni, 2015, « Il pensiero complesso tra epistemologia e impegno civile. Introduzione al Metodo di Edgar Morin », Physis. Rivista internazionale di Storia della Scienza, L/1-2, p. 389-400. Testo intero

Fabrizio Li Vigni, 2011, « La Complessità è un Pensiero Debole », Complejidad, 12, p. 36-46. Testo intero

Autres publications de revues à comité de lecture

Fabrizio Li Vigni, 2017, “‘Traveling Codes’ Leuphana Workshop, 30-31 March 2017”, Bulletin de Méthodologie Sociologique, vol. 136, p. 74-81. Full text

Fabrizio Li Vigni, 2016, “Agent Cultures and Zombielands, 23-25 June 2016 Leuphana Conference”, Bulletin de Méthodologie Sociologique, vol. 133, p. 71-77. Full text

Fabrizio Li Vigni, 2013, « Entretien avec Edgar Morin » (avec Jean Foyer et Christophe Bonneuil), Complejidad, n. 20, 2013, p. 53-62. Full text

Chapitres d’ouvrage

Fabrizio Li Vigni, Stéphanie Wojcik, 2025, “Building a typology of digital platforms’ political functions”, in Emilien Paulis, Raphaël Kies, Alina Östling (Eds), Public deliberation in the digital age. Platforms, participation, and legitimacy, New York, Routledge, p. 23-37. Abstract

Fabrizio Li Vigni, Sébastien Dutreuil et Hélène Guillemot, 2025, « Climat, systèmes complexes, système Terre : les pratiques interdisciplinaires d’études des systèmes constituent-elles de ‘nouvelles sciences’ ? », in Wolf Feuerhahn, Rafael Mandressi (dir), Histoire de l’interdisciplinarité. Un mot, des pratiques, Éditions de la Sorbonne, coll. « Homme et société », p. 369-385. Présentation de l’ouvrage

Fabrizio Li Vigni, 2018, « La place du désordre dans les différentes traditions des théories de la complexité », in Jean-Claude Serge Lévy et Salomon Ofman (dir.), L’avenir de la complexité et du désordre, Éditions Matériologiques, p. 99-110. Présentation

Autres publications

Fabrizio Li Vigni, 2023, « Les modélisateurs de l’épidémie de la Covid-19 », Enjeux numériques, no 21, Mars 2023, Annales des Mines, p. 91-96. Texte intégral

Enka Blanchard, Fabrizio Li Vigni, Pablo Rauzy, 2022, « Auteur×ices, relecteur×ices : redoublons de pru-
dence face aux effets de modes technologiques ». Texte intégral (Hal)

Comptes rendus de lecture

Fabrizio Li Vigni et Camille Noûs, 2025, « Henri Bergeron, Olivier Borraz, Patrick Castel et François Dedieu, Covid-19 : une crise organisationnelle (Les Presses de Sciences Po, 2020) », Lectures [En ligne], Les comptes rendus, mis en ligne le 24 janvier 2025. DOI: 10.4000/135kv.

Fabrizio Li Vigni, 2022, « Pablo Jensen, Pourquoi la société ne se laisse pas mettre en équations (Éditions du Seuil, 2018) », Quaderni di Sociologia, 90-LXVI, p. 95-98. DOI: 10.4000/qds.5139. Testo integrale

Fabrizio Li Vigni, 2022, « Sébastien Lemerle, Le cerveau reptilien. Sur la popularité d’une erreur scientifique (CNRS éditions, 2020) », Revue française de sociologie.

Fabrizio Li Vigni, 2019, « Mathieu Quet, Impostures pharmaceutiques (La Découverte, 2018) », Sociologie. En ligne

Fabrizio Li Vigni, 2019, « Pierre Martin, Crise mondiale et systèmes partisans (Presses de Sciences Po, 2018) », Lectures. En ligne

Fabrizio Li Vigni, 2018, « Bruno Karsenti et Cyril Lemieux, Socialisme et sociologie (Éditions de l’EHESS, 2017) », Sociologie. En ligne

Fabrizio Li Vigni, 2016, « Irène Pereira, Le pragmatisme critique. Action collective et rapports sociaux (L’Harmattan, 2016) », Lectures. En ligne