Giulia  Zerbinati

Giulia Zerbinati

Assoziierte Forschende

Forschungsschwerpunkt:

Die kunst der Kritik

Disziplin

Philosophie

E-Mail

giulia.zerbinati@cmb.hu-berlin.de

VITA

Giulia Zerbinati ist seit 2026 assoziierte Forscherin am Centre Marc Bloch, wo sie im Forschungsschwerpunkt „Die Kunst der Kritik“ mitarbeitet. Zudem ist sie als Lehr-Tutorin am Institut für Philosophie der Universität Bologna tätig und Mitglied des internationalen Projekts REACT (Reactivating Experience: Art, Culture Industry and Authoritarianism in the Digital Age – Horizon Europe MSCA Staff Exchanges).

Sie wurde 2026 an der Universität Bologna im Fachbereich Ästhetik mit einer Dissertation über Hegel und Adorno promoviert. Zuvor graduierte sie an der Universität Pisa und an der Scuola Normale Superiore. Forschungsaufenthalte absolvierte sie in Freiburg im Breisgau, Potsdam und Berlin.

Ihre Forschungsschwerpunkte und -interessen liegen in den Bereichen der klassischen deutschen Philosophie und deren zeitgenössischer Rezeption, der Kritischen Theorie, dem dialektischen Denken sowie der ästhetischen Erfahrung – insbesondere dem Verhältnis von ästhetischer und begrifflicher Wahrheit. Sie ist Autorin mehrerer Beiträge in Sammelbänden und wissenschaftlichen Zeitschriften in den Bereichen Kritische Theorie, Ästhetik, Dialektik und politische Philosophie.

Mutterinstitut:

Università di Bologna

Forschung

Forschungsthemen

Giulia Zerbinatis Interessensschwerpunkte sind philosophische Ästhetik, klassische deutsche Philosophie (insbesondere Hegel), Kritische Theorie (insbesondere Adorno), dialektisches Denken und dessen gesellschaftliche Implikationen. Aktuell konzentriert sie ihre Forschung auf die Verbindung zwischen der Erfahrungsdimension des Ästhetischen und theoretischen dialektischen Modellen.

Forschungsprojekt

Der nicht-begriffliche Aspekt der Erfahrung: Die ästhetische Dimension als Reaktivierung des dialektischen kritischen Denkens

Dieses Forschungsprojekt untersucht die Verflechtung zwischen dem nicht-begrifflichen Aspekt der Erfahrung — verstanden als ästhetische Dimension — und der Möglichkeit, ein dialektisches kritisches Denken zu reaktivieren. Dabei erforsche ich das operative Potenzial und die nicht-ideologische Umsetzung ästhetischer Praktiken im sozialen Kontext der Konsumkultur und des digitalen Kapitalismus. Hierzu nutze ich die begrifflichen und methodischen Werkzeuge der Kritischen Theorie, wobei mein besonderer Fokus auf Theodor W. Adornos Ästhetikverständnis liegt. Bei Adorno lässt sich das Ästhetische als jener Aspekt der Erfahrung begreifen, der durch seine enge Bindung an die dialektische Triebkraft der Nichtidentität der fortschreitenden Erosion von Erfahrung im emphatischen Sinne entgegenwirken kann. Durch die Neubewertung der dialektischen Bedeutung und der emanzipatorischen Kraft ästhetischer Erfahrung zielt meine Forschung darauf ab, Wege des kognitiven und praktischen Widerstands gegen moderne Formen der Entfremdung aufzuzeigen. Auf diese Weise verbindet das Projekt kritische philosophische Perspektiven mit aktuellen soziopolitischen Herausforderungen, um neue diagnostische Instrumente für das digitale Zeitalter bereitzustellen. Dieses Projekt fügt sich in den Forschungsschwerpunk „Die Kunst der Kritik“ des Centre Marc Bloch ein. Darüber hinaus ist ein Teil dieses Projekts in das Horizon Europe MSCA Staff Exchange Projekt „Reactivating Experience: Art, Culture Industry and Authoritarianism in the Digital Age“ (REACT) eingebunden. Das REACT-Projekt untersucht, wie die Dynamiken der zeitgenössischen Kulturindustrie und des digitalen Kapitalismus die Krise des modernen Liberalismus offenlegen, Subjektivität neu formen und autoritäre Tendenzen begünstigen.

Titel der Dissertation:

Das Ästhetische und die Dialektik. Untersuchung des Unbegrifflichen anhand von Hegel und Adorno

Institution der Dissertation:

Università di Bologna

Betreuer*in

Giovanni Matteucci

Publikationen

L’uomo nel mondo e l’uomo nella democrazia: la condizione umana in Pascal e Tocqueville, in G. M. Tessarolo – M. Zolli (hrsg.), La democrazia allo specchio. Tocqueville e Marx, Edizioni della Normale, Pisa 2020, S. 109-125

Per il compiersi dell’incompiuto. Una lettura critica dell’attuale attraverso l’ultimo Benjamin, in A. Bruzzone (hrsg.), Contro l’attuale. Per una dialettica delle crisi storiche, Ursæ Cœli, Milano 2020, S. 175-185

Quando l’arte si fa merce. L’idea adorniana di industria culturale come pseudos, in «Discipline Filosofiche», XXXII/2 (2022): Le forme dello pseudos, S. 145-166

The truth of art. A reflection starting from Hegel and Adorno, in Proceedings of the European Society for Aesthetics, 15 (2024), S. 533-541

Rezension: Peter Cheyne (hrsg.), Imperfectionist aesthetics in art and everyday life, Routledge, New York 2023, in «Studi di estetica», LII/1 (2024), S. 191-197

Intervista ad Attilio Bruzzone, in «Segnalibri Filosofici», Dipartimento di Filosofia dell’Università di Bologna, online 2024 (https://site.unibo.it/segnalibri/it/interviste/intervista-ad-attilio-bruzzone)

Ernesto De Martino, in F. Ammirabile, J. Salina, M. Zolli (hrsg.), Crisi di una tradizione. La filosofia in Italia (1945-1970), Edizioni della Normale, Pisa 2024, S. 209-232

(Pseudo)cultura e colpa nella società del consumo, in A. Bruzzone (hrsg.), Dialettica del fallimento. Sul peccato originale come mito e realtà, Ursæ Cœli, Milano 2024, S. 319-331

The ‘aesthetic’ between experience and social critique. Dewey, Adorno and some possible intersections, in «European Journal of Pragmatism and American Philosophy», XVII/1 (2025)

Art’s “double character” and its critical potential against total society in Adorno, in «Studi di estetica/aesthetic studies», LIII/1 (2025), S. 105-120

Ernesto De Martino e l’‘umanesimo etnografico’, in L’età nuova. Umanesimo e Rinascimento. 1: Interpretazioni dell’Umanesimo e del Rinascimento, Edizioni della Normale, Pisa 2026, S. 535-543

Mit G. Matteucci, Foreword, in «Studi di estetica/aesthetic studies», special issue (2026): Adorno & (hrsg. G. Zerbinati, G. Matteucci), S. 1-3

Adorno and Hegel. Truth, experience, and the ‘workshop’ of dialectics, in «Studi di estetica/aesthetic studies», special issue (2026): Adorno & (hrsg. G. Zerbinati, G. Matteucci), S. 25-40

Mit M. Ester, Ästhetisches Denken. Anne Eusterschulte im Gespräch zu Adornos Ästhetik-Vorlesung von 1961/1962, in «WestEnd. Neue Zeitschrift für Sozialforschung», 23/1 (2026), S. 133-141