Morten Schneider
VITA
seit 10/2026 Assoziierter Doktorand am Centre Marc Bloch
2023–2026 Doktorand am DFG-Graduiertenkolleg 2190 Literatur- und Wissensgeschichte
kleiner Formen, Humboldt-Universität Berlin
2021 M.A. Europäische Literaturen, Humboldt-Universität Berlin
2018 B.A. Deutsche Literatur / Kunst- und Bildgeschichte, Humboldt-Universität Berlin
2016/17 Studienaufenthalt Université Toulouse-II-Jean-Jaurès
Mutterinstitut:
HU Berlin
Forschung
Forschungsthemen
Kommunikationsgeschichte, Wissensgeschichte, Politische Ideengeschichte
Forschungsprojekt
Das französische Königreich erlebte im frühen 17. Jahrhundert einen bis dato ungekannten Aufschwung der politischen Flugschriftenproduktion. Der Pariser Gelehrte und Bibliothekar Gabriel Naudé (1600–1653) warnte eindringlich vor den daraus resultierenden Gefahren für die königliche Autorität und befasste sich in mehrfacher Hinsicht intensiv mit der Kommunikationsform: als königstreuer Pamphletist, als Bibliothekar und Schriftensammler und als machiavellistischer Machttheoretiker, der in der flugpublizistischen Täuschung der Massen ein wesentliches Herrschaftsinstrument sah.
Das Dissertationsprojekt untersucht Naudés Auseinandersetzung mit der zeitgenössischen Flugpublizistik in drei Dimensionen: (1) seine eigene Publikationstätigkeit, (2) seine epistemischen Praktiken als gelehrter Schriftensammler und (3) seine politisch-philosophischen Überlegungen zum Manipulationspotenzial der libelles. Im ersten Teil wird untersucht, wie sich Naudé zeittypischer Publikationsstrategien bedient, um sich mit polemischen Flugschriften auf die Seite der königlichen Macht zu schlagen oder eine gelehrte Kontroverse vor breitem Publikum auszutragen. Der zweite Teil fragt nach der Bedeutung der Flugpublizistik in Naudés Sammeltätigkeit, seinen bibliothekarischen Ordnungsbemühungen und seinen Versuchen, mysteriöse arkanpolitische und natürliche Phänomene aus der Distanz zu deuten. Der dritte Teil beleuchtet die zentrale Rolle des Pöbels und seiner flugpublizistisch manipulierbaren Gefühlswelt in Naudés politischem Denken.
Aus diesen drei Blickwinkeln soll Gabriel Naudé als eine besonders aufschlussreiche Figur der Kommunikations-, Wissens- und politischen Ideengeschichte des 17. Jahrhunderts analysiert werden. An ihm wird ein Zusammenspiel zwischen gelehrter Medienreflexion und politischer Flugpublizistik sichtbar, das wesentliche Einsichten in die französische Flugschriftenkultur unter Ludwig XIII bietet.
Titel der Dissertation:
Flugschriften in Gabriel Naudés Publizistik, Gelehrtenpraxis und politischer Philosophie / Les libelles dans les stratégies de publication, les pratiques épistémiques et la pensée politique de Gabriel Naudé
Betreuer*in
Prof. Dr. Marie Guthmüller, Prof. Dr. Ethel Matala de Mazza
Publikationen
Herausgeberschaft
Small Forms in Circulation: Infrastructures, Practices, Publics, De Gruyter, Co-Herausgeberschaft [in Vorbereitung].
Aufsätze
“Introduction”, in: Small Forms in Circulation: Infrastructures, Practices, Publics, De Gruyter, mit Claas Oberstadt u. Gesche Beyer [in Vorbereitung].
„Flugschrift“, in: Abécédaire der kleinen Formen, De Gruyter [in Vorbereitung].
„Psychopathologie de la rebellion. L’opinion comme déclencheuse de « séditions » spirituelles et politiques chez Pierre Charron“, in: Les Nouvelles Humanités médicales, hg. v. Frédéric-Gaël Theuriau, Antibes, Éditions Nicole Vaillant, 2025, S. 142-147
Rezensionen
Roman Widder, Pöbel, Poet und Publikum, Figuren arbeitender Armut in der Frühen Neuzeit, in: Zeitschrift für Germanistik 34/3 (2024), S. 697-700.