Rafaëlle Hassine

Rafaëlle Hassine

Promotionsstipendiatinnen

Forschungsschwerpunkt:

Zirkulationen und sozio-politische Räume

Disziplin

Anthropologie, Soziologie

E-Mail

rafaelle.hassine@cmb.hu-berlin.de

Mutterinstitut:

Ecole des Hautes Études en Sciences Sociales

Forschung

Forschungsthemen

Seit dem Ende der 1990er Jahre hat der Markt für zeitgenössische Kunst eine bemerkenswerte Entwicklung erfahren – sowohl hinsichtlich seiner geografischen Ausdehnung als auch seines Transaktionsvolumens. Dieses Wachstum ging mit einer Oligopolisierung des Sektors einher: Eine kleine Zahl von Unternehmen (Galerien und Auktionshäuser), die über Niederlassungen in Europa, den Vereinigten Staaten und Asien verfügen, dominiert heute diesen Handel.

Die ethnografische Untersuchung, die den Kern dieser Dissertation bildet, ist in den Produktions- und Zirkulationsnetzwerken zeitgenössischer Kunstwerke angesiedelt, die von den Unternehmen dieses Oligopols gefördert und vermarktet werden. Die zwischen 2020 und 2024 durchgeführte Forschung stützt sich auf fünfzehn Monate teilnehmender Beobachtung, rund einhundert leitfadengestützte Interviews, qualitative und quantitative Analysen privater Archive sowie auf die Auswertung von Presseartikeln und Veröffentlichungen in sozialen Medien. Sie rekonstruiert den Weg der Kunstwerke von ihrer Entstehung bis zu ihrer Veräußerung auf dem Primärmarkt, auf dem sie erstmals – häufig über Galerien – an Privatpersonen, Unternehmen oder Institutionen (Museen und Stiftungen) verkauft werden. Die Akteure dieses Marktes streben nicht nur danach, die Werke zu verkaufen, die zugleich als Finanzanlagen betrachtet werden, sondern auch den Ruf und die Bekanntheit ihrer Urheber aufzubauen.

Anhand einer multisituierten Ethnografie der Arbeit der in diesen Netzwerken tätigen Fachkräfte (Künstlerinnen und Künstler, Arbeiterinnen und Arbeiter, Kunsthandwerkerinnen und Kunsthandwerker, Designerinnen und Designer, Studiomanagerinnen und -manager, Analystinnen und Analysten, Logistikverantwortliche, Kommunikationsfachleute, technische Leiterinnen und Leiter, Verkäuferinnen und Verkäufer usw.) greift die Dissertation die Frage nach dem Wert von Kunstwerken in neuer Weise auf. Der Wert von Kunst wurde in der politischen Ökonomie und der Soziologie häufig als Ausnahmephänomen verstanden, das von der Kontingenz von Reputationen, Zufällen oder den Vorlieben der Käufer abhängt. Die vorliegende Dissertation bricht mit einem Wertverständnis, nach dem sich der Wert erst in der Transaktion offenbart und dabei die Signale der Anerkennungsinstanzen (Museen, Fachkolleginnen und -kollegen, Kunstkritik usw.) widerspiegelt und verstärkt. Stattdessen schlägt sie vor, die Wertschöpfung bzw. Wertbildung zeitgenössischer Kunstwerke auf dem Primärmarkt als Ergebnis kollektiver Arbeit, situierter Praktiken und hierarchisch strukturierter professioneller Wissensbestände zu analysieren, die entlang einer transnationalen Produktions- und Zirkulationskette verteilt sind.

Titel der Dissertation:

Die Handwerker des Werts. Eine Anthropologie des transnationalen Primärmarkts für zeitgenössische Kunst.

Institution der Dissertation:

EHESS

Betreuer*in

Betreuer Brigitte Derlon et Laurent Berger