Dr. Sophie Lambroschini
VITA
Sophie Lambroschini ist Wissenschaftlerin am CERCEC-EHESS.
An der Schnittstelle von Geschichtswissenschaft und Soziologie untersucht sie kritische Infrastrukturen im Krieg – vom Kalten Krieg bis zum russischen Krieg gegen die Ukraine. Auf der Grundlage langfristiger ethnografischer Feldforschung analysiert sie, wie grundlegende Wasser-, Energie- und Verkehrssysteme unter Kriegsbedingungen funktionieren und wie sich die Beziehungen zwischen öffentlichen Versorgungsbetrieben, Nutzerinnen und Nutzern sowie dem Staat in sicherheitspolitisch sensiblen Kontexten verändern. Im Rahmen des ANR-geförderten Projekts ExilEst erforscht sie zudem die Mobilität von Ukrainerinnen und Ukrainern zwischen den russisch besetzten Gebieten der Ukraine und Europa. Eine überarbeitete Neuauflage ihres Buches Ukrainiens (Ateliers Henry Dougier) erschien 2022.
Zusammenarbeit mit dem Centre Marc Bloch
Während ihres ersten Aufenthalts am Centre Marc Bloch schloss sie ihre Dissertation über das transnationale sowjetische Finanzsystem ab, die sie 2018 an der Universität Paris-Nanterre verteidigte: On the Cold War’s Financial Frontline: Soviet Capitalist Bankers from 1971 Onward—Trajectories, Practices, and Post-Soviet Conversion. Von 2021 bis 2024 leitete sie am Centre Marc Bloch das von ANR und DFG geförderte Projekt LimSpaces. Das in Kooperation mit dem ZOiS in Berlin und der Forschungseinheit Géographie-cités in Paris durchgeführte Projekt untersuchte die alltäglichen Strategien, mit denen Menschen in der Ukraine und der Republik Moldau auf Krieg und geopolitische Konflikte reagieren.
Ab 2027 wird sie mit einem DFG-geförderten Eigene-Stelle-Projekt an das Centre Marc Bloch zurückkehren.
Mutterinstitut:
Université Paris Nanterre
Forschung
Forschungsthemen
Themen: Ukraine und Russland 20.-21 Jahrhundert;
Osteuropa / transnationale Wirtschaftskultur und Wirtschaftsgeschichte;
Infrastruktur;
Wasser;
Energie;
Konflikt Dynamiken
Forschungsprojekt
Das Projekt ist Teil der DFG-Forschungsgruppe „Energien der Vernetzung. Akteure, Räume und Narrative in Osteuropa“, das am Osteuropa-Institut der Freien Universität Berlin angesiedelt ist:
Wasserkraft als Prisma der Transformation der ukrainischen Gesellschaft im Krieg seit 2014
Das Projekt untersucht den Wandel der Ukraine im Krieg aus der Perspektive der Wasserkraft. Diese wird als Wasser-Energie-Nexus verstanden, der Flusseinzugsgebiete und Wasserläufe mit Stromerzeugung, Bewässerung, städtischer Wasserversorgung, Industrie und alltäglichem Überleben verbindet. Gefragt wird, wie diese Systeme unter Bedingungen von Krieg, Knappheit und Umweltzerstörung funktionsfähig gehalten werden und wie die damit verbundenen Praktiken die Gesellschaft verändern. Anstatt Wasserkraft als rein technischen Sektor zu betrachten, untersucht das Projekt die menschlichen und materiellen Gefüge, durch die Infrastrukturen instand gehalten und modernisiert werden. Auf diese Weise geht es der Frage nach, was Energie- und Wassersicherheit in der Praxis bedeuten.
Aus einer situierten und multiskalaren Perspektive zeichnet die Studie die Tätigkeiten und Interaktionen von Reparaturkräften, Ingenieurinnen und Ingenieuren, Verantwortlichen öffentlicher Versorgungsbetriebe, lokalen Behörden, Umweltorganisationen, staatlichen Institutionen und internationalen Gebern nach.
Das Projekt verortet die Wasserkraftsysteme der Ukraine damit sowohl in ihren jeweiligen lokalen Kontexten als auch innerhalb weiter gefasster transnationaler Zusammenhänge. Es analysiert, wie die ukrainischen Wasser-Energie-Systeme durch den Krieg neu konfiguriert und in ukrainische, europäische und schwarzmeerregionale politische, ökologische und infrastrukturelle Räume eingebunden werden.
Titel der Dissertation:
On the Cold War's Financial Frontline Soviet capitalist bankers from 1971 onward: trajectories, practices, and post-Soviet conversion.; On the Cold War’s financial frontline: Soviet capitalist bankers from 1973 onward: trajectories, practices and Post-Soviet conversion. [ février 2018, Université Paris Nanterre] Die Dissertation untersucht die Erfahrungen sowjetischer Banker auf den kapitalistischen Finanzmärkten der im Westen ansässigen Tochterbanken der Außenhandelsbank der UdSSR sowie die Bedeutung dieser systemübergreifenden Interaktionen im Kontext der Perestroika-Reformen und des Zerfalls der Planwirtschaft. Im Mittelpunkt steht unter anderem die Frage, wie sich die Beziehungen zwischen der politischen Führung in Moskau – insbesondere dem Politbüro und dem Zentralkomitee –, den staatlichen Verwaltungs- und Planungsinstitutionen wie Gosplan und der Staatsbank einerseits und den sowjetischen Bankern in Paris, London und Zürich andererseits gestalteten und im Laufe der Zeit veränderten. Die Forschung trägt vor allem dazu bei, den Austritt aus dem Kommunismus als einen ungleichzeitigen Prozess zu analysieren, der sich auf verschiedenen Ebenen und mit unterschiedlichen Temporalitäten vollzog. Darüber hinaus zeigt sie, dass die sowjetische Wirtschaft und die transnationalen Eliten der Sowjetunion stärker in globale Zusammenhänge eingebunden waren, als es das monolithische Narrativ einer „geteilten Welt“ nahelegt. Ein Teil der Forschungsergebnisse erschienen in : Lambroschini, S. (2024) ‘Technocrats of Continuity: Soviet International Bankers and the Persistence of the State, 1988–2011’, Europe-Asia Studies, 76(1), pp. 72–91. doi: 10.1080/09668136.2023.2298316. Lambroschini, S. (2023) ‘Deviant and patriotic: Rogue Soviet international banking practices and the blurred boundaries of corporate norms. The collapse of the Soviet Bank in Zurich, 1982-1986’, Cahiers du monde russe , 64/1 | 2023, mis en ligne le 01 janvier 2026. https://doi.org/10.4000/monderusse.13961
Institution der Dissertation:
Université Paris Nanterre
Betreuer*in
Pr. Jean-Robert Raviot
Publikationen
Buch :
Lambroschini, S. (2022/2014). Ukrainiens : Lignes de vie d’un peuple. Paris : Ateliers Henry Dougier
Artikel in begutachteten Fachzeitschriften :
Daucé, F. et Lambroschini, S. (2025). « Introduction », dans Fabriquer les années 1990. Les cultures matérielles des sociétés ex-soviétiques, Revue d’études comparatives Est-Ouest, vol. 56, no 1.
Lambroschini, S. (2024) ‘Technocrats of Continuity: Soviet International Bankers and the Persistence of the State, 1988–2011’, Europe-Asia Studies, 76(1), pp. 72–91. doi: 10.1080/09668136.2023.2298316.
Cadiot, J., Lambroschini, S. and O’Donnell, A. (2023) ‘Economic histories of the Soviet Union: Introduction’, Cahiers du monde russe, 64, 23-34. https://doi.org/10.4000/monderusse.13921
Lambroschini, S. (2023) ‘Deviant and patriotic: Rogue Soviet international banking practices and the blurred boundaries of corporate norms. The collapse of the Soviet Bank in Zurich, 1982-1986’, Cahiers du monde russe , 64/1 | 2023, mis en ligne le 01 janvier 2026. https://doi.org/10.4000/monderusse.13961
Eckert, D. et Lambroschini, S. (2017). « La ligne de démarcation entre séparatistes du Donbass et reste de l’Ukraine ». M@ppemonde. http://mappemonde.mgm.fr/119lieu1/.
Lambroschini, S. (2008) ‘Genèse, apogée et métamorphoses du présidentialisme clientéliste en Ukraine’, Revue d’études comparatives Est-Ouest 39 (2): 117–48.http://www.persee.fr/issue/receo_0338-0599_2008_num_39_2.
Mitherausgabe von Themenheften in begutachteten Fachzeitschriften:
Daucé F. et Lambroschini S., eds. (2025). Fabriquer les années 1990. Les cultures matérielles des sociétés ex-soviétiques. RECEO, vol. 56/1.
Cadiot, J., Lambroschini, S. and O’Donnell, A. (2023) ‘Economic histories of the Soviet Union: Introduction’, Cahiers du monde russe, 64, 23-34. https://doi.org/10.4000/monderusse.13921
Weitere Publikationen:
Lambroschini, S. (2026) “The Invisible Commutes Connecting Occupied Ukraine to the Outside World.” Zentrum für Osteuropa-und internationale Studien (ZoiS). September 2, 2026, 15/2026. https://www.zois-berlin.de/en/publications/zois-spotlight/the-invisible-commutes-connecting-occupied-ukraine-to-the-outside-world.
Lambroschini, S. (2025). What’s clean water? Human knowledge, hardware and roses. Re/visions, Lviv Centre of urban history, June.
Lambroschini, S. (2025): Water in the War in Ukraine: Between Mobilization and Collapse. Books & Ideas, 11.02.2025.
Lambroschini, S. (2024) ‘La mobilisation de l’eau en Ukraine’, La Vie des idées, 14.05.2024.
Lambroschini, S. (2023) ‘Une société ukrainienne forgée dans l’adversité’, Ukraine entre Est et Ouest, Coll. Questions internationales, La documentation française, CNRS, 19.04.2023
Lambroschini, S. (2022) ‘How Do Ukrainian Networks Resist? Sources and Limits of Critical Infrastructure Resilience’, PONAR policy memos, IERES, George Washington University. 12.12.2022. https://www.ponarseurasia.org/how-do-ukrainian-networks-resist-sources-and-limits-of-critical-infrastructure-resilience/
Lambroschini, S. (2022) ‘Les services publics ukrainiens face à l’hiver : pistes pour une reconstruction future’ AOC media – Analyse Opinion Critique, 12.12. 2022. https://aoc.media/analyse/2022/12/12/les-services-publics-ukrainiens-face-a-lhiver-pistes-pour-une-reconstruction-future/.
Lambroschini, S. (2022) ‘Infrastructure Citizenship: An Expression of Ukrainian Sovereignty in Wartime’, Focus Ukraine. Wilson Center, Kennan Institute, 07.04.2022. https://www.wilsoncenter.org/blog-post/infrastructure-citizenship-expression-ukrainian-sovereignty-wartime.
Lambroschini, S. (2022). ‘Infrastructure, Rubble, and Resistance in the Current War’, Focus Ukraine. Wilson Center, Kennan Institute, 25.03.2022 https://www.wilsoncenter.org/blog-post/infrastructure-rubble-and-resistance-current-war.
Lambroschini, S. (2021) ‘Book review : Alexandra Goujon, L’Ukraine, de l’indépendance à la guerre’, Revue d’études comparatives Est-Ouest, 2, 208-212. https://doi.org/10.3917/receo1.522.0208
Lambroschini, S. (2019) ‘Water in Conflict. Five years after the Minsk ceasefire agreements, the unresolved issue of clean water supply to civilians in Donbas. Adaptation, limitations and Outlines of Cooperation’, Civil M+, DRA- German Ministry of Foreign Affairs
Lambroschini, S. (2019) ‘Winter War in Eastern Ukraine: the Everyday Drama of Water and Infrastructure Collapse’, Kennan Institute, Wilson Centre. 7 février 2019.
Lambroschini, S. (2018). War and water in the Donbas.”. ZOIS-Spotlight 35/2018. https://en.zois- berlin.de/publications/zois- spotlight/war-and-water-in-the-donbas/.
Lambroschini, S. (2016) ‘Porochenko et les oligarques’, CERI-Alternatives Économiques, January 1, 2016: 34-35.
Lambroschini, S. (2014). ‘Civiliser l’oligarchie – Une Condition à la Stabilisation de l’Etat Ukrainien’, Note stratégique 6 IRSEM.https://www.defense.gouv.fr/content/download/257790/3126653/file/NRS%20UKRAINE.pdf 2014.
Lambroschini, S. (2011) ‘Ukraine :Russian “economic colonization”, Myth or Threat?’, N11/2011. Lettre de la Fondation Robert Schuman. https://www.robert-schuman.eu/fr/questions-d-europe/0217-l-ukraine-en-proie-a-la- colonisation- economique-russe
Lambroschini, S. (2005) ‘L’Ukraine un an après La Révolution orange : quels enjeux pour les législatives de mars 2006’, Lettre de la Fondation Robert Schuman, 1-12.
Beiträge in Sammelbänden :
Lambroschini, S. (2018) ‘Ukraine : entre deux feux. Le poids d’un conflit toujours ouvert’, Annuaire Ramses. IFRI.
Lambroschini, S. and Raviot (2016) ‘Post-Empire. La Russie Au Miroir de Son Voisinage’, Russie: Une Nouvelle Guerre Froide?, Paris: La Documentation française.
Lambroschini, S. (2015). ‘La genèse du “bankir” : la valorisation de l’expérience du capitalisme au sein de l’élite soviétique (1973–1991)’, in B. Zielinski and J.-R. Raviot (eds), Les élites en question : trajectoires, réseaux et enjeux de gouvernance — France, UE, Russie. Bern: Peter Lang.
Lambroschini, S. (2013) ‘Bank dlya vnesshney torgovli SSSR/Vnesshekonombank. Vzglyad iz-za granitsy’, in: Krotov N. Vnesshekonombank, istoriya banka;
istoriya strany, 1961-1991 Pub. Vnesshekonombank, Moskva, 287-290
Lambroschini, S. (2011) ‘La grande famine en Ukraine : la ritualisation de la mémoire du Holodomor par le pouvoir’, Ouvrage coll. Commémorer les victimes en Europe, coll. David El Kenz et François-Xavier Nérard, Editions Champ Vallon: 2008.
Lambroschini, S. (2005) ‘L’Ukraine un an après La Révolution orange : quels enjeux pour les législatives de mars 2006’, Lettre de la Fondation Robert Schuman, 1-12.