Béatrice Hibou: The myth of reformism and the authoritarian exercice of power in Tunisia
11.03.2008
11:00
Béatrice HibouNach ihrem Studium am Institut d’Etudes Politiques (IEP) promovierte Béatrice Hibou in Volkswirtschaftslehre an der Ecole des Hautes Etudes en Sciences Sociales (EHESS). Von 1998 bis 2003 war sie Redaktionsmitglied der Zeitschrift Critique internationale und Politique africaine. Sie lehrt VWL mit Schwerpunkt auf Reformpolitik in Entwicklungsländern am IEP in Paris und ist Gründungsmitglied des Fonds für die Analyse politischer Gesellschaften (FASOPO) seit 2003. Béatrice Hibou beschäftigt sich insbesondere mit der wirtschaftlichen Liberalisierung in Nordafrika und Südeuropa (Griechenland und Portugal) sowie dem Geflecht von Staat und Wirtschaft in Afrika.PublikationHibou, Béatrice: La force de l’obéissance. Économie politique de la répression en Tunisie, La Découverte, Paris 2006.An Diktaturen werden regelmäßig die Verletzung der Menschenrechte und die fehlende politische Opposition bemängelt. Weniger beschäftigt man sich mit den internen Funktionsmechanismen des Regimes, welche die jeweilige Bevölkerung langfristig unterwerfen. Diese untersucht Béatrice Hibou anhand des Beispiels Tunesien. Dabei zeigt sie auf, wie die Modalitäten der Regierung und der konkreten Machtausübung Gehorsam und sogar Abhängigkeiten vom Regime schaffen. Die Rationalität dieser Unterwerfungsmechanismen verdeutlicht sie anhand der Funktionsmechanismen der tunesischen Wirtschaft. Der Autorin gelingt es so zu erläutern, wie die Verschuldung, das Steuersystem, Privatisierungen und die Organisation von Solidarität und staatlicher Sozialhilfe eine gegenseitige Abhängigkeitsbeziehung zwischen Herrschern und Beherrschten schaffen. Denn nicht nur Unterdrückung und Polizeikontrolle garantieren Tag für Tag die Legitimierung des Regimes, sondern auch tägliche Arrangements, Aushandlungen, kalkulierter Kleinbetrug, Kompromisse und die gegenseitige Instrumentalisierung. Weit über den tunesischen Fall hinaus macht Béatrice Hibou mit ihrer Arbeit verständlich, wie sich autoritäre Regierungen an der Macht halten können und veranschaulicht damit auch Mechanismen der Dominanz in vermeintlich demokratischen Staaten.Der Vortrag findet in englischer Sprache statt.