Camille Richert – „D’une époque épique à une époque opaque : les esthétiques du travail dans l’art contemporain, ou la différence d’un degré“

19.11.2021
14:00

Seminar der Arbeitsgruppe für Kunst und Forschung Camille Richert, assoziierte Forscherin, CHSP, Sciences Po, Doktorin in zeitgenössischer Kunstgeschichte und Absolventin der École normale supérieure de Lyon, wird vorstellen: „D’une époque épique à une époque opaque : les esthétiques du travail dans l’art contemporain, ou la différence d’un degré“ „Die Betrachtung der Darstellungen von Arbeit in der zeitgenössischen westlichen Kunst offenbart ein einzigartiges Phänomen: Die Berücksichtigung des sozialen Raums im Raum der Darstellung verwendet bestimmte Ästhetiken, denen gemeinsam ist, dass sie eine Differenz von einem Grad zur Realität geschaffen haben [Pollock 1988/2003]. Nach dem nordamerikanischen und westeuropäischen fotografischen Humanismus, der die Lebensbedingungen der Arbeiterschaft der Zweiten Industriellen Revolution ebenso dokumentierte wie beklagte [Sontag 1978], nach dem mechanophilen Enthusiasmus, der den Impressionisten, Futuristen und den westlichen sozialistischen Realisten gemein war, änderte sich das Register der Darstellung von Körpern bei der Arbeit ab Ende der 1950er Jahre. Der „Fortschritt“ der Industriegesellschaften wurde nicht mehr für seine Arbeitsleistungen gepriesen und auch nicht mehr für seine schädlichen Auswirkungen auf die Arbeitenden beklagt, er wurde das Thema einer Persiflage. Die einst gefeierten Metonymien des arbeitenden Körpers, die Maschinen, wurden entweiht (Pop Art) oder man rückte ihnen zu Leibe (Neuer Realismus): Die Werkzeuge der modernen Welt und die Produkte der Arbeit waren zu Konsumgütern geworden, die dafür vorgesehen waren, sich sogleich in Abfall zu verwandeln. In ebenjener Zeit reagierten die Künstler in Nordamerika auf einen Wandel in der Wirtschaft, der bald auch in Europa Einzug halten sollte: die Entwicklung von Dienstleistungen und die Entmaterialisierung der Arbeit [Molesworth 2003]. In der Zeit zwischen den späten 1960ern bis zum Ende der 1990er begannen die Künstler, Arbeit nachzuäffen. Die Ästhetik des Motors [Rabinbach 1992], der Verwaltung [Buchloh 1990] oder der Stille [Sontag 1967] wurde von diesen Künstlern benutzt, um ihre widerstrebigen Gefühle gegenüber den Arbeitswelten zu signalisieren: Welten, die so absurd geworden waren, dass sie nur noch durch Parodie und Spott zu begreifen waren.“