„Die Deutschen nach Deutschland, die Russen nach Russland, die Juden in den Bug.“ Von Grenzen und Zugehörigkeiten in Zeiten des Hitler-Stalin-Pakts
24.04.2018
18:00
Nachdem die Armeen Hitlers und Stalins im September 1939 Polen besetzt hatten, begannen beide Diktaturen ihre ideologischen Bevölkerungskonzepte zu realisieren. Auf der Grundlage des Grenz- und Freundschaftsvertrages zwischen Moskau und Berlin bestimmte eine gemeinsame Regierungskommission über Zugehörigkeit oder Ausschluss tausender Menschen. Der so genannte Bevölkerungsaustausch, legale und illegale Grenzübertritte sowie eine immense Flüchtlingswelle mündeten innerhalb kurzer Zeit in einem Chaos, das den Ordnungswillen der Diktaturen im Frühjahr 1940 ad absurdum führte. Der Vortrag thematisiert diese, in ihrer deutsch-sowjetischen Wechselbeziehung bisher völlig vernachlässigte Geschichte einer gewaltsamen Zugehörigkeitspolitik inklusive ihrer verheerenden Dynamik. Kommentar: Dr. Jakob Zollmann (WZB) Referentin: Prof. Dr. Claudia Weber (Université Viadrina) Claudia Weber ist seit 2014 Professorin für Europäische Zeitgeschichte an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder. Sie studierte Ost- und Südosteuropäische Geschichte, Politikwissenschaften und Südslawistik an der Universität Leipzig, der OHIO University, Athens (OH), der Kliment-Ochridski Universität Sofia und dem Alexander-Puschkin Institut in Moskau. 2013 promovierte sie zum Thema Nationsbildung und Erinnerungskultur auf dem Balkan und befasst sich seither vor allem mit der Gewalt- und Kriegsgeschichte des 20. Jahrhunderts. 2015 erschien das zweite Buch zur Geschichte der Massenerschießungen von Katyń und dem Umgang mit den Kriegsverbrechen Stalins im Verlag Hamburger Edition. Gegenwärtig schreibt sie an einem Buch über die deutsch-sowjetische Zusammenarbeit während des Hitler-Stalin-Paktes und leitet das Viadrina-Forschungsprojekt „Ambivalenzen der Europäisierung“. Sie ist seit 2015 Vizepräsidentin für Forschung, wissenschaftlichen Nachwuchs und Gleichstellung und Leiterin des Viadrina-Forschungscenters „B/Orders in Motion“.