Dr. Irene Berkel: „Mißbrauch als Phantasma. Zur Krise der Genealogie“

18.12.2006
11:00

Buchpräsentation durch den Autor: ‚Mißbrauch als Phantasma. Zur Krise der Genealogie’Nach der Präsentation findet eine Diskussion statt, die Jean Clam als Diskutant eröffnetZu Buch und Autor:Dr. Irene Berkel Mißbrauch als Phantasma. Zur Krise der GenealogieSeit mehr als dreißig Jahren steht sexueller Missbrauch im Brennpunkt der öffentlichen Aufmerksamkeit. In den Medien, in Film, Literatur und Kunst ist er mittlerweile zu einem Topos avanciert. Welches Bild von Familie wird auf diese Weise vermittelt? Was bewegt eine Gesellschaft, deren Generationenverhältnis in gravierender Weise kompromittiert erscheint? Die vorliegende Untersuchung beleuchtet den öffentlichen Diskurs über sexuellen Missbrauch als modernes Faszinationsphänomen und Symptom eines tiefgreifenden Wandels. Das Phänomen wird zum einen im Kontext der gesellschaftlichen Entwicklungen (Einsatz der Neuen Medien, Bio- und Reproduktionstechnologien u. a. ) untersucht. Zum anderen werden die psychoanalytischen Theorien zum Verhältnis von Subjekt und Genealogie, zu den psychosexuellen Voraussetzungen für ein gelingendes Generationenverhältnis als Fundament unserer Gesellschaft befragt. Das Scheitern der genealogischen Position, einer stabilen Verinnerlichung des Inzestverbots, wird anhand psychoanalytischer Fallgeschichten aber auch anhand filmischer und literarischer Stoffe analysiert.Abschließend widmet sich die Arbeit den religiösen Grundlagen der abendländischen Kultur, der Konzeption von Genealogie in der jüdischen und in der christlichen Lehre.ThematikenBedingungen und Motive des öffentlichen Diskurses über den sexuellen Mißbrauch Feministische Emanzipationsbewegung und die generelle Viktimisierung der Frau: von der Unterdrückung der Frau zum Mißbrauch der Töchter Die Bedeutung des Generationenunterschieds für den Einzelnen und die GesellschaftDas Inzestverbot als Annahme der genealogischen OrdnungWandel der Lebens- und Arbeitswelten und seine Folgen für die genealogische OrdnungHat das genealogische System seine Löse- und Bindemacht eingebüßt?Die Freisetzung der Sexualität aus der Einbettung in die GenerationenfolgePerversionen als Äußerungen eines Konflikts zwischen väterlicher und mütterlicher Ursprungsmacht und Scheitern der genealogischen PositionWerden zukünftig Jugendliche und Kinder das Vorbild ihrer Eltern sein?Biographische Daten (Auswahl)Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Religionswissenschaftlichen Institut der Freien Universität Berlin. Promotion bei dem Religionsphilosophen Klaus HeinrichAnschließend Lehrbeauftragte am Kulturwissenschaftlichen Institut und am Zentrum für transdisziplinäre Geschlechterstudien der Humboldt-Universität Berlin sowie der Donau-Universität Krems. Lektorin an der Universität Innsbruck. Zur Zeit Stipendiatin des Berliner Gleichstellungsprogramms. Habilitationsprojekt: Zur Neuordnung des Generationenverhältnisses im Zeitalter biotechnischer Reproduzierbarkeit.