Elsa Dorlin: Die Geburt der Rasse. Geschlechtliche und koloniale Genealogie der französischen Nation

7.05.2008
10:00

Elsa DorlinElsa Dorlin ist Dozentin an der Universität Paris 1 Panthéon-Sorbonne und forscht zu Geschlechterstudien, feministischer Philosophie und der Queer-Theorie sowie rassistischen Ideologien im Kolonialismus und Post-Kolonialismus. PublikationDorlin, Elsa: La Matrice de la race. Généalogie sexuelle et coloniale de la nation française, Paris, La Découverte, 2006. Die Geschichte der Konstruktion von „Rassen“ ist eng mit der Geschichte der geschlechtlichen Diskriminierung verbunden. Im 17. Jahrhundert wurde der weibliche Körper als kranker Körper beschrieben und rechtfertigte damit ungleiche Machtstrukturen. Diese negativen Attribute wurden – zunächst in Amerika – auf Menschen anderer „Rasse“ übertragen, Indianer wurden als weibisch, schwach und pathogen beschrieben. Am Schnittpunkt zwischen politischer Philosophie, Geschlechterstudien und Medizingeschichte untersucht Elsa Dorlin die Beziehung zwischen Geschlecht, Sexualität und Rasse und deren Bedeutung für die französische Nationsbildung. Sie zeigt, wie eine behauptete geschlechtliche Argumentation in eine rassische Argumentation überging. Im Kolonialismus fand die französische Nation ihre Verkörperung in der gesunden, mütterlichen und weißen Frau, die der degenerierten afrikanischen Sklavin gegenüberstand. So werden Geschlecht und Rasse Teil desselben Diskurses. Der Vortrag findet in französischer Sprache mit Simultanübersetzung ins Deutsche statt.