Geographien des Wissens und der Zugehörigkeit. Räume und Praktiken der europäischen vergleichenden Philologien des 19. und 20. Jahrhundert

29.05.2017
10:00

Thomas Mohnike (Chaire Marc Bloch / Uni Strasbourg)   Die Philologie war eine der Leitwissenschaften des langen 19. Jahrhunderts; insbesondere das Paradigma der vergleichenden Philologie schien neue Bahnen zu brechen: Anstatt nur « Wiedererkenntnis des vorhandenen Wissens » (Böckh) zu sein, ermöglichte der vergleichende Ansatz die Herstellung neuer historischer Fakten. Die Vergleichende Philologie war jedoch nicht nur eine historische Wissenschaft, sondern sie generierte auch ‘imaginierte Geographien’, die eine natürliche Ordnung des kulturellen Raumes zu ermöglichen versprachen und sich so mit nationalistischen Projekten verbinden konnten. Allerdings rieben sich diese tendenziell den Raum homogenisierenden Ansätze an der zumeist heterogenen, oft mehrsprachigen Lebenswelt der Akteure – etwa in Strasbourg/ Straßburg, aber auch Kiel und Kopenhagen und vielen anderen Orten. In meinem Vortrag möchte ich diesen Reibungen von lokalen Wissenspraktiken und delokalisierten Wissensansprüchen nachgehen. Im Mittelpunkt stehen europäische Philologen, die sich mit nordeuropäischen Quellen beschäftigt haben, um sie zu einer Konstruktion von nordischem oder germanischem Altertum im Dialog mit indischer und griechisch-römischer Antike zu verwenden. Der Vortrag steht im Zusammenhang mit einem Forschungsprojekt, das Thomas Mohnike mit Joachim Grade in Freiburg durchführt. Ein einführender journalistischer Text findet sich hier: http://www.usias.fr/fileadmin/upload/DUN/usias/Documents/Article_North.pdf   Kommentar:  Markus Messling (Centre Marc Bloch)