Olivier Giraud, Nikolas Tietze: Monter un projet franco-allemand de recherche interdisciplinaire : les expériences d’ ACCESS+
9.11.2021
14:00
Olivier Giraud, Nikolas Tietze (Lise-CNRS, CMB) Ein deutsch-französisches interdisziplinäres Forschungsprojekt konzipieren: Erfahrungen im Rahmen von ACCESS+ Vergleichsprojekte wie die ANR-DFG-Projekte geben Anlass, unsere Verwendung von und unser Verhältnis zu Vergleichen zu überdenken. Abgesehen von den Zwängen, die sich aus der Ausschreibung solcher Projekte ergeben, sind in unseren Augen drei komplementäre Dimensionen des Vergleichens besonders erkenntnisgewinnend. Alle drei gehen auf die Historizität der Sozialwissenschaften zurück. Alle drei stellen die Historizität der Sozialwissenschaften in den Blick und stehen zugleich in einem Spannungsverhältnis zur Theoriebildung durch den Vergleich. Erstens lädt der Abschnitt „Forschungsstand“ im Rahmen von Ausschreibungen dazu ein, Fragen und Begriffe zu formulieren, die ausgehend von der vorhandenen Literatur, ihrer Ergebnisse wie auch ihrer Unzulänglichkeiten als Reflexionsgrundlage dienen. Er stellt zum Beispiel die französisch- und deutschsprachige Literatur, aber auch „internationale“ Literatur in einen Dialog, der sich oft als produktiv erweist. Insbesondere die grenzüberschreitenden Verschiebungen bei der Formulierung von Fragen rückt den zutiefst historischen Status der Sozialwissenschaften wie auch der Theoriebildung ins Licht. Wir werden dazu einige Beispiele aus unserem AccessPlus-Projekt geben. Zweitens können in nationalen Kontexten (oder in einem anderen Maßstabskontext wie dem der Europäischen Union) historische Dynamiken zu einem vergleichbaren Thema in Beziehung zueinander gesetzt werden, wie beispielsweise die Perspektive der histoire croisée vorschlägt. Die besonderen historischen Entwicklungen Frankreichs und Deutschlands in Bezug auf Diskriminierung oder in Bezug auf die europäischen Impulse zur Gleichbehandlung nachzuvollziehen, was wir im Rahmen unseres AccessPlus-Projekts anstreben, ist hierfür ein gutes Beispiel. Drittens schließlich lädt der Vergleich im Rahmen eines Forschungsprojekts des Typs ANR-DFG dazu ein, einen „Zwischenraum“ zwischen dem Vergleich theoretischer oder analytischer Begriffe sowie Rahmen einer- und andererseits dem Vergleich historischer Situationen einzunehmen. Dank der Anwendung von analytischen Begriffen, die auf der Basis der Literatur und im Hinblick auf den Vergleich entwickelt worden sind, ist es möglich, eine weitere Vergleichsbeziehung zu konzipieren. Für die AccessPlus-Forschung hat uns der Rückgriff auf das Konzept der social citizenship in einer sehr spezifischen Definition (die im Übrigen für den Vergleich zweier internationaler Situationen mit anderen Ländern, nämlich den Niederlanden und Schweden, konzipiert wurde!) einen nützlichen Rahmen für den Vergleich zwischen Deutschland und Frankreich eröffnet. So werden Unterschiede zwischen den beiden nationalen Konfigurationen sichtbar. Diese Unterschiede könnten auf interessante soziale, politische oder auch historische Mechanismen hinweisen.