Podiumsdikussion: „Weltmusik und Musikethnologie: ein Missverständnis?
31.01.2009
11:00
Zum Abschluss des deutsch-französischen Seminars « Weltmusik, musiques du monde, world music » der Humboldt Universität / Institut für Europäische Ethnologie laden wir in Kooperation mit dem Centre Marc Bloch ein zu einer Podiumsdiskussion über das Thema Weltmusik und Musikethnologie : ein Missverständnis?Teilnehmer/innen:Frau Birgit Ellinghaus (Albakultur, Köln) Herr Christoph Borkowsky Akbar (WOMEX / Piranha, Berlin) Prof. Tiago De Oliveira Pinto (Universität Hamburg, Humboldt Universität Berlin) Prof. Raimund Vogels (Hochschule für Musik und Theater, Hannover) Prof. Denis Laborde (CNRS, Centre Marc Bloch, Berlin) Frau Talia Bachir-Loopuyt (ENS, Lyon / Institut für Europäische Ethnologie, Berlin)Sprachen: deutsch und französisch (mit Übersetzung)Einladung_rectoEinladung_verso
Programm
Weltmusik und Musikethnologie: ein Missverständnis?Spätestens seit der Erfindung der Marketingkategorie „World Music“ haben sich die beiden Wege geteilt: der Weg der Forscher einerseits, welche sich auf die Suche nach lokalen Musikkulturen begeben und darauf ein universitäres, musikethnologisches Wissen bauen; der Weg der Musikproduzenten, -verleger und anderer Akteure andererseits, welche die Verbreitung von Musikstilen auf dem globalen Markt vorantreiben. Beide Welten entwickeln sich parallel, ignorieren sich meistens gegenseitig, geraten mal in Kontroversen, mal in lokale Zusammenarbeitsprojekte. Beide sehen sich auch heute im Licht der postkolonialistischen Dekonstruktion des „Anderen“ zunehmend infrage gestellt: deutsch-musikethnologische Institute verschwinden einer nach dem anderen, und einige Kulturschaffende beginnen vom Ende der Weltmusik zu sprechen. Diese Beziehung nehmen wir als Ausgangspunkt für ein Gespräch, das die Spannung zwischen Markt, Kulturpolitik, und Wissensproduktion in der globalisierten Welt der Weltmusik hinterfragen soll. Welche sind die gemeinsamen aktuellen Themen? Was kann heute eine ethnographische Perspektive auf die Welt der World Music bringen? Wie kann man über die strukturellen, kulturpolitischen Fragen hinaus auch die konkrete Tätigkeit des Musizierens und das Engagement der Akteure in die Analyse mit einbeziehen?Birgit Ellinghaus ist Gründerin und Geschäftsführerin von Alba Kultur (Köln), Musikproduzentin (Label Heaven on Earth), Festivaldirektorin (z.B. das AvantgardeFolkClub in Yerevan/ Armenien; "creole NRW"), Koordinatorin des NRW-Weltmusiknetzwerkes "Klangkosmos". Sie hat mehrere Projekte an der Schnittstelle zwischen Forschung und Weltmusikszene initiiert wie: das interkulturelle Modellprojekt „Musik der imaginären Türkei“, einer Konzert- und Lesereise durch sechs Städte in NRW (2003, mit Dr. Martin Greve); die Podiumsdiskussion „Globale Musikkulturen NRW“, MuseumKunstPalast in Düsseldorf (2003). Sie ist aktiv als Autorin, Referentin, Jurorin für Musik- und Kunstwettbewerbe, Beraterin von Festivals, Organisationen, Kommunen und Institutionen im In- und Ausland im Bereich ethnischer Musik u.a. Seit 2005 ist sie Mentorin für International Arts Management am Columbia College Chicago/ US des Departments Arts, Entertainment, Media Management, seit 2006 Lehrbeauftragte an der Hochschule für Musik in Köln. Seit 2009 ist sie Mitglied des Beirats „Kontaktstelle Vielfalt kultureller Ausdrucksformen“ zum Fachausschuss für Kultur der Deutschen UNESCO Kommission. http://www.albakultur.de/sites/index.htm http://www.klangkosmos-nrw.de/index3.htm?env=2004131232120|20090121193657|1|1|0|1024|657|20051312230101|1ABZ|KS| Christoph Borkowsky aka "Akbar", Action-Ethnologe und AS Roma Fan, ist Präsident der Piranha Firmengruppe (Sitz in Berlin Kreuzberg), eine der führenden unabhängigen Produzenten für internationalen Musikaustausch. Von 1988 bis 2001 leitete er Berlins grosses Sommerfestival ,Heimatklänge (… vom Heimatplaneten Erde) und von 1999 bis 2006 ,WOMEX — the world music expo‘. Seit 2000 ist er Vorstand von ,Piranha Musik & IT‘ (über 100 Albenveröffentlichungen). In den Neunzigern startete er in Berlin die Festivals ‚Bands United‘, ‚Clubs United‘ und ‚Fete de la Musique‘, von 2004 bis 2007 war er Juryvorsitzender des Berliner Karneval der Kulturen, 2006 Mitgründer von ,Libero‘, des Berliner Kulturnetzwerks zur Fussball-Weltmeisterschaft. 2008 wurde ihm der "deutsche Weltmusik-Oscar" Ehren- RUTH verliehen. Er ist Aufsichtsrat des ersten deutschen Musik-Exportbüros ‚German Sounds‘, der ‚Berlin Music Commission‘ – eines lokalen Netzwerks von unabhängigen Labels, Clubs, Musikverlegern und Veranstaltern, Vorstand der ,Gesellschaft für traditionelle Musik Berlin‘ und Beirat am Musikwissenschaftlichen Seminar der Humboldt-Universität. http://www.womex.com/ http://www.piranha.de/ Prof. Tiago de Oliveira Pinto stammt aus São Paulo. Promotion 1989 in Ethnomusikologie an der Freien Universität Berlin. Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Internationalen Institut für Traditionelle Musik, Direktor des Brasilianischen Kulturinstituts in Deutschland (1996-2002) und Professor am Institut für Sozial-Anthropologie der Universidade de São Paulo seit 2001. Ab 2006 am Programm für Post-Graduate Studies desselben Instituts und seit 2006 am Musikwissenschaftlichen Institut der Universität Hamburg tätig. Feldforschungen in Brasilien, Portugal, Türkei, Südostasien und in Afrika. Über einhundert Publikationen als Bücher und Artikel in Fachzeitschriften, Sammelbänden und Katalogen. Zahlreiche Musikproduktionen (LPs, CDs), Klanginstallationen in Museen (Frankfurter Kunstverein, Carroussel du Louvre), Kurator von Ethnographie- und Kunstausstellungen (u.a. “Befreit und Selbstbewusst: der Modernismo Brasileiro“ in Hamburg und Bamberg, “Griechische Götter der Sammlung Pergamon“ in São Paulo und “Deuses Gregos & Orixás“ in Rio Janeiro). Musikfestivals und World Music Veranstaltungen: 1. WOMEX, 1994, “Heimatklänge Festival”, “Festival Traditioneller Musik”, “Encontros”, “Rumos Musicais”. Präsident der Gesellschaft für Traditionelle Musik Berlin (2000-2002) und Präsident der Brasilianischen Gesellschaft für Ethnomusikologie (2004-2006). Beraterfunktionen u.a. für Ministério da Cultura, Brasilien und Abteilung für Immaterielles Kulturerbe der Unesco. www.sonsdobrasil.org http://www.uni-hamburg.de/Musikwissenschaft/institut.html Prof. Raimund Vogels ist Musikethnologue, Professor an die Hochschule für Musik und Theater Hannover. Er studierte Musikwissenschaft in Köln, Legon (Ghana) und Berlin, wo er im Jahr 1987 mit einer Dissertation über die Frauengesänge der Dagaaba im Nordwesten Ghanas promovierte. Anschließend war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter der Musikethnologischen Abteilung des Berliner Völkerkundemuseums für knapp zwei Jahre, 1988 und 1989, in Nigeria mit dem Aufbau eines Musikarchivs für die University of Maiduguri befasst. Im Jahr 1990 begann er ein Volontariat am Linden-Museum Stuttgart, Staatliches Museum für Völkerkunde, das ihn als Referent für Öffentlichkeitsarbeit übernahm. Gleichzeitig setzt er seine Forschungen im Rahmen "Kulturentwicklung und Sprachgeschichte im Naturraum Westafrikanische Savanne" der Deutschen Forschungs-gemeinschaft an der Goethe Universität Frankfurt/Main fort. Im Jahr 1995 schließt eine fünfjährige Assistenzzeit am Musikwissenschaftlichen Institut der Universität Köln an, wo er sich über die Musik an den islamischen Herrscherhöfen im Nordosten Nigerias habilitierte. http://www.ifmpf.hmt-hannover.de/de/personen/prof-dr-raimund-vogels/ Prof. Denis Laborde studierte am Conservatoire national Supérieur de Musique (Paris) und widmete sich als Dirigent schwerpunktmäßig zeitgenössischer Musik. Im Rahmen seines anschließenden Anthropologie-Studiums an der Ecole des Hautes Etudes en sciences sociales setzte sich mit Musikethnologie westlicher Kulturen auseinander. Derzeit ist Laborde am Centre National de la Recherche Scientifique (CNRS) als Directeur de Recherche tätig und ist Mitglied der Centre Marc Bl:och (Berlin). Im Zentrum seiner Forschungen steht die Auseinandersetzung mit dem Verhältnis von Improvsiation und Perzeption bzw. mit Spannungsverhältnis verschiedenster musikalischer Stile und Materialien. Er beschäftigt sich mit Globalisierung und Weltmusik. Er ist Professor an der Ecole des Hautes Etudes en sciences Sociales (Paris). Mit Talia Bachir-Loopuyt leitet er den deutsch-französischen Seminar « Weltmusik, musiques du monde, world music » der Humboldt Universität (Institut für Europäische Ethnologie). http://www.cmb.hu-berlin.de/cmb/ http://www.ehess.fr/fr/ Talia Bachir-Loopuyt ist Doktorandin und Lehrbeauftragte (monitrice) an der EHESS Paris (Betreuer: Prof. Michael Werner) und Humboldt Universität (Betreuer: Prof. Wolfgang Kaschuba). Nach einem vollendeten Studium in Deutsch hat sie einen Master in Sozialwissenschaften (Schwerpunkt: Musik) an der EHESS Paris absolviert, über dem Thema „Türkische Musiker in Berlin“. Derzeit schreibt sie ihre Doktorarbeit über „Weltmusik und Politik in Deutschland anhand einer ethnographischen Untersuchung der Creole-Weltmusikwettbewerbe“. Daneben lehrt sie als „monitrice“ an der EHESS Paris (Fach: Musik und Anthropologie), an der Ecole-Normale Supérieure in Lyon (Musikethnologie und Deutsch) und an der Humboldt Universität (Europäische Ethnologie).