Prof. Sergio Costa: „Demokratietheorie und Differenz: kulturwissenschaftliche Defizite“ – Prof. Hubert Knoblauch: „Soziologie der Spiritualität“
26.10.2007
10:00
Cycle of Conferences: The Pluralism Issue in the Human and Social SciencesHubert Knoblauch: "Soziologie der Spiritualität"Spiritualität ist nicht nur eine neue Bezeichnung für religiöse Phänomene, sondern bedeutet auch eine Verlagerung des Religiösen ins Subjektive. Um diese Verlagerung zu erfassen, ist ein Begriff des Religiösen nötig, der subjektiven Erfahrungen Rechnung trägt. Im Vortrag soll ein solcher Begriff skizziert werden, der auf neueren Entwicklungen innerhalb der phänomenologisch orientierten Soziologie beruht. Die Fruchtbarkeit des Begriffes soll durch den Vergleich weltweit wachsender religiöser Bewegungen und den vermeintlich besonders säkularisierten Verhältnissen aufgezeigt werden. In beiden spielen u.a. religiöse Erfahrungen eine besondere Rolle. Auf dieser Grundlage soll ein soziologischer Begriff der Spiritualität entwickelt werden soll, der schließlich zur These führt, dass wir keineswegs eine „Resäkralisierung“ erleben, sondern eine tiefgreifende Transformation der Religion. Hubert Knoblauch. Studium der Soziologie, Philosophie und Geschichte an den Universitäten Konstanz und Brighton. Assistent an der Hochschule Sankt Gallen (1985-1987). Wissenschaftlicher Angestellter an der Universität Konstanz (1987-1990). Lehre und Forschung in Berkeley, Bern, London, Paris, Prag und Zürich. Von 2000 bis 2002 Professor für Religionssoziologie und Religionswissenschaft an der Universität Zürich. Seit 2002 Professor für Theorien moderner Gesellschaften im Fachgebiet Allgemeine Soziologie an der Technischen Universität Berlin. Ausgewählte Bücher: Religionssoziologie. Berlin (De Gruyter) 1999; Qualitative Religionsforschung. Religionsethnographie in der eigenen Gesellschaft. Paderborn: Schöningh 2003; Wissenssoziologie. Konstanz: UVK 2005Prof. Sérgio Costa: "Demokratietheorie und Differenz: kulturwissenschaftliche Defizite"In diesem exploratorischen Vortrag wird die These vertreten, dass die Demokratietheorie und die kulturwissenschaftliche Forschung gegenläufige Bewegungen gegenwärtig durchlaufen. Geht die Anerkennung demokratietheoretischer Relevanz von Kultur(en) mit der Bestimmung eines zentrierten Identitätsbegriffs einher, so nehmen die Kulturwissenschaften von klar konturierten Identitäten und Kulturen immer mehr Abstand. Vermischungsprozesse und Diffusität der Grenzen treten hier in den Vordergrund. Diese kulturwissenschaftliche Defizite gegenwärtiger Demokratietheorie sind folgerichtig: Sie führen zu Dissonanzen zwischen den rigiden Bedürfnissen, die die Demokratietheorie kulturellen Gruppen unterstellt, und ihren labilen von den Kulturwissenschaften erfassten Merkmalen. Ségio Costa ist Professor am Lehrstuhl Soziologie, Schwerpunkt Lateinamerika, an der FU Berlin