SYMPOSIUM Neue Auslegungen des Strukturalismus PODIUMSDISKUSSION Wer hat Angst vor dem Strukturalismus?
1.11.2008
11:00
Im Frankreich der 60er Jahre gewann der Strukturalismus eine unbestreitbar hegemoniale Stellung im akademischen Feld. Ausgehend von linguistischen Vorbildern ermöglichte dieses neue Paradigma den Humanwissenschaften eine Neuformierung sowie eine gefestigte Legitimität und stellte infolgedessen eine kritische Herausforderung für die Philosophie dar – durch Erfolgsbücher, akademische Zirkel und auch gegenwärtig noch reichlich erörterte Werke von Claude Lévi-Strauss, Jacques Lacan, Michel Foucault, Roland Barthes oder auch von Louis Althusser und seinen Schülern. Diese Tagung beabsichtigt, die historische sowie theoretische Forschungsfrage aufzunehmen, in welcher Weise die strukturalistischen Innovationen zur Erneuerung des französischen Denkens in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts beigetragen haben. Von wesentlicher Bedeutung sind hierbei die Kritiken und die Rezeptionen, von welchen die deutschsprachigen Länder möglicherweise profitierten, z. B. in der Linguistik, der Anthropologie oder der Psychoanalyse.Die Ambition der Tagung ist darüber hinaus gegenwartsorientiert: indem die strukturalistischen Begriffe, die zugleich für Erfolg und Diskreditierung verantwortlich sind, wieder durchdacht werden und durch das wiederholende, erinnernde Verstehen der Begründungen neuer disziplinarischer Felder, die durch den Strukturalismus und die Überwindung seiner Aporien ermöglicht wurden, soll die Aktualität der von der strukturalistischen Geistesrichtung an die Philosophie und die Humanwissenschaften gestellten Fragen untersucht und bestimmt werden.Die durch den Strukturalismus gegenwärtig hervorgerufenen Diskussionen tragen zu einem vertiefenden Verständnis dieser Denkströmung bei: in diesem Geiste stellt es das Ziel der Tagung und der Podiumsdiskussion dar, neue Lesarten jenseits der tradierten und etablierten Auslegungen des Strukturalismus zu entwickeln, um einerseits diese Lesarten dem deutschen Publikum vorzustellen und andererseits hierdurch die Reflexionen über die thematisierte Phase der Wissensgeschichte zu fördern.
Programm
Programm und Zusammenfassungen der Vorträge downloadenProgramm downloadenDokument downloaden : Deleuze : A quoi reconnaît-on le structuralisme ? 10:00- 11:00 Uhr Prof. Georg Bertram (Freie Universität Berlin) "Derridas Projekt eines konsequenten Strukturalismus" 11:00- 12:00 Uhr Dr. Jean-Claude Monod (Philosophe, Centre national de la recherche scientifique) "Phonologie, rhétorique, poétique : quel(s) modèle(s) linguistique(s) ?" ___________________ 14:00- 15:00 Uhr Dr. Dirk Quadflieg (Philosoph und Soziologe, Universität Potsdam und Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder)) "Differenz und Raum: Zur Radikalisierung der strukturalen Linguistik bei Foucault und Derrida" 15:00- 16:00 Uhr Prof. Frédéric Worms (Philosophe, Directeur du Centre international d’étude de la philosophie française contemporaine à l’Ecole Normale Supérieure de Paris) "Le problème de la structure dans le moment des années 60" 16:00- 16:30 Uhr Kaffeepause 16:30- 17:30 Uhr Dr. Mirjam Schaub (Philosoph, Freie Universität, Berlin) "Woran erkennt man den Strukturalismus? (À quoi reconnait-on le structuralisme?) – Ein Lexikonartikel von Gilles Deleuze" 17:30- 18:30 Uhr Prof. Camille Tarot (Anthropologue, Université de Caen Basse-Normandie) "Sur la genèse du structuralisme de C. Lévi-Strauss : parenté construite et généalogie historique" ___________________20:30 PODIUMSDISKUSSION: WER HAT ANGST VOR DEM STRUKTURALISMUS?Der Strukturalismus nahm vor allem in den 1960er Jahren eine herausragende Stellung in der intellektuellen Diskussion in Frankreich ein. In dieser Podiumsveranstaltung werden Soziologen, Philosophen sowie Anthropologen über Entwicklung und aktuelle Fragen berichten. Wie wurde der Strukturalismus, eine der Denkrichtungen des 20.Jhdt, damals in Deutschland aufgenommen? (Der Podiumsdiskussion geht ein eintägiger Workshop unter dem Motto: „Neue Auslegungen des Strukturalismus“ voraus.)Mit Simultanübersetzung ins DeutscheTeilnehmerCamille Tarot, Université de Caen, Laboratoire d’analyse socio-anthropologique du risque de CaenFrédéric Worms, Université Lille 3, Centre international d’étude de la philosophie française contemporaine à l’ENS (Paris)Emmanuel Désveaux, EHESS, Centre Marc BlochGeorg Bertram, Freie Universität BerlinModerationPhilippe Lacour, ULB Bruxelles, Centre Marc Bloch David Lauer, Institut für Philosophie, Freie Universität Berlin