Thick Comparison in der Gewaltforschung? Grenzen und Möglichkeiten des Vergleichs von Gewaltsituationen
9.06.2016 – 10.06.2016
10:00
Programm
Donnerstag, 9.6.2016 15:30-16:00 Einführung Begrüßung von Catherine Gousseff, Direktorin des Centre Marc Bloch (Berlin) Einleitung Katharina Schmitten (Berlin) / Janis Nalbadidacis (Berlin) 16:00-18:00 I. Zwischen Kontrastierung und Generalisierung Moderation: Katharina Schmitten (Berlin) Kommentar: Anja Johansen (Dundee) Vergleiche können sowohl dazu dienen, die jeweiligen Fälle präziser zu konturieren, als auch zu übergreifenden Erklärungen und theoretischen Modellen beitragen. Dieses Spannungsfeld zwischen Tiefenschärfe einerseits und Generalisierung andererseits muss dabei immer wieder neu austariert und die jeweiligen Prämissen begründet werden. Der Workshop lotet vor diesem Hintergrund die Möglichkeiten und Grenzen eines auf Tiefe und Spezifika abhebenden Vergleichs lokaler und regionaler Phänomene aus und fragt zugleich nach der Anschlussfähigkeit solcher Erkenntnisse. Welche Anschlussfähigkeit und Aussagekraft lassen sich gerade im Hinblick auf Vergleiche zunächst einmal lokal begrenzter Phänomene erzielen? Inwiefern lassen sich dabei disziplinär begründete unterschiedliche Herangehensweisen ausmachen? Was genau meint eigentlich dichte Beschreibung? Wann erscheint sie uns vielversprechend und wie gehen wir mit dem daraus erwachsenen Spannungsfeld von situativer Einzigartigkeit einerseits und Generalisierbarkeit andererseits um? Il-Tschung Lim (Göttingen): Vergleichbarkeit evozieren. Lyrisch-soziologisches Beschreiben in Didier Fassins Critical Moral Anthropology Timothy Williams (Marburg): Determining the Context of Genocide – on the Opportunities and Limitations of Studying Mass Violence in a Comparative Multi-Method Research Framework, Combining Qualitative Comparative Analysis and Comparative Process Tracing Kaffeepause Claire Chatelain (Lille): Scènes de la violence conjugale, élites parisiennes, fin du règne de Louis XIV Zusammenführende Diskussion des Panels 19:00-20:30 Podiumsdiskussion: Thick Comparison in der Gewaltforschung? Peter Imbusch (Wuppertal), Jörg Niewöhner (Berlin) und Felix Schnell (Essex), Moderation: Janis Nalbadidacis (Berlin); Germaine-Tillon Saal 20:30 gemeinsames Abendessen im Lungo Mare (Krausenstr. 11, 10117 Berlin) Freitag, 10.6.2016 9:00-11:30 II. Zwischen Vergleichsgeboten und -verboten Moderation: Katharina Schmitten (Berlin) Kommentar: Fabien Jobard (Berlin) Gerade das Feld der Gewaltforschung ist politisch hochbrisant. Verweise auf andere Fälle wie zum Beispiel den Holocaust folgen manches Mal nicht zuletzt auch einem aufmerksamkeitsökonomischen Kalkül. Vor dem Hintergrund vermeintlicher Relativierungen zählt insbesondere der Vergleich von nationalsozialistischen und stalinistischen Massenverbrechen zu den umstrittensten Feldern vergleichender Gewaltforschung. Mit welchen Vergleichsge- und verboten muss man sich also im Rahmen der eigenen Arbeit auseinandersetzen? Wann bezeichnen wir Handlungen als Gewalt, mit welchen Konnotationen geht dies einher? Auf welche Weise legitimieren wir Gewalt, wie gestalten sich diesbezügliche gesellschaftliche Aushandlungsprozesse? Mit welchen normativen Versprechungen laufen vergleichende Ansätze Gefahr einherzugehen? Gaëlle Chartier (Paris): S’amuser et se battre. Propositions pour une approche cognitive du passage à l’acte violent Matthias Bandtel & Hares Sarwary (Wuppertal): »Thick descriptions« mit »Comparative merit«? Potentiale und Probleme des Vergleichs von Gewaltlegitimationen Kaffeepause Nico Rohé (Bielefeld): Juxtaposer au lieu de comparer – La normativité comparative des observateurs européens dans les guerres entre puissances étrangères à la fin du XIXème siècle Zusammenführende Diskussion des Panels Pause 11:45-15:00 III. Zwischen Theorie und Empirie Moderation: Janis Nalbadidacis (Berlin) Kommentar: Michaela Christ (Flensburg) Wie viel Theorie brauchen vergleichende Lokalstudien? Inwiefern existieren bereits mehr oder weniger klar umrissene konzeptionelle Rahmungen, die sich gut für eine vergleichende Herangehensweise eignen? Verwiesen sei beispielsweise auf Deutungsansätze wie den des Gewaltraums (Baberowski/Schnell), der Gewaltsegmente (Riekenberg) und Gewaltmärkte (Elwert), die allesamt Bedingungen und Praktiken von Gewaltausübung thematisieren, bisher aber eher unverbunden nebeneinander stehen. Inwiefern stellen beispielsweise „Popular violence“ oder die systematische Betrachtung von Dritten fruchtbar gemachte Zugänge zu Gewaltsituationen dar, mit denen unterschiedliche Fälle gut vergleichend zusammengeführt werden können? Was sind die dafür bedeutsamen Parameter und auf welche Weise kann der Vergleich zu einer Reflexion und zu weiterführenden Erkenntnissen über den Horizont fundierter und lokal gebundener Einzelfallstudien anregen? Tristan Oestermann (Berlin): Das Konzessionssystem im äquatorialen Afrika: Kautschukhandel und Gewalt im Kongostaat und seinen Nachbarn Václav Šmidrkal (Prag): Popular violence and building of the state in the Czech and Austrian lands after 1918 13:00-14:00 Mittagsbuffet am Centre Marc Bloch 14:00-15:00 Roman Pauli & Hares Sarwary, (Wuppertal): Gewalt als triadisches Interaktionsverhältnis. Zum Vergleich der Rolle Dritter in unterschiedlichen Gewaltkonstellationen Zusammenführende Diskussion des Panels 15:00-15:15 Kaffeepause 15:15-16:00 Abschlussdiskussion, eingeleitet durch Teresa Koloma-Beck (Berlin), Moderation: Katharina Schmitten (Berlin) Mehr Informationen zur Podiumsdiskussion finden Sie hier: https://cmb.hu-berlin.de/kalender/termin/podiumsdiskussion-thick-comparison-in-der-gewaltforschung/