ÜBER DIE EINBEZIEHUNG. Soziale Anerkennung und Identifikation in Frankreich und in Deutschland

23.05.2007 – 25.05.2007
10:00

            Université Paris X – NanterreSOPHIAPOL Sociologie, Philosophie, Anthropologie Politiques. EA3932200 Avenue de la République92001 Nanterre cedexFranceCENTRE MARC BLOCH – Centre Franco Allemand de Recherche en Sciences SocialesSchiffbauerdamm 1910117 BerlinTel.: (+49 30) 20.93.37.95/6AllemagneMAISON HEINRICH HEINECité Internationale Universitaire de Paris27c Boulevard JourdanF – 75014 ParisFranceDeutsch-Französische HochschuleUniversité franco-allemandeVilla EuropaKohlweg 7D-66123 SaarbrückenSous le patronat de l’Ambassade de la République Fédérale de l’Allemagne Avec la participation de: Internationale Studiengruppe zur kritsichen Theorie, Institut für Sozialforschung an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main. Senckenberganlage 26D – 60325 Frankfurt am MainAllemagne

Programm

            Die soziale Einbeziehung und Ausgrenzung, zwei wichtige Problematiken der zeitgenössischen Politik in Frankreich und in Deutschland, werden von unterschiedlichen aber sich überschneidenden Perspektiven der sozialen Psychologie und Philosophie analysiert. In der Tradition der sozialen Philosophie untersucht die von Hegel inspirierte Theorie der Anerkennung die Beziehung zwischen Aufbau des Individuums einerseits und sozialer Einbeziehung und Ausgrenzung andererseits. Die Theorie der Anerkennung geht über eine auf juristisch-politische Institutionen ausgerichtete politische Philosophie hinaus, die die Gemeinsamkeiten zwischen den Individuen als Grundlage der universellen Werte und des Respekts gegenüber allen betrifft, indem sie auch die Partikularitäten, die konkreten Praktiken und Überzeugungen jedes Einzelnen betrachtet. Die Singularität jedes Individuums muss als ein zu schätzender Wert angesehen werden. Die Einbeziehung als Anerkennung unterscheidet sich dann von Formen der Assimilation oder der Toleranz, die gegenüber diesen Besonderheiten indifferent sind. Eine Politik der Anerkennung zielt darauf ab, zu gewährleisten, dass die verschiedenen Eigenschaften eines Jeden geschätzt und entwickelt werden.             In der Tradition der sozialen Psychologie werden diese Problematiken besonders durch die Theorie der Identifikation behandelt, nach der Sigmund Freud die Beziehung zwischen der individuellen Charakterbildung und der sozialen Bindungen analysiert hat. Jeder gehört mehreren sozialen Gruppen (Familie, Schule, Religion usw.) an. Durch diese Identifikation mit mehreren Modellen baut sich das Individuum eine unabhängige und einzigartige Persönlichkeit auf, die sich von allen diesen Identitäten unterscheidet. Parallel etabliert das Individuum auch Gefühlsbeziehungen zu jedem, mit dem er sich identifiziert, was das Zusammenleben ermöglicht. In diesem Fall bedeutet die Identifikation Einbeziehung. Jedoch entwickelt sich das Individuum nicht nur zur Autonomie und Integration (von sich selbst und von den anderen), sondern auch zur Anpassung an eine Gruppe und zum Ausschluss jener, die sich nicht anpassen. Das geschieht, wenn die Identifikation in nur einem Modell festgelegt wird, das für „unveränderlich“ gehalten wurde, und damit die anderen ausschließt. Die Identifikation kann dadurch die soziale Bindung sowohl fördern als auch verhindern.            Die anderen anzuerkennen oder sich mit ihnen zu identifizieren zeigen sich dann als zwei der grundlegendsten Prozesse, die sowohl die Konstruktion der individuellen Persönlichkeit als auch die soziale Einbeziehung und Ausgrenzung betreffen. Die Zielsetzung dieses Kolloquiums ist es, die Wirkungen dieser verschiedenen Traditionen der sozialen Psychologie und Philosophie in Frankreich und Deutschland zu analysieren. Dies betrifft auch die sozial-politischen Praktiken und die Analyserahmen, die diese Traditionen mit anderen theoretischen Bereichen wie Soziologie, Politologie, Rechtswissenschaft und Anthropologie verbindet.ProgrammeRésumésDiscours de Monsieur KaufmannVortrag von Herrn KaufmannDiscours de Mlle Nour