Übersetzungen von Gewalt: über Walter Benjamins „Zur Kritik der Gewalt“
12.07.2019
10:00
Organisation: Frank Müller (CMB / Freie Universität Berlin) Noa Levin (Kingston University London / ZfL) Eine Kooperationsveranstaltung zwischen dem Centre Marc Bloch (CMB) und dem Leibniz-Zentrum für Literatur- und Kulturforschung Berlin (ZfL) Anmeldung bitte bis 09. Juli 2019 an: ubersetzungenvongewalt@gmail.com Walter Benjamins kurzer Text „Zur Kritik der Gewalt“ von 1921 ist einer der wenigen Texte, in dem der Philosoph, Literaturkritiker und materialistische Theoretiker explizit zu rechtsphilosophischen Fragen Stellung nimmt. Der ausgesprochen dichte Text, in dem verschiedene Formen und Funktionen des Rechts der Gewalt sozialer Organisation konfrontiert werden, wird in der Forschung kontrovers diskutiert und hat bis in die Gegenwart die verschiedensten Interpretationen angeregt. Der Text stellt verbreitete Annahmen über das Verhältnis von Recht und Gewalt in Frage, indem er auf den Unterschied von positivem Recht und Naturrecht, auf die Formen von Streikrecht und Kriegsrecht sowie auf die Rolle von Todesstrafe, Polizei und Parlament eingeht. Er stellt damit die Frage, worin legitime Formen von Gewalt bestehen. Dieser Gehalt des Textes erscheint gerade angesichts der jüngsten gesellschaftlichen Entwicklungen, in der ein neues Verständnis von Protest und Organisation das Gewaltmonopol von Polizei und Staat herausfordern, aber auch populistische Tendenzen die formelle und universelle Geltung von Rechten angreifen, von größter Aktualität. Vor diesem Hintergrund wird im Workshop die neue französische Übersetzung von Benjamins „Zur Kritik der Gewalt“ (Benjamin, Walter: Pour une critique de la violence, trad. par Antonin Wiser. Edition Allia. Paris 2019), die im März 2019 erschienen ist, diskutiert, neben kurzen Beiträgen von jungen Forschern, die zum Thema von Walter Benjamins „Zur Kritik der Gewalt“ arbeiten
Programm
10h00-10h10 Begrüßung, Katia Genel (CMB) 10h10-10h30 Antonin Wiser (Université de Lausanne), „Übersetzungen von Gewalt“ 10h30-11h10 Diskussion 11h10-11h25 Pause 11h25-11h45 Nicos Tzanakis Papadakis (FU Berlin), „Der sachliche Widerspruch des Rechts“ 11h45-12h25 Diskussion 12h25-12h40 Pause 12h40-13h00 Tom Vandeputte (ICI Berlin), „Recht und Gerechtigkeit der Sprache“ 13h00-13h40 Diskussion 13h40-14h30 Mittagspause 14h30-14h50 Alexandra Richter (CMB), „Mythische Satzung, Gesetz und Gerechtigkeit: Niobe“ 14h50-15h30 Diskussion 15h30-15h45 Pause 15h45-16h05 Sami Khatib (Universität Lüneburg), „Entsetzung: Politik des reinen Mittels“ 16h05-16h45 Diskussion 16h45-17h00 Schlussrunde: Noa Levin (ZfL) und Frank Müller (CMB) Die Vorträge im Centre Marc Bloch werden auf Deutsch oder Französisch gehalten. Foto: Pelle De Brabander