Congrès

Straflust und Strafkulturen im Vergleich am Beispiel Deutschlands und Frankreichs

23 mai, 2017 18h00 - 20h00

Die Sozialen Bedingungen des Rechts 

Rechtssoziologische Vorlesungsreihe im Sommersemester 2017

Strafe und Kriminalität sind Aspekte kollektiven Lebens, die in allen Gesellschaften eine zentrale Rolle spielen und deren Bedeutung seit Anfang der 1980er Jahren erheblich zugenommen hat. Gleichwohl ist die Rolle der Strafe sowohl in verschiedenen Ländern, als auch in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen sehr unterschiedlich ausgeprägt. Sie wird in Medien, Politik und Bevölkerung verschieden verstanden und genutzt.
 
Fabien Jobard (Centre Marc Bloch, An-Institut der Humboldt-Universität zu Berlin) stellt in seinem Vortrag erste Ergebnisse der vergleichenden repräsentativen Studie „Strafkulturen auf dem Kontinent am Beispiel Deutschlands und Frankreichs“ vor.  

Ort: Humboldt-Universität, Juristische Fakultät, Bebelplatz 2, Seminarraum 144

VeranstalterInnen: Fabien Jobard (CMB, Politikissenschafter), Andrea Kretschmann (CMB, Soziologin und Kriminologin), Christoph Möllers (HU Berlin, Rechtswissenschaftler)

 



Organisateur:

Centre Marc Bloch, Juristische Fakultät HU Berlin


Contact:

Andrea Kretschmann


Programme:

Die Auseinandersetzung mit Recht als einem sozialen Phänomen begleiten die Rechts- und Sozialwissenschaften von Beginn an. So fragt bereits Émile Durkheim, indem er zwischen einem repressiven Recht in mechanischen und einem wiedergutmachenden Recht in organischen Gesellschaften unterscheidet, nach jeweils spezifischen rechtlichen Formen unterschiedlich verfasster Gesellschaften. Und Max Weber widmet dem Recht Aufmerksamkeit als einem durch menschliches Handeln und Deuten hervorgebrachtes soziales Produkt. Die Rolle des Rechts für moderne Gesellschaften wird dabei bis heute keineswegs einheitlich bestimmt. Auf der einen Seite verweisen Studien etwa auf Recht als herrschaftsstabilisierendes Moment: Mit Blick auf zwingende oder sich selbst reproduzierende Ansprüche rechtlicher Logiken machen sie sichtbar, wie Recht zur Bewahrung bestehender sozialer Ordnungen eingesetzt wird. Auf der anderen Seite rücken Studien Recht in seinen emanzipatorischen Formen in den Vordergrund. Sie verfolgen jene Spuren, entlang derer Recht etwa zur Setzung neuer sozialer Wirklichkeiten und zur Durchsetzung bisher nicht berücksichtigter Ansprüche eingesetzt wird, so etwa im Cause Lawyering – wobei hier die Durchlässigkeit des Rechts für Kämpfe in anderen sozialen Sphären betont wird. Die Ringvorlesung nimmt die jüngere Entwicklung dieser wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Recht in den Blick. Unter Integration soziologischer, politikwissenschaftlicher und historischer Perspektiven auf das Recht, insbesondere aus der französischsprachigen Wissenschaftstradition, fragt sie nach der gegenwärtigen und der historischen Rolle des Rechts in modernen Gesellschaften. 


Lieu:
Humboldt-Universität, Juristische Fakultät
Bebelplatz 2
Seminarraum 144