Erinnerung und Erinnerungskultur gehören seit mehreren Jahrzenten zu den zentralen Forschungsgegenständen der Geschichtswissenschaft und angrenzender Disziplinen. Vor diesem Hintergrund hat der Umgang mit kolonialen Sammlungen in europäischen Museen neue und vielfältige Fragen aufgeworfen, die sich unmittelbar in Debatten über Kulturerbe und die Nutzungen der Vergangenheit einfügen. Parallel dazu gibt es seit vielen Jahren eine intensive wissenschaftliche und gesellschaftliche Auseinandersetzung mit der (Geschichte von) Migration. Diese beiden Themenfelder werden jedoch weitgehend unabhängig voneinander verhandelt.
Dabei gehören zur Migration immer auch die Räume, die zurückgelassen werden und Erinnerungen an diese, die mitgenommen und gepflegt werden. Und vor Ort entstehen neue Nutzungen, Aneignungen, Umdeutungen. So werden heute von der deutschsprachigen Minderheit zurückgelassene Häuser im rumänischen Banat und Siebenbürgen von Menschen vor Ort erhalten und die Erinnerung an ihre Bewohner gepflegt. Erinnerungen an verlassene und längst zerstörte Häuser im Westjordanland leben in den Hausschlüsseln, die von Generation zu Generation weitergegeben werden, fort.

