Kenneth Pitarch Calero

VITA

Mutterinstitut:

Centre d'Estudis Demogràfics (Zentrum für Demographische Forschung)

Forschung

Forschungsthemen

Spanische und valencianische Migration Historische Demographie Zeitgeschichte Spaniens

Titel der Dissertation:

Valencianische Wanderung und Übertragung der Identität: Eine Soziodemographische Annäherung an Katalonien und anderen Zielen

Betreuer*in

Dr. Andreu Domingo i Valls, Dr. Amand Blanes Llorens

Organisation von Veranstaltungen

Katalonien war im Verlauf der Zeitgeschichte eine der wichtigsten Ziele der Auswanderung der Valencianischen Gemeinschaft (auch Valencianisches Land oder Region Valencia). Das war vor allem im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert. Im Jahr 1920 waren 30% aller Einwanderer aus anderen Teilen Spaniens in Katalonien ValencianerInnen: 91.211 registrierte Menschen. Im Jahr 1930 wurde die historische Höchstmarke von 126.165 valencianischen Einwanderer erreicht. Obwohl Einwanderer aus anderen Regionen des Landes die Anzahl der ValencianerInnen überholten, hielt sich die Bevölkerunggruppe bis in die siebziger Jahre konstant. 1970 hatte Katalonien 109.636 registrierte ValencianerInnen. Derzeit ist die Bevölkerung der Valencianischen Gemeinschaft in Katalonien auf Grund der Sterberate fast um die Hälfte auf 61.769 registrierte Menschen gesunken. Trotzdem hat die Ankunft neuer Wanderungsströme das demografische Profil der ValencianerInnen in Katalonien verjüngt und hervorgehoben, das allerdings im Vergleich mit anderen Einwanderern sehr ungewöhnlich ist. Die unstetigen Bewegungen der valencianischen Bevölkerung nach Katalonien waren praktisch nicht sichtbar und wurden sogar vergessen. Auf diese Weise fanden wir, dass, obwohl wir einen Ansatz zur Einwanderung in den ersten drei Vierteln des 20. Jahrhunderts zwischen Valencia und Katalonien und umgekehrt hatten (Arango 1976;

Vidal und Recaño, 1996), ihre Nachkommen und die neuesten Wanderungsbewegungen nicht analysiert wurden. Die valencianische Bevölkerung in Katalonien gilt nicht als vorrangiges Ziel der Studie der Wanderung am Anfang des 20. Jahrhunderts in Katalonien. Ziel der Studien waren jedoch, die Einwanderung verschiedener Bevölkerungsgruppen im Hinblick auf z. B. ihrer territorialen Verteilung (López Gay, 2008;

Oyon et al., 2001;

Recaño, 2006) und dem Bildungs- (Recaño und Roig, 2003) oder Berufsprofil (Silvestre et al., 2015) zu vergleichen. Diese Nichtbeachtung könnte durch eine schnelle Integration (unter anderem wegen einer gemeinsamen Sprache), die Zeit zwischen der Ankunft der ersten Einwanderer im frühen 20. Jahrhundert, die Zunahme anderer Bevölkerungsgruppen des Staates oder das Zusammenfallen mit dem Boom der internationalen Wanderung im neuen Jahrtausend erklärt werden. Die Wahrheit ist, dass die Geschichte der valencianischen Einwanderung in Katalonien, ihre geographische Verteilung und das Schicksal dieser Menschen und deren Nachkommen fast unbekannt ist. Aus der valencianischen Sicht wurde dieses Phänomen auch nicht sehr verbreitet. Im 20. Jahrhundert hat sich die Valencianische Gemeinschaft als ein gemischtes System bezüglich der Wanderung gestaltet (Domingo et al., 2012). Traditionell wanderte die Bevölkerung in erster Linie nach Katalonien, was permanent aber auch sasional passierte. Aber es gab auch starke Auswanderungsströme Richtung Frankreich, Nordafrika (Algerien war bis zur Unabhängigkeit im Jahr 1962 ein wichtiges Auswanderungsland) sowie Lateinamerika (Tabanera García, 2003;

Pinotti und Cruz Baldrich Orozco, 1992). Doch ab den Sechzigerjahren internasionalisiert die valencianische Wanderung ihre Dimension mit neuen Ländern wie Deutschland und der Schweiz und sie verzichtet auf ehemalige Ziele wie Nordafrika und Lateinamerika. Ferner wird die Valencianische Gemeinschaft zu einem Empfangsbereich für Wirtschaftseinwanderer aus dem restlichen Spanien, vor allem aus den Grenzregionen von Aragón, Castilla la Mancha, Murcia und Andalusien (Piqueras und Lungu, 2007). Diese neue Einwanderungswelle, die das Wachstum der Großstadtgebiete von Valencia, Alicante, Castellón und Elche verursacht (Hermosilla, 1995), wird später durch eine beginnende internationale Einwanderung aus Nordeuropa auch forciert (Domínguez und Parreño, 2014;

Membrado, 2014), vor allem in einigen Gebieten der Provinzen Alicante, wo mehr ausländische Pensionäre und Rentner als im restlichen Spanien leben (González Reverté, 2008). Seit den Neunzigerjahren werden die nordeuropäischen Einwanderer aber durch die aus den Ländern Afrika, Osteuropa und Lateinamerika übertroffen. In diesem Moment hat sich die Aufmerksamkeit auf das Ausland sowie deren Protagonisten konzentriert (Ferrer und Urdiales, 2005;

Domingo und Vono, 2013). Im 21. Jahrhundert wird die Valencianische Gemeinschaft definitiv zu einer internationalen Einwanderungsregion. Nicht nur von außereuropäischen Arbeitnehmern, die bedingt durch die intensive Landwirtschaft sowie durch andere Sektoren wie Baugewerbe und Dienstleistungen angelockt werden, sondern auch die Bevölkerung aus den nördlichen Ländern der Europäischen Union, speziell aus Großbritannien und aus Deutschland. Das ist das Modell „New Florida“, wie einige Autoren es genannt haben (Rodríguez et al., 2001). Heutzutage dauern die Auswanderungsbewegungen der Valencianischen Gemeinschaft immer noch an, allerdings mit geringerer Bedeutung. Diese neuen Strömungen unterscheiden sich jedoch von den früheren in ihrer hohen Qualifikation und in ihrer neuen Richtung, früher war es Katalonien und jetzt eher das Ausland. Seit Ende der Neunzigerjahre, mit der Ankunft neuer Gruppen von ValencianerInnen in Katalonien, hat die Bevölkerungspyramide der ValencianerInnen in Katalonien ein bimodales Profil angenommen, das mit den letzten beiden Wellen der Wanderung (die der Sechzigerjahre und der neuesten) übereinstimmt, beide mit einem unterschiedlichen soziodemographischen Profil. Doch seit Anfang der Wirtschaftskrise hat die valencianische Wanderung ihre internationale Dimension mehr denn je verschärft. Während ValencianerInnen seit Ende des 20. Jahrhunderts und Anfang des 21. Jahrhunderts als Ziel für ihre Beschäftigungsmöglichkeiten Katalonien wählten, vor allem bezüglich der Bereiche Ausbildung und Medizin, lenken die ValencianerInnen seit dem Ausbruch der Krise ihre Schritte in Richtung Europa: 2008 war das erste Jahr, in dem die Auswanderungsbewegungen der Valencianischen Gemeinschaft –von gebürtigen ValencianerInnen– ins Ausland Katalonien übertrafen: 2.307 Bewegungen gegenüber 2.109. Heute hat sich der Abstand deutlich erhöht: Im Jahr 2013 wurden 115.271 Auswanderungsbewegungen der Valencianischen Gemeinschaft registriert, von denen 2.511 von gebürtigen ValencianerInnen nach Katalonien waren, wohingegen die Auswanderungsbewegungen von gebürtigen ValencianerInnen ins Ausland bis auf 5.871 angestiegen sind. Diese Wanderung zieht alle Blicke der nationalen Medien auf sich und es besteht die Möglichkeit, dass diese Auslandsauswanderungen mit denjenigen korrelieren, die Katalonien seit Mitte der Neunzigerjahre führen.