Benedict Vischer | Associated Researcher

Dynamics and Experiences of Globalisation
Centre Marc Bloch, Friedrichstraße 191, D-10117 Berlin
Email: vischer  ( at )  cmb.hu-berlin.de Tel: +49(0) 30 / 20 93 70700

Position : Wissenschaftlicher Mitarbeiter (Doktorand) | Disciplines : Law , Philosophy |

Biography

Benedict Vischer ist wissenschaftlicher Mitarbeiter und Doktorand am Centre Marc Bloch sowie am Max-Planck-Institut für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht. Er ist ausserdem Mitglied des Exzellenzclusters "Die Herausbildung normativer Ordnungen" der Goethe-Universität Frankfurt am Main und assoziierter Forscher am Law & Society Institute der Humboldt-Universität zu Berlin. Er studierte Philosophie, Theologie und Rechtswissenschaft in Basel, Berlin, St. Gallen, Zürich und an der Yale Law School.

Benedict Vischers Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der Rechts- und Sozialphilosophie, des internationalen Rechts und des vergleichenden Verfassungsrechts. Ein besonderes Interesse gilt dabei kritischen Theorietraditionen deutscher und französischer Provenienz.

Die Fremdheit des Rechts. Sprengkraft und Exklusionsgewalt der Rechtssemantik unter den Bedingungen der Globalisierung

Der Semantik des Rechts eignet ein prononcierter Zug der Fremdheit: Sie lebt vom Anspruch auf einen Standpunkt der Allgemeinheit und Gerechtigkeit, der das Verfügen menschlicher Willkür überschreitet. Es bildet einen festen Bestandteil rechtlicher Praxis, dieses Transzendenzmoment – etwa in Präambeln, dem Bau von Gerichtsgebäuden und der Dramaturgie von Verfahren – zu vergegenwärtigen. Der verheißungsvolle Transzendenzanspruch stiftet den Horizont, in dem Rechtsnormen ihren widerständigen Sinn gegen unmittelbares Handeln gewinnen. Die konstitutive Fremdheit, die die Rechtssemantik darin gewinnt, ist ein schillerndes Phänomen. Einerseits kann sie eine Dynamik emanzipatorischer Überschreitung bestehender Verhältnisse und einen Zugang zum Ausgeschlossenen gegebener Ordnungen eröffnen. Andererseits kann sie Normen überhöhend fixieren, der Befragung entziehen und unzugänglich machen. Das Projekt untersucht das vielschichtige Motiv rechtlicher Fremdheit und erhellt das Verhältnis von emanzipatorischer Transzendenz und suppressiver Entfremdung in Auseinandersetzung.

Die Fremdheit des Rechts. Aufzeichnungen eines fragilen Versprechens

May 05, 2021

Benedict Vischer

Monographie
Wissenschaft
Edition: Velbrück
Collection: Wissenschaft
ISBN: 9783958322431

Vielfältige Modalitäten des Appells, der Unterbrechung und Transzendenz konfigurieren die Erfahrung des Rechts. Der Anspruch, das gesellschaftliche Verfügen zu überschreiten, vermittelt rechtlichen Strukturen ausgeprägte Tendenzen der Entfremdung. Doch die ärgerliche Widerständigkeit gegenüber dem unbefangenen Denken und Handeln bekundet auch beharrlich die Grenzen des herrschenden Bewusstseins und meldet dahinter die Ansprüche des Ausgeschlossenen, Übersehenen und Unvernommenen an. Durch die vermachtete Dürftigkeit gegebener Rechtsverhältnisse hindurch nährt Recht so den befreienden Sinn für das Andere. Höchst prekär, immer ungewiss, aber eben darin unauslöschlich.

In der Rekonstruktion einer unterbelichteten Linie moderner Rechtstheorie, die vom Deutschen Idealismus zum Alteritätsdenken des 20. Jahrhunderts führt, erkundet die Studie das schillernde Versprechen rechtlicher Fremdheit.


Publications

Eine Liste der Publikationen kann hier eingesehen werden.