Ciné-club

CINÉ-CLUB: À mots couverts

02. Oktober | 18:30

Zum Anlass des 30-jährigen Gedenkens an den Völkermord an den Tutsi in Ruanda lädt das Centre Marc Bloch die Anthropologin Violaine Baraduc zu einer zweifachen Präsentation ihrer Arbeit ein. Zunächst wird am 29.5.2024 im Kino Sputnik der Film À mots couverts (Shades of True) gezeigt, den sie 2014 gemeinsam mit Alexandre Westphal gedreht hat. Dann folgt am 30.5. eine Präsentation/Diskussion über ihr soeben erschienenes Buch Tout les oblige à mourir. L'infanticide génocidaire au Rwanda en 1994 (Éditions du CNRS, 2024).

Violaine Baraduc ist Doktorin der Sozialanthropologie und visuellen Anthropologie. Ihre bisherigen Arbeiten befassten sich mit der Beteiligung von Frauen am Völkermord an den Tutsi in Ruanda und mit den Bedingungen für eine Erinnerung an den Völkermord in Gefängnissen. Im Laufe ihrer Doktorarbeit hat sie sich mit Themen beschäftigt, die mit den Fragen der Gewalt gegen Frauen und der Erinnerung an den Völkermord zusammenhängen, darunter: Die Verrechtlichung von Frauen nach 1994; die Politik des Geständnisses und die damit verbundenen Verfahrensweise in der Phase vor und nach dem Gacaca-Prozess; der genozidale Kindermord; das ruandische Gefängnissystem. Im Rahmen ihrer Dissertation hat sie außerdem einen Dokumentarfilm über eine Gruppe von inhaftierten Völkermörderinnen gedreht, À mots couverts (gemeinsam mit Alexandre Westphal, veröffentlicht 2014). Derzeit arbeitet sie zusammen mit Alexandre Westphal an einem neuen Film mit dem Arbeitstitel Les Voisines (Die Nachbarinnen). Thema ist die ruandische Gesellschaft rund 30 Jahre nach dem Genozid, in der langjährig inhaftierte Völkermörder/innen nach und nach wieder auf freien Fuß gesetzt und zur Wiedereingliederung in die Gemeinschaft aufgefordert werden.

29. Mai 2024: Aufführung des Films „À mots couverts“ (Original mit englischen Untertiteln - Shades of True) von Violaine Baraduc und Alexandre Westphal (2014)

Im Anschluss an die Vorführung findet eine Diskussion über die Rolle der Frauen im Völkermord an den Tutsi und den Film als Instrument  sozialwissenschaftlicher Forschung statt. Mit Sarah Kiani (CMB), Violaine Baraduc und Alexandre Westphal.

Acht Insassinnen berichten aus dem Zentralgefängnis in Kigali. Mehr als fünfzehn Jahre nach dem Völkermord an den ruandischen Tutsi erzählen sie von ihrer Beteiligung an den Gewalttaten, zeichnen ihren todbringenden Weg nach und öffnen sich der Filmemacherin. Draußen ist Jérôme, der Sohn der Insassin Immaculée, zwischen Tätern und Opfern zerrissen. Es fällt ihm schwer, die Geschichte, die er erlebt hat, in Worte zu fassen. Die Erinnerungen der Insassinnen gliedern sich in die Bilder des heutigen Ruanda ein. Durch diese Bilder erzählt Baraduc die Geschichte des Völkermords und hilft, zu verstehen, wie „gewöhnliche“ Frauen zu Mörderinnen wurden.

À mots couverts wurde in Frankreich für den Albert Londres-Preis nominiert und nahm am Doc/Fest in Sheffield, bei Dokka in Karlsruhe und in Saint-Louis du Sénégal an Wettbewerben teil. Der Film erhielt den Grand Prix für historische Dokumentarfilme bei den Rendez-vous de l'histoire in Blois (2015) und beim Festival Images de justice (2016). Er wurde auch bei den Étoiles de la Scam (2016) ausgezeichnet. Eine Kurzfassung wurde von France 5 unter dem Titel Rwanda, l'impossible pardon (Ruanda, die unmögliche Vergebung) ausgestrahlt.

Im Anschluss an die Vorführung des Films (1h28) findet ein Gespräch zwischen Alexandre Westphal, Violaine Baraduc und Sarah Kiani (CMB, Co-Moderatorin des Ciné-Club, Historikerin, Autorin und Regisseurin von Dokumentarfilmen und Forscherin im Bereich Gender Studies) statt.

Kontakt

Aurélia Kalisky
aureliakalisky  ( at )  gmail.com

Ort

Sputnik Kino
Hasenheide 54/5th

10967
Berlin