Dr. Fabian Lemmes | Assoziierter Forscher

Staat, Recht und politischer Konflikt
Centre Marc Bloch, Friedrichstraße 191, D-10117 Berlin
E-Mail: fabian.lemmes  ( at )  ruhr-uni-bochum.de Tel: +49(0) 30 / 20 93 70700

Mutterinstitut : Universität des Saarlandes | Fachbereich : Geschichte |

Biographie

WS 2022/23 Vertretung der Professur für Kultur- und Mediengeschichte an der Universität des Saarlandes

SoSe 2022 Fellow am Centre Marc Bloch, Berlin

2010-2021 Juniorprofessor für Europäische Geschichte (19.-21. Jh.) an der Ruhr-Universität Bochum

2019-2020 Fellow am Collegium – Institute for Advanced Studies (IAS), Lyon

Januar-März 2017 Forschungsaufenthalt am Deutschen Historischen Institut Paris

SoSe 2014 Elternzeit

WS 2013/14 Vertretung der Professur für Geschichte Westeuropas im 19. und 20. Jh. an der Universität Kassel

August 2013 Positive Evaluierung der Juniorprofessur / Ruhr-Universität Bochum

WS 2011/12 Elternzeit

2008-2010 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität des Saarlandes

Juni 2009 Promotion am Europäischen Hochschulinstitut (EUI), Florenz, mit einer Dissertation zum Thema „Arbeiten für das Reich: Die Organisation Todt in Frankreich und Italien, 1940-1945“ (Betreuer: Heinz-Gerhard Haupt)

Januar-Juni 2008 Fellow am Zentrum für interdisziplinäre Forschung (ZiF), Universität Bielefeld, in der internationalen Forschungsgruppe „Kontrolle der Gewalt“

Oktober-Dezember 2007 Stipendiat am Centre Marc Bloch, Berlin

November 2005-Februar 2006 Forschungsaufenthalt an der Universität Paris 1 (Panthéon-Sorbonne)

2003-2008 Reisestipendiat des DFG-Graduiertenkollegs „Sklaverei, Knechtschaft und Frondienst, Zwangsarbeit. Unfreie Arbeits- und Lebensformen von der Antike bis zum 20. Jh.“, Universität Trier

2003-2007 Master- und Promotionsstudium am EUI Florenz

2002-2003 Programme Assistant am United Nations Institute for Training and Research (UNITAR), Genf, im Rahmen des Carlo-Schmid-Programms

1995-2002 Studium der Geschichte, Französischen Kulturwissenschaft und Interkulturellen Kommunikation und Sozialpsychologie an der Universität des Saarlandes

2000-2002 Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes

1997-1998 Studium am Institut d’Études Politiques in Paris, Erwerb des „Diplôme du Programme International de Sciences Politiques et Sociales“

Forschungsthema

Arbeitsschwerpunkte

 

  • Geographisch und zeitlich: Geschichte Europas im 19. bis 21. Jahrhundert, besonders Deutschlands, Frankreichs, Italiens und Spaniens und ihrer europäischen, mediterranen und globalen Verflechtungen
  • Methodisch: vergleichende und transnationale Geschichte, kultur- und gesellschaftsgeschichtliche Ansätze
  • Thematisch: Nationalsozialismus und besetzte Gesellschaften; Arbeit, Migration; Medien und Öffentlichkeiten; Anarchismus und soziale Bewegungen; politische Gewalt, Terrorismus; Grenzen und Grenzräume; Mittelmeer

Öffentliche Debatten über Terrorismus. Die anarchistischen Attentate in Westeuropa im goldenen Zeitalter der Presse (1878–1906)

Das Projekt untersucht in vergleichender und transnationaler Perspektive die anarchistischen Attentate in Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert. Diese waren Teil einer globalen Anschlagswelle, die infolge der beschleunigten Kommunikation und Presseexpansion des Fin-de-Siècle eine bis dahin ungekannte Wirkung entfaltete und in der politik- und sozialwissenschaftlichen Forschung als erste Welle des modernen Terrorismus gilt. Dass die Attentate als Strategie revolutionärer Mobilisierung scheiterten, ist bekannt. Mein Projekt erforscht sie dagegen als folgenreiche Provokationen der bestehenden politischen Ordnungen und Gesellschaften. Die Attentate hatten nicht nur weitreichende Auswirkungen auf staatliche Sicherheits-, Repressions- und Immigrationspolitiken und auf die Entwicklung des Anarchismus. Sie führten auch zu intensiven öffentlichen Debatten über politische Gewalt, eine vermeintliche internationale anarchistische Verschwörung und angemessene Antworten des Staats.

Das Projekt ist einer Kulturgeschichte des Politischen verpflichtet und versteht Terrorismus als Kommunikationsstrategie. Es untersucht, wie in den öffentlichen Debatten die Grenzen legitimer Politik verhandelt und verschoben wurden – mit, so die These, weitreichenden Folgen für den politischen Raum. Dabei fragt es auch, wie transnational diese Debatten waren und inwiefern man von einem transnationalen europäischen Kommunikationsraum sprechen kann. Mit den anarchistischen Attentaten begann nicht die Geschichte des Terrorismus als solcher, wohl aber die Geschichte des Terrorismus als major political issue. Dabei treten zahlreiche Analogien zu gegenwärtigen Debatten über das Verhältnis von Sicherheit auf der einen und Freiheitsrechten und Rechtsstaatlichkeit auf der anderen Seite zu Tage, was der Studie zusätzliche Relevanz verleiht.