Jonas Aubert Nchoundoungam | Assoziierter Doktorand

Mobilität, Migration und räumliche Neuordnung
Centre Marc Bloch, Friedrichstraße 191, D-10117 Berlin
E-Mail: jonas.nchoundoungam  ( at )  cmb.hu-berlin.de Tel: +49(0) 30 / 20 93 70700

Mutterinstitut : Humboldt Universität zu Berlin | Position : Assoziierter Doktorand | Fachbereich : Geographie |

Biographie

Jonas Aubert Nchoundoungam (HU Berlin)

2016: Master of Arts in Geographie mit dem Schwerpunkt auf Schwellen- und Entwicklungsländer (University of Paris 1 Panthéon Sorbonne) betreut durch Bernard Tallet and Christine Raimond. Titel der Masterarbeit: "Foncier et stratégies d’accès et de contrôle dans les anciennes plantations coloniales au Cameroun: l’exemple de la C.O.C". gefördert durch das  IRD (Institut de Recherche pour le Développement).

2018-2023: Doctorarbeit (Dr. rer nat.) in Geographie (Humboldt-Universität zu Berlin, betreut durch Elmar Kulke) mit dem Titel "Black African asylum seekers and tolerated migrants' socio-economic integration in Germany: An ethno-sociogeographical approach of their income generation practices in Berlin", gefördert durch die Elsa Neumann-Stiftung des Landes Berlin.

2021-2023: Lehraufträge und Betreuung von studentischen Abschlusarbeiten am Geograpischen Institut der Humboldt-Universität zu Berlin zu den Themen Migration, Nachtökonomie, Kriminalitätsbelastete Orte (KbOs), Racial profiling und die Geographie Kameruns (Bachelor und Master).

Stipendium

Maison Européenne des Suds (MES) 2016 (Master)

Elsa Neumann Stiftung des Landes Berlin (2018-2021)

Forschungsthema
  • Internationale Migration von Menschen
  • Sozio-ökonomische Integration, Asyl- und vergleichende Migrationsregime und -systeme
  • Vergleichende Migrationsnetzwerke und -politik
  • Racial profiling, Rassismus und Praktiken der Diskriminierung
  • Kriminalitätsbelastete Orte (KbOs)
  • Netzwerkanalyse (ökonomisch, migrantisch, räumlich)
  • Methodentriangulation (mixed methods) mit Schwerpunkt auf Ethnographie und sozial-geographischen Methoden (u.a. Kartierung, Beobachtung, Interviews und Fragebögen)
Titel der Dissertation
Die sozioökonomische Integration von schwarzafrikanischen Asylbewerber:innen und geduldeten Migrant:innen in Deutschland: Eine ethno-soziogeographische Untersuchung ihrer Einkommenserwerbspraktiken in Berlin
Zusammenfassung der Dissertation

Die Dissertation basiert auf meinen persönlichen Erfahrungen als schwarzafrikanischer Asylbewerber in Deutschland. Ich untersuche, welche wirtschaftlichen Aktivitäten schwarzafrikanische Asylwerber, d.h. mit einer Aufenthaltsgestattung, gemäß § 55 AsylG, und geduldete Migranten, d.h. mit einer Duldung (§ 60a AufenthG), in Berlin zur Einkommensgenerierung entwickelt haben. Es handelt sich hierbei um ein innovatives Forschungsprojekt, da mehrere Ansätze und Methoden der Datenerhebung aus den Geistes- und Sozialwissenschaften angewendet werden. So werden in meiner Doktorarbeit die ethno-soziogeographische Methoden 1) teilnehmende Beobachtungen, 2) Interviews und Fokusgruppendiskussionen 3) Kartografie (Kartierung) verwendet, um die Einkommensgenerierungspraktiken sichtbar zu machen, die von schwarzafrikanischen Asylsuchenden und geduldeten Migranten für ihr Überleben und das ihrer Familien verfolgt werden.

Methodisch setzt die Arbeit auf gemischte Methoden zur Datenerhebung (Stichprobenziehung, Interviews, Fragebögen). Zwischen 2016 und Juni 2021 habe ich durchgeführt: 20 Einzelfallstudien, 300 halbstrukturierte Fragebögen, zwei Experteninterviews mit Abgeordneten des Deutschen Bundestages und des Berliner Abgeordnetenhauses, sechs Fokusgruppendiskussionen mit sowohl der Zielgruppe selbst als auch mit einem deutschen Beamt:innen zur sozioökonomischen Integration in Berlin/Deutschland. Die wirtschaftlichen Aktivitäten, die in dieser Studie identifiziert und untersucht wurden, sind: Drogenhandel, Zeitungsauslieferung, informeller Streetfood-Verkauf, Friseur, Handel und das Testen auf Corona.

Die Aufnahme der oben genannten wirtschaftlichen Aktivitäten ist eng mit der sozioökonomischen Integration des Einzelnen verbunden und verflochten. Zudem hängt die sozioökonomische Integration der Zielgruppe (schwarzafrikanische Asylsuchende und geduldete Migrant:innen), d.h. ihr Zugang zu Integrationskursen und ihr Erhalt/Erhalt einer Arbeitserlaubnis, immer stark von der Zustimmung zweier staatlicher Stellen ab: 1) der Ausländerbehörde (ABH) und 2) der Bundesagentur für Arbeit (BA).

Aufgrund der Verflechtung dieser verschiedenen Faktoren ist das Ziel meiner Doktorarbeit: 

  1. die von schwarzafrikanischen Asylsuchenden und geduldeten Migrant:innen entwickelten Überlebensstrategien zur Einkommensgenerierung zu identifizieren, zu beschreiben, zu verstehen und kritisch zu reflektieren, einschließlich der Entwicklung von Typologien ihrer wirtschaftlichen Aktivitäten zur Einkommensgenerierung in Berlin, z.B. Tätigkeiten bei Tag/Nacht, Form und Art ihrer wirtschaftlichen Aktivitäten (legal, halblegal oder illegal/kriminell) und ihren soziodemographischen Merkmalen. 
  2. Erforschen der Begriffe, Konzepte und Begriffe, die von den schwarzafrikanischen Asylsuchenden und tolerierten Migranten bei der Definition ihrer selbst und ihrer wirtschaftlichen Aktivitäten in Berlin verwendet werden (Glossar der schwarzafrikanischen Migration); und 
  3. die Relevanz ihrer Netzwerke (individuell/gemeinsam) für den Zugang zu ihren ökonomischen Tätigkeiten.

In der Tat wirft diese Forschung Licht auf eine menschliche Gruppe, die bisher unsichtbar und unerforscht ist. Ich decke die verschiedenen Aspekte und Faktoren auf, die die Aufnahme bestimmter wirtschaftlicher Aktivitäten durch schwarzafrikanische Asylsuchende und geduldete Migrant:innen beeinflussen, und untersuche die alltäglichen Erfahrungen und Herausforderungen bei der Durchführung dieser wirtschaftlichen Aktivitäten. Darüber hinaus plädiert diese Studie für ein Umdenken in der sozioökonomischen Integrationspolitik von schwarzafrikanischen Asylsuchenden und geduldeten Migrant:innen in Deutschland, die stark eingeschränkt und stark elitär ist und diesen beiden Migrant:innen-Gruppen nur wenige Möglichkeiten lässt, als sich auf (il)legale, halblegale und kriminelle Praktiken der Einkommensgenerierung zu verlassen, die wiederum die echte soziale Integration in Berlin/Deutschland negativ beeinflussen und verlangsamen.

Institution der Dissertation
Humboldt-Universität zu Berlin
Betreuer
Elmar Kulke

Berlin Kriminalitätsbelastete Orte (KbO)

Das Projekt KbO in Berlin will die Zunahme krimineller Praktiken, Maßnahmen zur Kriminalitätsbekämpfung und Imaginationen von (Il)Legalität untersuchen, die sich derzeit in Europa/Deutschland (Berlin) ausbreiten, sowohl als Reaktion als auch Ursprung auf Politiken der Bedrohung und Unsicherheit. Ziel ist es, die Beweggründe und Herausforderungen sowie die Auswirkungen der Kriminalisierung auf die vielfältigen Akteure und Praktiken analytisch zu erfassen, die die damit verbundenen Landschaften der Kriminalisierung rund um 1) Drogenhandel und -konsum, 2) Polizeigewalt, Racial Profiling, Rassismus, diskriminierende Praktiken und Community Policing, 3) Konflikte und Formen des Widerstands (neu) gestalten. Ausgehend von den sogenannten Kriminalitätsbelasteten Orten (KbOs) in Berlin wird ein breiter Reflexionsansatz für den sogenannten Globalen Norden verfolgt. Interessant ist das Feld nicht nur aus wirtschaftsgeographischer Sicht. Das Thema ist auch aus einer sozial- und kulturgeographischen Perspektive interessant, da die Berliner KbOs Orte sind, an denen Einheimische und Migrant:innen mit unterschiedlichem sozioökonomischem und kulturellem Hintergrund und verschiedenen Zielen aufeinandertreffen und interagieren.
Publikationen

Enjeux fonciers dans les anciennes plantations coloniales et impacts socio-économiques : le cas de la plantation de la Compagnie Ouest Cameroun dans le Noun (Ouest- Cameroun), in Complexification des nouveaux enjeux fonciers en Afrique subsaharienne, quelques exemples de l’Afrique du Centre et de l’Ouest. Editions Clé, 2019, p. 77- 95.